Noch immer waren die Folgen des Dieselgate vor 10 Jahren spürbar, als Volkswagen eine vollständig elektrische Modellfamilie entwickelte, deren erster Vertreter der ID.3 war.
Eine eigenständige Plattform (MEB), ein unverwechselbares Erscheinungsbild und besonders großzügige Innenräume galten als seine wichtigsten Stärken. Hohe Preise, geringe Reichweite, ein wenig inspirierendes Außendesign und das sehr reduzierte Armaturenbrettkonzept verhinderten jedoch, dass die Verkäufe die Erwartungen der deutschen Marke erfüllten. Hinzu kam ein Markt, der nicht so stark wuchs, wie er hätte wachsen sollen oder können.
Nach intensiven Sitzungen in der obersten Etage der Wolfsburger Konzernzentrale wurden neue Strategien und neue Verantwortliche bestimmt. Einer von ihnen war Designchef Andy Mindt. Der langjährige Volkswagen-Designer kam von Bentley zurück, um einen Grundsatz umzusetzen, der auch in vielen anderen Branchen gilt: Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.
Elektroautos für alle
Innerhalb weniger Wochen stellte er den Prototyp ID.2all vor, der erstmals sowohl innerhalb als auch außerhalb von Volkswagen Begeisterung auslöste. In ihm waren die stilistischen Gene der Marke klar erkennbar, wenn auch für das moderne Elektrozeitalter neu interpretiert.
Dieses Elektroauto von Volkswagen soll zu einem Einstiegspreis von rund 25.000 Euro angeboten werden. Seine Abmessungen ähneln denen des Polo, die Markteinführung ist für 2026 vorgesehen.
Der neue Volkswagen ID.EVERY1 fällt kleiner aus – er soll den elektrischen up! ersetzen – und nutzt dieselbe MEB-Plattform mit Frontantrieb wie der ID.2all. Die übrigen ID-Modelle verfügen dagegen über Hinterradantrieb. Beide Fahrzeuge verdeutlichen Volkswagens Anspruch, künftig alle Kundengruppen zu erreichen: Die Bezeichnungen 2All und Every1 machen diese Absicht deutlich.
Mit seiner Elektroauto-Palette will Volkswagen Verkaufszahlen erzielen, die besser zu den Erwartungen an die Marke passen. Zum Vergleich: Der Golf kam 2024 in Europa auf 216.000 verkaufte Einheiten, während der ID.3 nur 54.000 Exemplare erreichte – viermal weniger. Unter den 50 meistverkauften Autos Europas finden sich sechs Volkswagen mit Verbrennungsmotor, aber kein einziges Modell der ID-Familie.
Ein Teil dieses kommerziellen Flops hängt selbstverständlich mit den Kosten der elektrischen Antriebstechnik zusammen. Genau daran wollen die Deutschen mit einem Einstiegspreis von rund 20.000 Euro etwas ändern.
Die Offensive wird umfangreich ausfallen: Bis 2027, also innerhalb von nur zwei Jahren, bringt Volkswagen neun neue Modelle auf den Markt. Vier davon gehören zur Kompaktklasse und basieren genau auf dieser MEB-Plattform mit Frontantrieb.
Volkswagen ist mit dem Vorhaben, bezahlbare Elektroautos anzubieten, nicht allein. Einer der wichtigsten Rivalen des ID.EVERY1 kommt bereits ein Jahr früher auf den Markt: der Renault Twingo.
Kompakt, aber vielseitig
Mit einer Länge von 3,88 m positioniert sich der ID.1 – so dürfte die endgültige Modellbezeichnung lauten – zwischen dem 3,6 Meter langen up!, dessen Produktion 2023 endete, und dem 4,07 m langen Polo. Der ID.2All misst 4,05 m. Vorgesehen sind großzügige Platzverhältnisse für vier Erwachsene sowie ein Kofferraumvolumen von 305 Litern.
Kurze Karosserieüberhänge, die beachtliche Breite von 1,81 m und die vergleichsweise niedrige Fensterfläche verleihen ihm den Charakter eines urbanen Kämpfers. Auf den ersten Blick überzeugen Formen und Proportionen, die bei Volkswagen seit Jahrzehnten Tradition haben. Sie zeigen sich an Position und Gestaltung von Windschutzscheibe, Heckscheibe, Stoßfängern und hinterer Säule.
Im Innenraum prägen ein digitales Kombiinstrument direkt vor dem Fahrer – nicht mehr so klein und schlicht wie in den frühen ID-Modellen – sowie ein großer Touchscreen für das Infotainment das Armaturenbrett. Ergänzt wird dieser durch physische Tasten zur Regelung von Temperatur und Audiosystem.
Die variable Nutzung des Innenraums wird zusätzlich durch die Konsole zwischen den Vordersitzen unterstrichen. Sie kann als herkömmliche Armlehne dienen oder nach hinten gezogen werden, damit sie von den Passagieren in der zweiten Reihe genutzt werden kann; in ihrer Struktur befinden sich zudem Ablageflächen.
Auch die Sitze lassen sich unterschiedlich positionieren, umklappen oder zurücklehnen, damit sie möglichst viele Einsatzzwecke abdecken. Trotz seiner kompakten Größe wird es diesem Modell daher nicht an Vielseitigkeit fehlen.
Mindestreichweite: 250 km
Über den Antrieb ist bislang lediglich bekannt, dass das Fahrzeug über Frontantrieb verfügt, der Elektromotor 70 kW (95 PS) leistet, die Höchstgeschwindigkeit 130 km/h beträgt und die Mindestreichweite bei 250 km liegt. Die Batteriekapazität wurde noch nicht bekannt gegeben.
Der Volkswagen Konzern wird diese kompakten Elektroautos auch für seine Marken Škoda und CUPRA produzieren. Das Projekt wird von den spanischen Industriestandorten in Martorell – dort entstehen die konventionelleren Fünftürer – und Pamplona geleitet, wo die Crossover vom Band laufen.
Elektroauto „Made in Portugal“?
Neben den Produktionszentren in Spanien wurde auch darüber spekuliert, ob der Volkswagen ID.1 in Portugal gefertigt werden könnte, und zwar im Volkswagen-Autoeuropa-Werk in Palmela.
In dieser Phase ließ sich jedoch nur bestätigen, dass in Portugal einige kleinere Verkleidungsteile hergestellt werden. Sie sollen in die Montage der verschiedenen Modelle einfließen, die in den beiden Produktionsstätten in Katalonien und dem Baskenland entstehen.
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