Die Geschäftsentwicklung chinesischer Hersteller in Europa läuft auf Hochtouren. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 haben sie bereits mehr Fahrzeuge verkauft als im gesamten Jahr 2025.
Von Januar bis Juli setzten chinesische Marken 813 096 Fahrzeuge ab. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 812 452 Einheiten gewesen. Damit reichten sieben Monate aus, um das Ergebnis von 2025 zu übertreffen.
Die vorläufigen Zahlen stammen von Dataforce: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung decken sie 98 % des Marktes in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich und in der EFTA ab. Portugal und Kroatien sind die einzigen Märkte, die ihre Resultate noch nicht gemeldet haben, weshalb der Gesamtwert leicht steigen dürfte.
Das Wachstum der chinesischen Marken zeigt sich zudem in ihrer immer stärkeren Position auf dem europäischen Markt. Im Juli erreichten sie einen Marktanteil von 11,2 % – ein neuer Höchststand und mehr als die 10,9 % im Juni.
Gegenüber Juli 2025 fällt der Vergleich noch deutlicher aus. Damals entfielen lediglich 5,6 % der Verkäufe auf chinesische Marken. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres lag ihr kumulierter Anteil bei 9,7 %, nachdem er im Vorjahr 5,1 % betragen hatte – innerhalb eines Jahres nahezu eine Verdopplung.
MG und BYD Kopf an Kopf
Von Januar bis Juli behauptete SAIC, der Eigentümer von MG, mit 208 009 verkauften Fahrzeugen die Spitzenposition unter den chinesischen Herstellern. Das entspricht einem Plus von 19 % gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025.
Direkt dahinter folgt BYD mit 205 451 abgesetzten Einheiten. Obwohl die Marke 2558 Fahrzeuge „zurücklag“, fiel ihr Wachstum mit 146 % wesentlich stärker aus. Noch eindrucksvoller entwickelte sich jedoch die Chery Group: 201 544 verkaufte Fahrzeuge bedeuten einen Zuwachs von 283 %.
Geely eroberte mit 9 987 Einheiten im Juli und einem Wachstum von 44 % wieder den vierten Platz unter den chinesischen Marken. Leapmotor, Partner von Stellantis, steigerte seine Verkäufe unterdessen um 293 % auf 9306 Einheiten.
Bei einer Betrachtung allein des Juli wechselt die Führung. Im siebten Monat des Jahres lag BYD mit 32 470 Einheiten vorn – 150 % mehr als im gleichen Monat 2025. Dahinter platzierte sich Chery mit 31 816 verkauften Fahrzeugen und einem noch kräftigeren Wachstum von 202%.
Den dritten Platz auf dem Podium belegte SAIC mit insgesamt 27 745 Einheiten und dem vergleichsweise moderaten Plus von 22%.
Plug-in-Hybride sind die neue Waffe
Eine wesentliche Erklärung für das starke Wachstum chinesischer Marken auf dem „Alten Kontinent“ sind vor allem Plug-in-Hybride. Im Juli stiegen die Verkäufe dieser chinesischen Modelle um 201% auf 42 220 Einheiten. Sie machten damit rund 34% aller Verkäufe chinesischer Marken in Europa aus.
Auch konventionelle Hybride verzeichneten einen deutlichen Zuwachs: Ihre Verkäufe legten um 137% auf 24 129 Einheiten zu. Die rein elektrischen Modelle wuchsen um 114% auf 43 622 Fahrzeuge und standen für 35% der chinesischen Verkäufe.
Dagegen gehen die Verkäufe von Benzinmodellen weiter zurück. Im selben Zeitraum wurden 11 958 Einheiten verkauft, was einem Minus von 12% entspricht. Auch ihr Marktanteil sank von 23% auf nur noch 10%.
Zölle könnten die Lage erneut verändern
Die stärkere Ausrichtung auf Plug-in-Hybride dürfte mit dem derzeitigen Zollsystem der Europäischen Union zusammenhängen. Seit November 2024 unterliegen in China gebaute reine Elektroautos und Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (EREV) zusätzlichen Zöllen von bis zu 35,3%, zusätzlich zum regulären Zollsatz von 10%.
Plug-in-Hybride und Hybridfahrzeuge sind derzeit von diesen zusätzlichen Zöllen ausgenommen. Die Europäische Union erwägt allerdings, die Regelung auf Plug-in-Hybride auszudehnen – eine Entscheidung, die die Strategie chinesischer Hersteller erheblich beeinflussen könnte.
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