Über mehr als zwei Jahrzehnte war Bugatti nahezu untrennbar mit einem Motor verbunden: dem 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern.
Seinen Einstand gab er 2005 im Veyron, in dem er erstmals die Marke von 1000 PS übertraf. Über den Chiron und dessen zahlreiche folgende Varianten entwickelte er sich weiter, bis seine Leistung schließlich 1600 PS erreichte.
Diese Ära ist nun beendet. Im Juli verließ der letzte von 99 W16 Mistral die Werkstatt in Molsheim und beendete damit die reguläre Fertigung von Bugatti-Modellen mit einem der außergewöhnlichsten Motoren der Automobilindustrie.
Das Aus des W16 bedeutet bei Bugatti jedoch nicht das Ende von 16 Zylindern. Das nächste Kapitel trägt den Namen Tourbillon und ersetzt die W-Anordnung durch eine V-Konfiguration – diesmal mit elektrischer Unterstützung.
16 Zylinder, aber vollständig neu entwickelt
Während der Veyron den Beginn der modernen Bugatti-Ära einläutete, soll der Tourbillon diese Rolle für die nächste Generation übernehmen.
An die Stelle des aufgeladenen W16 tritt ein 8,3-Liter-V16-Saugmotor, der gemeinsam mit Cosworth entwickelt wurde. Er leistet allein 1000 PS bei 9000 U/min, wird aber erstmals von drei Elektromotoren ergänzt. Zusammen entstehen 1800 PS, womit der Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,0 s gelingen und eine Höchstgeschwindigkeit von 445 km/h erreicht werden soll.
Bugatti Tourbillon setzt auf Saugmotor und Elektrifizierung
Bugatti begründet die Wahl des Saugmotors mit dessen unmittelbarem Ansprechverhalten, der gleichmäßigen Leistungsentfaltung und dem mechanischen Erlebnis, das nur ein großvolumiger Motor ohne Aufladung bieten kann.
Die Elektrifizierung macht den Tourbillon dabei nicht zum Schwergewicht. Bugatti entwickelte eine komplett neue Plattform und setzte konsequent auf Gewichtsreduzierung, um Batterie und Elektromotoren auszugleichen.
Auch im Innenraum verfolgt die Marke einen ungewöhnlichen Ansatz. Statt das Cockpit mit riesigen Bildschirmen zu verkleiden, entwickelte Bugatti ein einzigartiges mechanisches Instrumentenensemble, das mit Verfahren der Schweizer Uhrmacherkunst gefertigt wird.
Damit soll bewusst verhindert werden, dass der Innenraum in einigen Jahrzehnten veraltet wirkt.
Produktion steht kurz vor dem Start
Im Juli eröffnete Bugatti La Manufacture, den neuen Standort in Molsheim für die Fertigung des Tourbillon. Die Fahrzeuge, die derzeit auf der Straße zu sehen sind, bleiben allerdings noch Validierungsprototypen.
Die Entwicklung befindet sich bereits in der Endphase, und die Marke versichert, dass der Produktionsbeginn unmittelbar bevorsteht. Der bei der Präsentation bekannt gegebene Plan sah die ersten Auslieferungen noch für 2026 vor.
Insgesamt entstehen lediglich 250 Exemplare, die sämtlich bereits Kunden zugeteilt sind. Die Preise beginnen vor Steuern bei 3,8 Millionen Euro.
Sur Mesure und Programme Solitaire für besondere Einzelstücke
Bei dieser Exklusivität soll es nicht bleiben. Neben dem Individualisierungsprogramm Sur Mesure hat Bugatti mit dem Programme Solitaire die Tradition des Coachbuilding wiederbelebt. Damit sollen pro Jahr bis zu zwei vollständig einzigartige Fahrzeuge entstehen.
Ausgerechnet dieses Programm wird dem W16 nach dem Mistral noch etwas Leben ermöglichen. Die ersten Solitaire-Kreationen nutzten die Plattform und den Motor, welche die vergangenen 20 Jahre von Bugatti prägten. Nun bereitet sich die Marke darauf vor, das Fahrzeug und den Motor zu bauen, die ihre nächsten 20 Jahre bestimmen sollen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen