Nach all den Jahren, in denen vom Niedergang des Diesel die Rede ist, mag es überraschend wirken. Doch die Realität lautet: Im portugiesischen Gebrauchtwagenmarkt ist er weiterhin die meistverkaufte Antriebsart.
Laut dem neuesten Market Watch von INDICATA, der Analyseplattform für den Gebrauchtwagenmarkt von Autorola, waren im Juli 33,31 % aller verkauften Gebrauchtwagen Dieselmodelle.
Direkt dahinter folgt Benzin mit 29,25 %, während Elektroautos bereits auf 16,35 % kommen. Plug-in-Hybride stehen für 9,63 % der Verkäufe, Mildhybride für 8,23 % und klassische Hybride für 3,23 %. Der Diesel liegt damit noch vorn, doch sein Vorsprung schrumpft zunehmend.
Diesel-Anteil bei Gebrauchtwagen in zwei Jahren um fast 30 % gesunken
Im Juli 2024 verfügte nahezu jeder zweite in Portugal verkaufte Gebrauchtwagen über einen Dieselmotor: Der Anteil lag bei 47,48 %. Zwei Jahre später ist er auf 33,31 % zurückgegangen – ein Rückgang von 29,8 %.
Auch Benziner verloren Marktanteile und sanken von 34,73 % auf 29,25 %. Zugleich gewannen elektrifizierte Antriebe an Bedeutung. Elektroautos haben ihren Anteil im selben Zeitraum beispielsweise mehr als verdoppelt.
Nach Einschätzung von INDICATA entfernt sich Portugal schrittweise von einem Gebrauchtwagenmarkt, der um den Dieselkraftstoff herum organisiert ist. Der Diesel verschwindet nicht – insbesondere bei hoher jährlicher Fahrleistung verfügt er weiterhin über eine wichtige Kundengruppe –, doch er ist nicht länger die Technologie, die das Marktwachstum antreibt.
Auch das Angebot passt sich langsamer an. Während Dieselautos 33,31 % der Verkäufe ausmachen, stellen sie noch immer 35,18 % des verfügbaren Bestands.
Diesel verkaufen sich langsamer, Preise bleiben stabil
Dieser Unterschied zeigt sich ebenfalls an der Zeit, die für den Verkauf eines Fahrzeugs benötigt wird. INDICATA verwendet dafür den Market Days Supply (MDS), einen Indikator, der schätzt, für wie viele Tage der verfügbare Bestand beim aktuellen Verkaufstempo ausreichen würde.
Bei Dieselfahrzeugen liegt dieser Wert derzeit bei rund 83 Tagen, nachdem er im Frühjahr noch 113 Tage erreicht hatte. Die Erholung ist deutlich, dennoch verkaufen sie sich langsamer als Benziner mit etwa 75 Tagen und vor allem langsamer als Elektroautos, die nur 55 Tage benötigen.
Trotz sinkendem Marktanteil und geringerer Umschlaggeschwindigkeit haben sich die Dieselpreise behauptet. Der INDICATA-Einzelhandelspreisindex liegt bei 101,32 Punkten, wobei Januar 2020 mit 100 als Referenz dient. Damit bewegen sich die Preise praktisch auf dem Niveau von vor sechs Jahren.
Das steht im starken Gegensatz zu Elektroautos, deren Index auf 77,30 Punkte gefallen ist, sowie zu Plug-in-Hybriden mit 80,88 Punkten. Benziner bleiben dagegen besonders wertstabil und liegen bei knapp 111 Punkten.
Für INDICATA zeigt diese Preisstabilität, dass weiterhin Nachfrage nach Dieselfahrzeugen besteht, wenn das Nutzungsprofil sie rechtfertigt. Allerdings beeinflussen neue Faktoren die Entscheidung. Dazu zählt der Anstieg der Kraftstoffpreise im Jahr 2026, der beim Dieselkraftstoff besonders stark ausfällt, während zugleich das Angebot elektrifizierter Alternativen wächst.
Diesel bleibt Marktführer – aber wie lange noch?
Die Daten deuten nicht auf ein schnelles Verschwinden des Diesel hin. Er führt die Verkaufsstatistik weiterhin an, macht mehr als ein Drittel des Bestands aus und seine Preise haben sich deutlich besser gehalten als jene von Plug-in-Antrieben.
Die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre lässt sich jedoch kaum übersehen. Der Anteil ist um mehr als 14 Prozentpunkte gesunken, der Bestand liegt im Verhältnis über den Verkäufen, und die Umschlaggeschwindigkeit ist geringer als bei Benzinern und Elektroautos.
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