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Kia EV4 im Test: Mehr Platz und Reichweite, aber ein Preisproblem

Weißes Elektroauto Kia EV4 Future in moderner Ausstellungshalle, Ladestation im Hintergrund.

Der Kia EV4 bietet mehr Platz und Reichweite als die meisten Konkurrenten, könnte aber ein Problem haben: den Preis.


Kia erlebt derzeit die erfolgreichste Phase seiner Unternehmensgeschichte. Besonders beim Angebot an rein elektrischen Modellen ist es unter den Volumenmarken schwer, einen besseren Hersteller zu finden.

Das jüngste Mitglied der Elektro-Familie der südkoreanischen Marke heißt EV4, wird in Europa gebaut und bringt nahezu alle Voraussetzungen für einen Erfolg mit.

Er basiert auf dem EV3, verfügt jedoch über einen längeren Radstand und mehr Raum auf den hinteren Sitzplätzen. Angeboten wird er als fünftürige Schräghecklimousine, außerdem gibt es eine viertürige Fastback-Version mit Stufenheck für alle, die genug von SUVs und Crossovern haben.

Beim Preis liegen zwischen der Basisversion des EV3 und dem Einstiegsmodell des EV4 lediglich 1500 Euro. Theoretisch dürfte die Wahl also vor allem von der Karosserieform abhängen. Oder vielleicht doch nicht?

Ich habe einige Tage mit diesem Modell verbracht, das gerade auf dem deutschen Markt „gelandet“ ist, und seine Vor- und Nachteile gegenüber seinem „kleineren Bruder“, dem EV3, untersucht.

Polarisierendes Design des Kia EV4

Ein Kia-Modell aus der EV-Familie mit uneingeschränkt gefälligem Design dürfte schwer zu finden sein. Nicht jeder mag die kantige Gestaltung, die schwarzen Radlaufverkleidungen und die schmal gezeichnete Lichtsignatur. Dafür wird kaum jemand den EV4 mit einem beliebigen anderen Elektroauto verwechseln.

Was wiegt stärker: ein gefälliges, aber austauschbares Design oder ein polarisierender Auftritt mit ausgeprägtem Charakter? Ich bevorzuge eindeutig die zweite Möglichkeit. Genau deshalb gefällt mir, was Kia bei diesem Modell umgesetzt hat. Die Fastback-Version ist, wie man so sagt, „eine ganz andere Geschichte“ …

Die Formgebung des EV4 dient allerdings nicht nur dem Charakter. Dank der niedrigen Dachlinie, einer aktiven Lufteinlassöffnung an der Front und einer sehr „scharf“ gezeichneten Motorhaube erreicht er einen Luftwiderstandsbeiwert von lediglich (Cx) 0,27.

Innenraum mit guter Bewertung

Wie inzwischen bei den Modellen der südkoreanischen Marke üblich, prägt ein minimalistisches, zugleich aber einladendes Ambiente den Innenraum. Das Design wirkt modern, die Materialien fühlen sich angenehm an.

Das Infotainmentsystem mit seinem 12,3-Zoll-Bildschirm ist nicht das angenehmste seiner Art, gehört aber zu den am einfachsten bedienbaren. Ein Vorteil ist, dass für viele zentrale Funktionen weiterhin physische Tasten vorhanden sind.

Hinter dem Lenkrad ergänzt das ebenfalls 12,3 Zoll große digitale Kombiinstrument den Hauptbildschirm sinnvoll und stellt die fahrrelevanten Informationen klar sowie übersichtlich dar.

Zwischen den verschiedenen Ansichten wird über physische Bedienelemente am Lenkrad gewechselt, das gut in der Hand liegt. Sein dicker Kranz verdeckt jedoch einen großen Teil des kleinen Klimadisplays, das zwischen Kombiinstrument und Infotainment positioniert ist.

Dieses Problem betrifft auch die übrige EV-Modellreihe von Kia – und leider hat die Marke es bislang nicht behoben.

Mehr Platz im Fond

Der größte Unterschied zum EV3 zeigt sich auf der Rückbank: Der EV4 bietet deutlich mehr Knieraum. Die um 140 mm größere Radstandsdifferenz ist spürbar und macht den EV4 in dieser Disziplin zu einer der Referenzen seines Segments.

Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn sich die Rücksitze bei nicht benötigtem Platz im Fond nach vorn verschieben ließen. Denn beim Kofferraum gibt es durchaus Verbesserungsbedarf.

Zwar stehen 435 Liter Ladevolumen zur Verfügung – oder 1415 Liter bei umgeklappten Rücksitzen –, doch der EV3 bietet mit 460 Litern mehr. Der niedrigeren Dachlinie und der stärker geneigten C-Säule ist dieser Nachteil geschuldet.

Hinzu kommt, dass der Kia EV3 unter der vorderen Haube noch einen Frunk mit zusätzlichen 25 Litern besitzt. Das ist zwar nicht viel, vergrößert seinen Vorsprung gegenüber dem EV4 aber weiter.

Kia EV4 mit hoher Reichweite

Anders als EV6 und EV9 verfügt der EV4 nicht über ein 800-V-System, sondern nutzt die konventionellere 400-V-Architektur. Deshalb lädt er mit bis zu 128 kW Gleichstrom (DC) beziehungsweise 101 kW in der Version mit kleinerer Batterie sowie mit bis zu 11 kW Wechselstrom (AC).

Das sind keineswegs Spitzenwerte, aber sie reichen aus. Bei der Reichweite bewegt er sich dagegen auf dem Niveau der besten Modelle im Segment. Der Kia EV4 ist mit Batterien von 58,3 kWh und 81,4 kWh erhältlich und verspricht Reichweiten von bis zu 440 km beziehungsweise 594 km.

Mein Testwagen war mit der größeren Batterie ausgestattet, und ehrlich gesagt kam zu keinem Zeitpunkt Reichweitenangst auf. Die großzügige Batteriekapazität trifft auf einen vergleichsweise niedrigen Verbrauch, wodurch die von Kia genannten Reichweitenwerte in greifbare Nähe rücken.

Bei gemischter Nutzung aus Autobahnfahrten und städtischeren Strecken, stets innerhalb der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen, erzielte ich einen Durchschnittsverbrauch von nur 13,9 kWh/km – ein außergewöhnlicher Wert für ein Fahrzeug mit diesen Eigenschaften.

Die Effizienz des Elektroantriebs und damit die hohe Reichweite sind die größten Stärken dieses Elektroautos. Zudem wirkt es satter auf der Straße und weniger straff abgestimmt als der EV3. Auf schlechteren Straßen und mit den 19-Zoll-Rädern des Testwagens dürfte die Federung dennoch etwas komfortabler ausgelegt sein.

In allen anderen Situationen präsentiert sich der EV4 jedoch ausgewogen, komfortabel und vor allem souverän. In einer Welt, die immer stärker von Elektroautos mit mehreren hundert PS geprägt ist, beeindrucken die 204 PS des EV4 niemanden. Für den normalen Alltag sind sie aber vollkommen angemessen.

Wer das anders sieht, sollte sich vermutlich nach Modellen mit sportlichem Pedigree umsehen. Denn weiter von diesem Fahrzeugcharakter könnte der Kia EV4 kaum entfernt sein.

Er beschleunigt entschlossen – der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert lediglich 7,7s –, mehr will er aber auch nicht sein. Die Bedienelemente haben eine sehr leichte Rückmeldung und sind konsequent auf Komfort ausgelegt. Das gilt ebenso für das Fahrverhalten des Fahrwerks. Und das passt gut zu ihm.

Was kostet der Kia EV4?

Der neue Kia EV4 kann in Deutschland bereits bestellt werden. Die Preise beginnen bei 41 500 Euro für die Variante mit kleinerer Batterie und bei 46 000 Euro für die Ausführung mit höherer Reichweite.

In beiden Fällen zählt der Preis zu den größten Nachteilen dieses Modells, genau wie beim EV3. Allerdings läuft derzeit eine Einführungsaktion der Marke, die den Preis der gesamten Baureihe um 3800 Euro senkt. Man sollte sich deshalb aber nicht beeilen, denn bei Kia neigen solche Aktionen dazu, dauerhaft verfügbar zu bleiben.

Wie bereits erwähnt, ist der Preisunterschied zu einem vergleichbaren Kia EV3 sehr gering. Die Entscheidung sollte daher vor allem anhand zweier Punkte getroffen werden: des Platzangebots auf der Rückbank und des äußeren Designs.

Unabhängig davon, für welches Modell man sich entscheidet, ist die gemeinsame technische Basis nahezu vollständig. Der EV3 gehört zu den besten Elektroautos seines Segments, und der EV4 tritt in seine Fußstapfen.

Wenn das Design also kein entscheidendes Thema ist, könnte dies Ihr nächstes Elektroauto sein. Es gibt schlimmere Probleme.

Fazit

Technische Daten

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