Was zum Fort Knox soll das sein?
Hier steht der aktuelle Toyota Tundra TRD Pro: Toyotas robuster Full-Size-Pick-up, der mit der nötigen Technik gegen Rivalen wie Ford Raptor und Ram TRX antreten soll – mit unterschiedlich überzeugendem Erfolg.
Aber diese Farbe …
Stimmt, der Lack heißt Honeycomb und richtet sich an alle, die gern in einem vergoldet wirkenden TRD unterwegs sind. Unserer Ansicht nach ist er dennoch ein Fortschritt gegenüber dem knalligen türkisfarbenen „Wave Maker“ des Vorjahres. Allerdings weckt das schillernde neue Finish keinerlei Appetit auf Queso – ein klarer Minuspunkt.
Entscheidend für die Baja-Tauglichkeit dieses Pick-ups ist ohnehin nicht die Lackierung, sondern seine Technik. Der TRD Pro Tundra erhält überarbeitete Fox-Dämpfer, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass er Gelände auch bei hohem Tempo bewältigt. Sie sind in die ohnehin kräftig dimensionierte Doppelquerlenker-Vorderachse und die Mehrlenker-Hinterachse eingebunden.
Zusätzlich bekommt der Tundra eine neu gestaltete Frontpartie, die optisch besser zu den übrigen Toyota-Overlandern passt. Neu sind auch die vorderen Abschlepphaken – vermutlich, um weniger geländegängige Fahrzeuge zu bergen, und ganz sicher nicht, damit der Tundra selbst gerettet werden muss.
Was steckt unter der Motorhaube?
Angetrieben wird dieser Tundra von Toyotas aggressiv benanntem 3,4-Liter-V6-Biturbo-Hybrid „i-Force Max“. Das System stellt 437 hp und 583 lb ft Drehmoment bereit. Für die vorgesehenen Einsätze reicht das locker aus, ganz gleich, ob schnelle Passagen über staubige Dünen oder gelegentliche Sprünge über Anlieger anstehen. Falls ihm in einem Bereich etwas fehlt, dann am ehesten an dramatischer Inszenierung.
Ein aktueller Konkurrent wie Rams TRX ist im Grunde ein Kompressor mit Höherlegung – und der brachiale Klang gehört dort fest zum Gesamtpaket. Beim Tundra hat Effizienz Vorrang vor Show: Meist hört man vor allem Lüfter, die verzweifelt möglichst viel Luft ansaugen wollen. Das erscheint als fairer Tausch, wenn man berücksichtigt, dass der kombinierte Verbrauch des Tundra TRD Pro bei 20 MPG liegt, gegenüber 12 MPG beim TRX. Je nach gewählter Einstellung leitet ein 10-Gang-Automatikgetriebe die Kraft an zwei oder alle vier Räder weiter.
Davon gehen wir reichlich aus.
Und tatsächlich: Multi-Terrain Select steht für sämtliche Untergründe bereit, von Schlamm über Felsen bis Sand. Wer den Untergrund nicht selbst analysieren möchte, lässt die Automatik den Tundra die Auswahl übernehmen. Unabhängig von den Software-Einstellungen verfügt der echte Geländewagen außerdem über Fahrstufen mit hoher und niedriger Untersetzung, die ebenso unkompliziert zu bedienen sind.
Wie fährt sich der Toyota Tundra TRD Pro?
Als größtes Modell in Toyotas Pick-up-Programm bringt der Tundra erwartungsgemäß ordentlich Masse mit. Die TRD-Technik sorgt zwar für ein straffes, federfreudiges Fahrverhalten, doch bereits die Basisversionen des Tundra schlucken übliche Unebenheiten und Senken mühelos. Mit der zusätzlichen Ausstattung bleibt daher vieles, was durchschnittliche Fahrer durchschütteln würde, nahezu unbemerkt.
Einen TRD Pro kauft man aber nicht für alltägliche Hindernisse, sondern um bei Tempo Absurdes anzustellen – etwa einen Motocross-Kurs mit Wellen und Rampen zu befahren. Erfreulicherweise lässt sich dieser Wunsch auch mit einem Full-Size-Pick-up erfüllen. Und es macht sogar Spaß.
Innerhalb des TRD-Kreises zeigt sich der Tundra beim Fahrverhalten vermutlich am berechenbarsten. Er fühlt sich so schwer an, wie er tatsächlich ist, und bei der Beschleunigung wünscht man sich gelegentlich etwas mehr Nachdruck – ans Ziel kommt man aber trotzdem. Bei hohem Tempo auf rauem Terrain nimmt der Tundra einem viel Arbeit ab, indem er Wanken der Karosserie weitgehend ausgleicht und stabil bleibt. Häufig hält man sich eher für die Fahrt fest, als jede einzelne Bewegung präzise zu kontrollieren.
Für die Verzögerung sorgen Zweikolben-Bremssättel vorn und Einkolben-Bremssättel hinten, die auch bei erheblicher Belastung standhaft bleiben. Besonders nützlich sind sie, wenn dieser umgebaute Arbeitswagen nach einem Sprung wieder entschlossen zum Stillstand kommen soll.
Unterm Strich ist er leistungsfähig und äußerst satt auf dem Untergrund unterwegs. Der Preis dafür: Er wirkt nicht so verspielt, wie es das TRD-Emblem vermuten lässt. Mehr als andere TRD-Modelle scheint er seine Aufgaben fast widerwillig zu erledigen.
Dafür bekommt man neben allem anderen die für Toyota typische Robustheit. Es dürfte inzwischen klar sein, dass wir hier eine besondere Schwäche für unzerstörbare Pick-ups haben. Zur Langzeithaltbarkeit des Tundra TRD Pro können wir zwar nichts sagen, doch alles, was wir ihm zugemutet haben, steckte er ohne auch nur ein Knarzen weg.
Und wie schlägt er sich auf der Autobahn?
Auf befestigtem Untergrund bleibt der Tundra ein pflichtbewusster Pick-up, der alle erforderlichen Pick-up-Aufgaben erledigt – und sich auch entsprechend fährt. Er ist groß, hoch und schwer, und ein Großteil dessen, wofür man beim TRD Pro bezahlt, spielt erst dann eine Rolle, wenn Straßen von Unwettern verwüstet wurden. Das robuste Fahrwerk filtert den meisten Kontakt zur Fahrbahn zuverlässig heraus. Wenigstens arbeitet die Lenkung direkt, sodass er sich zwar erwartungsgemäß wie ein Pick-up bewegt, aber nur selten unhandlich wird. Auf der Straße ist das gut, im Sand dagegen hervorragend, denn dort führt ein Fehler mit dem Fuß schnell zu ganz anderen Problemen.
Mit 33-Zoll-Falken-Wildpeak-Reifen ausgestattet, fährt er auf Asphalt besser als zeitgenössische Konkurrenten, die serienmäßig auf grobstolligerem Gummi rollen. Der Wechsel von der Straße ins Gelände gelingt deshalb recht nahtlos – abgesehen davon, dass der Reifendruck jeweils erhöht oder abgesenkt werden muss.
Was passiert im Innenraum?
Eine ganze Menge. Dank der vollständigen „CrewMax“-Kabine finden vier Personen komfortabel Platz; bei Bedarf lässt sich noch ein fünfter Passagier unterbringen. Das Cockpit fällt ebenso massiv wie geschäftig aus und bietet versteckte Fächer sowie zahlreiche Bedienelemente. Ungeachtet der TRD-Logos verfügt der Innenraum des Tundra über einen 14-Zoll-Touchscreen mit drahtloser Apple-CarPlay- und Android-Auto-Kompatibilität sowie mehreren integrierten Datenseiten. Dazu zählt auch der Multi-Terrain-Monitor, der die außen umlaufenden Kameras für eine bessere Übersicht auf dem Trail nutzt.
Beim Stauraum folgt hinter der Kabine eine 5,5-Fuß-Ladefläche mit elektrisch betätigter Heckklappe. Eine berührungslose Kniehebe-Unterstützung erleichtert zudem das Be- und Entladen. Die vollständigen Daten des neuen Tundra stehen noch aus, doch das Vorgängermodell besaß eine maximale Nutzlast von 1.600 lbs. Der endgültige Wert dürfte daher nicht allzu weit davon entfernt liegen. Für ein Hochgeschwindigkeitsabenteuer würde man zwar kaum so viel mitnehmen, doch es ist beruhigend zu wissen, wenn ein Motocross-Motorrad oder Ähnliches auf die kurze Ladefläche soll.
Apropos Technik: Ein Anhängersystem kann den Trailer erkennen und ihn für eine erweiterte Steuerung in das Bordsystem einbinden.
Was ist also das Fazit?
Der Tundra TRD Pro ist ein imposanter Pick-up, der zweifellos alles bewältigen kann, was man ihm vorsetzt. Ihm fehlt zwar das Spektakel eines Ram TRX oder das temperamentvolle Sport-Pick-up-Handling eines Raptor R, doch das TRD-Abzeichen trägt er zu Recht: Die Fox-Dämpfer verkraften wiederholte harte Schläge, und der Rest des Fahrzeugs vermittelt die vertraute Toyota-Robustheit, die wir schätzen gelernt haben. Er ist vielleicht nicht der aufregendste Geländewagen, wird aber vermutlich länger als die meisten anderen jedes Abenteuer mitmachen.
Dennoch gibt es selbst innerhalb der TRD-Modellreihe verspieltere Fahrzeuge fürs Gelände. Auf den endgültigen Preis warten wir noch, rechnen beim Tundra TRD Pro jedoch mit ungefähr 73.000 US-Dollar – dem Einstiegspreis des derzeit erhältlichen türkisfarbenen Modells.
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