Zwischen Aston Martin und Mercedes-Benz bestand bereits eine Technologiepartnerschaft. Sie ermöglichte dem britischen Hersteller, einige Modelle mit AMG-V8-Motoren auszurüsten und zugleich die Elektronikarchitektur des deutschen Autobauers zu nutzen. Nun wird diese technologische Zusammenarbeit intensiviert und ausgeweitet.
Das Jahr 2020 dürfte vielen von uns lange im Gedächtnis bleiben – und für Aston Martin gilt das angesichts der zahlreichen Entwicklungen in diesem Jahr ebenso.
Nach den schwachen Verkaufs- und Finanzergebnissen des ersten Quartals, also noch vor Covid-19, verlor das Unternehmen an der Börse deutlich an Wert. Daraufhin trat Lawrence Stroll, Direktor des Formel-1-Teams Racing Point, auf den Plan: Er führte ein Investorenkonsortium an, das Aston Martin stützen sollte und ihm zugleich einen Anteil von 25 % an Aston Martin Lagonda sicherte.
In der Folge verließ CEO Andy Palmer das Unternehmen, während Tobias Moers seinen Posten bei Aston Martin übernahm. Moers hatte seit 2013 die Hochleistungsabteilung AMG von Mercedes-Benz geleitet und war dort maßgeblich für das anhaltende Wachstum verantwortlich.
Damit schienen auch die guten Beziehungen zu Daimler, der damaligen Muttergesellschaft von Mercedes-Benz, gesichert zu sein.
Verstärkte Technologiepartnerschaft von Aston Martin und Mercedes-Benz
Der neue Beschluss bestätigt diesen Eindruck: Die Technologiepartnerschaft zwischen Aston Martin und Mercedes-Benz wird erweitert und vertieft. Mercedes-Benz wird dem britischen Hersteller künftig eine breitere Auswahl an Antriebssträngen bereitstellen – von klassischen Verbrennungsmotoren über Hybridantriebe bis hin zu Elektroantrieben. Darüber hinaus erhält Aston Martin bis 2027 umfassenderen Zugang zu elektronischen Architekturen für sämtliche neu eingeführten Modelle.
Was erhält Mercedes-Benz als Gegenleistung?
Mercedes-Benz wird aus dieser Vereinbarung erwartungsgemäß nicht „mit leeren Händen“ hervorgehen. Als Gegenleistung für die bereitgestellte Technologie erhöht der deutsche Hersteller seinen Anteil am britischen Autobauer.
Derzeit hält Mercedes-Benz AG 2,6 % an Aston Martin Lagonda. Im Rahmen des neuen Abkommens soll dieser Anteil innerhalb der kommenden drei Jahre schrittweise auf 20 % steigen.
Ehrgeizige Ziele für Aston Martin
Mit der unterzeichneten Vereinbarung wirkt die Zukunft des kleinen Herstellers besser abgesichert. Die Briten haben ihre strategischen Pläne und ihre Modellplanung überarbeitet – und diese fallen deutlich ambitionierter aus.
Aston Martin strebt für 2024/2025 jährliche Verkäufe von rund 10.000 Fahrzeugen an; 2019 waren es etwa 5900 Einheiten. Bei Erreichen dieses Verkaufsziels soll der Umsatz bei etwa 2,2 Milliarden Euro liegen, während ein Gewinn von rund 550 Millionen Euro erwartet wird.
Welche neuen Aston-Martin-Modelle konkret geplant sind, ist noch nicht vollständig bekannt. Laut Autocar, das Aussagen von Lawrence Stroll und Tobias Moers erhalten hat, stehen jedoch zahlreiche Neuheiten bevor. Die ersten Modelle, die von diesem Abkommen profitieren, sollen Ende 2021 auf den Markt kommen. Besonders 2023 dürfte viele neue Fahrzeuge bringen.
Neue Sportwagen und SUV-Modelle bis 2025
Lawrence Stroll wurde noch konkreter: Die 10.000 Fahrzeuge pro Jahr sollen sich aus Sportwagen mit Frontmotor und Mittelmotor hinter den Sitzen zusammensetzen, darunter die neuen Valhalla und Vanquish, sowie aus einem „SUV-Produktportfolio“ – der DBX wird also nicht der einzige SUV bleiben. Für 2024 erwartet er, dass 20–30 % der Verkäufe auf Hybridmodelle entfallen. Das erste vollständig elektrische Modell soll frühestens 2025 erscheinen; die Elektro-Concept-Cars Lagonda Vision und All-Terrain scheinen sich hingegen zu verzögern oder könnten möglicherweise gar nicht umgesetzt werden.
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