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MG kehrt mit Produktion nach Europa zurück

Grünes Elektroauto MG im Showroom mit großen Glasfenstern und Stadtblick im Hintergrund.

Die Geschichte von MG hat in den vergangenen 100 Jahren mehrere Wendungen genommen. Die Marke wurde in England gegründet, erlangte mit ihren kleinen Sportwagen Bekanntheit und geriet nach dem Zusammenbruch der MG Rover Group schließlich in den Besitz des chinesischen Konzerns SAIC.

Anschließend verlagerte sich das Unternehmen mit „Sack und Pack“ nach China. Das Werk in Longbridge stellte 2016 die Produktion von MG-Autos ein; seither kommen die in Europa verkauften Modelle aus China. In der Heimat blieb lediglich ein Zentrum für fortschrittliches Design in London erhalten.

Nun will MG einen Teil dieses Weges wieder zurückgehen. Nachdem die Marke innerhalb eines Jahres mehr als 300.000 Fahrzeuge in Europa verkauft hat – ein absoluter Rekord auf dem Kontinent – und eine einst kaum vorstellbare Größe erreicht hat, soll die MG-Produktion auf den „alten Kontinent“ zurückkehren.

Dabei geht es nicht nur darum, Autos näher bei den Kunden zu montieren. Geplant ist, das derzeitige Angebot von rund 10 auf bis zu 18 Modelle innerhalb der kommenden zwei Jahre auszubauen und eine echte europäische Industriegrundlage zu schaffen.

Von Longbridge nach Galicien

Die Produktion kehrt ausgerechnet nicht nach Großbritannien, dem Geburtsland der Marke, zurück, sondern nach Galicien in Spanien. MG hat den Aufbau seines ersten Werks auf dem europäischen Festland bestätigt, wofür knapp 200 Millionen Euro investiert werden sollen.

Das von der Marke selbst gewählte Motto „In Europa, für Europa“ lässt kaum Raum für Zweifel. Der Produktionsstart ist für 2028 vorgesehen, die Kapazität könnte jährlich bis zu 120.000 Autos erreichen.

Der neue Standort soll sich nicht auf die Fahrzeugmontage beschränken. MG plant, dort Forschung und Entwicklung, die Komponentenfertigung, Logistik sowie weitere Bereiche der Lieferkette zu bündeln. Die chinesische Marke will somit nicht einfach nur wieder ein europäisches Werk betreiben, sondern eine umfassende industrielle Basis auf dem Kontinent aufbauen.

Hinzu kommt ein finanzieller Vorteil, der kaum zu übersehen ist. In China gebaute Elektroautos von MG unterliegen in der Europäischen Union einem Zusatzzoll von 35,3%, zusätzlich zum regulären Importzoll von 10%. Für lokal produzierte Modelle entfällt diese Belastung. Die Entscheidung wiegt umso schwerer, da Brüssel neue Vorschriften vorbereitet, die europäische Fertigung und europäische Wertschöpfung begünstigen sollen.

Fast doppelt so viele MG-Modelle

Das Werk ist nur ein Baustein des Vorhabens. MG will seine europäische Modellpalette deutlich vergrößern und hat bereits erste Ausblicke auf die kommenden Fahrzeuge gegeben.

Beim Goodwood Festival of Speed zeigte das Unternehmen den MG GO!, einen Prototypen, der einen neuen Elektro-Kleinwagen des B-Segments für die Markteinführung 2027 ankündigt.

Das Fahrzeug greift Anspielungen auf einige der bekanntesten MG-Modelle auf und soll unterhalb des aktuellen MG4 positioniert werden. Damit würde es unmittelbar gegen Modelle wie den Renault 5, den Citroën ë-C3 und den BYD Dolphin Surf antreten.

In Goodwood präsentierte die Marke außerdem das Cyber Concept, ein großes elektrisches SUV, das eine andere Richtung für die künftige Modellpalette einschlägt. Wann eine mögliche Serienversion auf den Markt kommen könnte, hat MG bislang nicht bekannt gegeben.

Elektroautos, aber nicht nur

Der Ausbau soll zudem nicht ausschließlich mit Elektrofahrzeugen erfolgen. Der nächste ZS Plug-in Hybrid+ kommt 2027 und führt eine neue Generation der Plug-in-Hybridtechnik von MG ein, ergänzt durch eine neue halbfeste SolidCore-Batterie.

Inzwischen ist das Angebot bereits in beide Richtungen gewachsen. Der MG4 Urban wurde zum günstigsten Elektroauto der Marke und bereitet die Einführung der SolidCore-Batterie vor, während der MGS9 PHEV MG erstmals in das Segment der siebensitzigen SUVs geführt hat.

Noch ist offen, welche dieser Modelle ab 2028 in Galicien vom Band laufen werden. Diesen Teil der Planung hat MG bislang nicht offengelegt.

Der Weg der Marke birgt jedoch eine gewisse Ironie. Fast ein Jahrhundert lang war MG eine Nischenmarke, ehe sie unter chinesischer Führung innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt zu einer Volumenmarke wurde. Die erreichte Größe genügt nun, um erneut eine industrielle Präsenz in Europa zu rechtfertigen.

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