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Audi e-tron GT: Interviews zu Klang und Produktion

Grauer Audi E-Tron GT Sportwagen steht in modernem Showroom mit großen Fenstern und Beleuchtung.

Neben der Gelegenheit, den Audi e-tron GT in seiner sportlichsten Ausführung RS zu fahren, ermöglichte uns die deutsche Marke auch Gespräche mit zwei Verantwortlichen für dieses deutsche Modell.

Stefan Gsell entwickelte den Fahrklang des e-tron GT und verriet uns: „Die reale Welt inspiriert digitale Klänge.“

Alexander Breuer, Produktionsleiter des Audi e-tron GT, betont seinerseits: „Es ist unglaublich, den e-tron GT und den R8 auf derselben Montagelinie zu produzieren.“

Im Gespräch erklären beide ihre Aufgaben und geben Einblicke in einige Details des neuen Elektroautos von Audi.

Audi e-tron GT: Technologie und Natur im Einklang

Wie entsteht der Klang für ein sportliches Elektroauto?

Stefan Gsell (SG): Je eingehender wir mögliche Lösungen untersuchten, desto klarer wurde uns, dass aus der Natur gewonnene Klänge am besten zu dem passen könnten, was eine Fahrt im e-tron GT akustisch begleiten soll.

Das Fahrzeug besitzt eine sehr markante Gestaltung, und der Klang sollte diesem Anspruch folgen. Um sämtliche Fahrsituationen abzudecken, nutzten wir ein breites Klangspektrum: nicht aufdringlich, aber dennoch prägnant und emotional.

Tiefe Frequenzen begleiten die besonders sportlichen Fahrmomente. Mittlere und hohe Frequenzen wiederum sollen das Fahrzeug im Stadtverkehr hörbar machen, damit andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer bemerken, dass sich der Audi e-tron GT nähert.

Erfolgt die Erforschung akustischer Frequenzen eher digital oder analog?

SG: Wir arbeiteten mit Rohren, Ventilatoren und Hubschrauberrotoren – und erzielten dabei überraschende Ergebnisse.

Oft liefert gerade der unerwartetste Gegenstand den passendsten Klang. Anders als ein einzelnes Geräusch muss ein Auto jedoch kontinuierlich klingen, weshalb wir letztlich unsere eigene Software entwickeln mussten, da es dafür noch keine gab.

Wir sind überzeugt, dass der fertige Klang 1.000 Worte wert ist. Für unsere Aufnahmen verwendeten wir 32 Spuren, die wir mit Synthesizern, Musikinstrumenten, Rohren etc. komponierten.

So arbeitet das Soundsystem

Wie funktioniert das System in Kurzform?

SG: Ein Lautsprecher gibt den vollständigen Klang nach außen ab, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. In Europa gilt dies bis 20 km/h, in den Vereinigten Staaten bis 32 km/h. Für beide Märkte wurden eigene akustische Modelle entwickelt, die sich bei Frequenz und Lautstärke unterscheiden, auch wenn das Grundmuster sehr ähnlich ist. Ab 60 km/h ist der Klang nicht mehr hörbar, weil Reifen- und Windgeräusche ihn überlagern.

Optional ist ein Soundpaket erhältlich, das einen weiteren Außenlautsprecher sowie zwei Lautsprecher im hinteren Bereich des Innenraums umfasst und damit ein intensiveres Klangerlebnis ermöglicht.

Was war die größte Herausforderung bei dieser Entwicklung?

SG: Wir wollten nicht übertreiben und etwas schaffen, das zu stark nach „Science-Fiction“ klingt. Dieser Versuchung zu widerstehen, gehörte zu den größten Herausforderungen.

Ebenso wichtig war es, den Audi-Klang vom Porsche-Klang abzugrenzen. Wir wollten sogar lieber nicht wissen, woran die jeweiligen Teams arbeiteten, um unerwünschte Einflüsse auszuschließen.

Gibt es nur einen Klang, oder kann der Fahrer weitere Klänge auswählen oder herunterladen?

SG: Der Fahrer kann den Klang über die Fahrmodi „Efficiency“, „Auto“, „Dynamic“ oder beeinflussen. Je nach gewählter Einstellung und Fahrweise passt sich die Klangwirkung im und außerhalb des Fahrzeugs an.

Wir hätten die Auswahl verschiedener Klangarten anbieten können, doch ich denke, dass wir die beste Lösung gewählt haben – auch weil stets eine Reihe gesetzlicher Vorgaben einzuhalten ist.

Interessant ist außerdem, dass der Klang im Innenraum und außerhalb des Autos nicht immer identisch ist. Im Innenraum ist er nur im Modus „Dynamic“ hörbar, nicht jedoch in „Comfort“ oder „Efficiency“, und selbst dann ergänzt er lediglich den außen erzeugten Klang.

Menschen und Maschinen auf der Produktionslinie

Welche Schritte umfasst die Produktion des Audi e-tron GT im Überblick?

Alexander Breuer (AB): Den Anfang macht die Karosseriefertigung in den Böllinger Höfen. Anschließend wird die Karosserie nach Neckarsulm gebracht, das nur wenige Kilometer entfernt liegt, um dort lackiert zu werden. Danach kehrt sie zur Endmontage in die Böllinger Höfe zurück, wo sie direkt neben dem R8 montiert wird.

Schließlich handelt es sich um die beiden leistungsstärksten Audi-Serienmodelle aller Zeiten.

Was wurde anders gemacht, damit dies möglich wurde?

AB: Dank virtueller Tests erreichte dieser Audi besonders schnell die Serienproduktion. Dadurch konnten zahlreiche physische Erprobungen mit realen Prototypen entfallen.

Für dieses Elektroauto wurde eine eigene Montagelinie eingerichtet. Karosserie und Fahrwerk durchlaufen die Produktion zweimal; die Abläufe sind sowohl innen als auch außen vollständig automatisiert.

Beim ersten Durchlauf werden die Komponenten im Innenbereich montiert, beim zweiten jene im Außenbereich. Dafür stehen 10 Roboter und 32 Werkzeuge bereit. Jeder Roboter kann also mehr als eine Aufgabe übernehmen: Beim ersten Durchgang kann er schweißen, beim zweiten ein Bauteil befestigen.

Handwerk bleibt in der Audi e-tron GT Produktion unverzichtbar

Werden Roboter künftig die Menschen an den Montagelinien ersetzen?

AB: Der R8 besitzt einen Space Frame aus Aluminium und kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und wird beinahe vollständig von Hand gefertigt. Der Audi e-tron GT hat dagegen eine Struktur aus verschiedenen Metallen mit extrem hoher Steifigkeit und wird nahezu komplett automatisiert montiert.

Dennoch bleibt menschliches Können in bestimmten Bereichen unersetzlich. Das Schweißen der B-Säule ist äußerst anspruchsvoll. Deshalb übernehmen unsere spezialisierten R8-Handwerker das Schweißen dieser Aluminiumkomponenten und bringen dabei ihre langjährige Erfahrung ein.

Bevor das Auto zur Lackierstation fährt, gelangt es außerdem in einen Bereich zur Anbauteilmontage. Dort werden etwa Türen, Stoßfänger und Motorhaube angebracht. Da jede Oberfläche zu 100 % makellos sein muss, sind menschliches Auge und Fingerspitzengefühl erneut unverzichtbar.

Trotzdem handelt es sich um eine hochmoderne Montage ohne klassische durchgehende Linien. Stattdessen transportiert eine Reihe autonomer Fahrzeuge die Teile und sogar die Karosserien, liefert sie mit großer Flexibilität und Funktionalität jeweils an den richtigen Ort.

Erkennen Sie dennoch den Beitrag neuer Technologien bei der Fertigung jedes modernen Automobils an?

AB: Selbstverständlich spielte die Digitalisierung bei dieser neuen Montagelinie eine entscheidende Rolle. Der Montagebereich wurde vollständig in einem Computerprogramm digital abgebildet; sogar der Produktionsstart wurde bei Audi erstmals komplett virtuell geplant.

Ein weiteres Beispiel ist der 3D-Druck: Jemand muss nur ein Bauteil im Computerprogramm entwerfen und die Datei an die 3D-Kollegen weitergeben. Wenige Stunden später halten wir das Teil in der Hand und können es im Auto montieren.

Welches der beiden Modelle benötigt mehr Produktionszeit?
AB: Der R8 dauert etwas länger, weil der Einbau der Komponenten aus Kohlenstofffaser zusätzliche Zeit beansprucht.

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