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Ford Focus RS Mk2 und Mk3 im Vergleich

Zwei blaue Ford Focus RS Modelle (MK2 und MK3) nebeneinander in einer hellen Garage mit Felgenständern.

Gib es zu: Wegen Artikeln wie diesem besuchst du Razão Automóvel jeden einzelnen Tag - und jetzt gibt es einen weiteren Grund dafür.

Tests, Geschichten und die wichtigsten Neuheiten aus der Automobilwelt, nur einen Bildschirm entfernt. Heute gibt es zudem ein weiteres RAZÃO-AUTOMÓVEL-EXKLUSIV: den Vergleich zwischen dem Ford Focus RS Mk2 und dem Ford Focus RS Mk3. Ich habe doch gesagt, dass du täglich vorbeischauen solltest, oder?

Diesen Vergleich hatte ich, offen gesagt, schon eine Weile in der Hinterhand - länger durfte ich ihn nicht zurückhalten. Als ich heute ins Büro kam, öffnete ich nicht einmal mein E-Mail-Postfach. Stattdessen schnappte ich mir sofort meinen Notizblock, in dem ich die Eindrücke jedes Autos für später festhalte, und begann direkt zu schreiben.

Erste Notiz:

Natürlich drehten sich meine Aufzeichnungen nicht ausschliesslich um die Mordversuche des Focus RS Mk2. Sie enthielten auch Eindrücke, die man nur in einem Sportwagen mit ganz grossem „S“ erleben kann. Der Tag war derart eindrücklich, dass mir schnell klar wurde: Meine Erinnerung ist noch frisch, die „Papierhilfen“ brauche ich nicht. Zumal ich den Verbrauch gar nicht notiert habe (verdammt, vergessen!). Hoch muss er jedoch gewesen sein, wenn man bedenkt, dass zwei Tankquittungen über jeweils 80 Euro als Lesezeichen auf jener Seite liegen.

Zurück zu den Ford Focus RS

Die beiden Generationen des Ford Focus RS könnten kaum unterschiedlicher sein. Es geht auch nicht darum, herauszufinden, welcher der bessere ist, denn das jüngste Modell ist in allen Belangen besser. Der Ford Focus RS Mk3 lenkt präziser ein, ist ausgewogener, besser ausgestattet, komfortabler und schneller.

„Gut … dann wäre der Vergleich erledigt. Oder?“

Falsch. Es gibt noch viel zu erzählen. Also haltet euch fest, denn dies ist wieder einer dieser ausgesprochen langen Artikel. Holt euch Popcorn, Leute …

Ford Focus RS Mk3: Überragende Agilität

Was sein Kurvenverhalten betrifft, ist der Ford Focus RS Mk3 das agilste Modell seines Segments. Ich sagte agil. Nicht, dass er der effektivste oder unterhaltsamste wäre. Ich sage: Der Focus RS ist der agilste Hot Hatch seiner Klasse. Wobei auch der Ford Focus RS Mk2 selbstverständlich effektiv und unterhaltsam ist.

Das kann ich mit gutem Gewissen behaupten, denn ich bin sämtliche aktuellen Hot Hatches gefahren - mit Ausnahme des neuen Renault Mégane RS, dessen Test Fernando Gomes vorbehalten war. Der Honda Civic Type-R schafft womöglich noch höhere Kurvengeschwindigkeiten, beinahe an der Grenze zum Absurden … doch der Ford Focus RS Mk3 fühlt sich agiler an. Der Audi RS3 mag stärker mit dem Asphalt verbunden wirken, aber der Focus RS ist interaktiver. Und der BMW M2 … nun ja, der BMW M2 hat Hinterradantrieb.

Wenn es dann darum geht, mit dem Messer zwischen den Zähnen zu fahren, fragt der Ford Focus RS niemanden um Erlaubnis. Er krallt sich in den Asphalt wie eine Katze an den Rand eines Swimmingpools, wenn sie fürchtet, ins Wasser zu fallen.

Dieses Modell arbeitet so präzise und kompromisslos, dass ich nicht sicher bin, welcher bei einem Trackday schneller wäre: Focus RS, RS3, M2, A45 oder Type-R? Den SEAT Leon Cupra 300 habe ich nicht genannt, doch glaubt mir: Trotz seiner geringeren Leistung läge er nicht weit hinter diesem „Wolfsrudel“. Die grosse Zahl an Leon-Cupra-Modellen auf dem Nürburgring zeigt gut, wie viel sich aus dem spanischen Gesamtpaket herausholen lässt.

Doch erst beim Aktivieren des Modus DRIFT über die Taste für die Fahrprogramme zwingt uns der Ford Focus RS Mk3 das endgültige Grinsen ins Gesicht. Die Elektronik leitet mehr Leistung an die Hinterachse, das Fahrwerk wird merklich weicher als im Modus RACE, damit sich mit Lastwechseln leichter spielen lässt, und Powerslides gelingen so mühelos, dass ich glaube, in der Rallye-Weltmeisterschaft ein Wörtchen mitreden zu können.

Genau das kennzeichnet den Ford Focus RS: seine Leichtigkeit. Die Elektronik unterstützt uns derart stark dabei, genau das zu tun, was wir wollen, wann wir es wollen und wie wir es wollen, dass wir uns fast für Lenkradgenies halten.

„Sébastien Loeb? Ja, ja … von ihm habe ich schon gehört.“

Die elektronische Unterstützung ist so wirkungsvoll, dass sie nie stört. Dafür gebührt den Leuten von GKN Dank, die das Twinster-Drehmomentverteilungssystem mit Doppelkupplungen für den Ford Focus RS Mk3 entwickelt haben.

Die Ford-Ingenieure wiederum entwickelten den Algorithmus, der dieses System steuert und Pfosten, Bäume sowie weitere Hindernisse ausserhalb des Innenraums hält. Wenn du den technischen Anspruch dieses Artikels steigern möchtest, schau dir dieses Video an.

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Dieses Drehmomentverteilungssystem wäre allerdings wertlos, wenn das übrige Zusammenspiel aus Chassis und Fahrwerk nicht hervorragend wäre. Und das ist es …

Das Focus-Chassis ist ausgezeichnet. Die Lehren von Richard Parry-Jones sind in der Ford-Forschungs- und Entwicklungsabteilung noch immer deutlich spürbar - du weisst nicht, wer Richard Parry-Jones war? Ich habe hier einige Zeilen über ihn geschrieben.

Dank seines adaptiven Dämpfungssystems bietet das Fahrwerk mühelos einen guten Komfort, während es zugleich den Scheitelpunkten jeder Kurve den Krieg erklärt. Nach reichlich Powerslides und mit aufgeblähtem Ego liess ich den Ford Focus RS Mk3 stehen und wechselte in den Ford Focus RS Mk2. Ich war ihn zuvor noch nie gefahren. Doch der Gesichtsausdruck von Diogo Teixeira, der bei den dynamischen Fotos half, versprach einiges …

Ford Focus RS Mk2: Auf dem Weg zurück

Mit dem Ford Focus RS Mk2 in die Vergangenheit

Adaptives Fahrwerk? Drehmomentverteilung? Ja, klar … natürlich nicht. Dennoch sollte niemand glauben, der Ford Focus RS Mk2 sei technologisch rückständig. Bei seiner Markteinführung war er seiner Zeit sogar voraus.

Als der Ford Focus RS Mk2 im Januar 2009 der Welt vorgestellt wurde, zogen viele bei den präsentierten Zahlen skeptisch die Augenbrauen hoch.

„Ein Fronttriebler mit 305 PS? Unmöglich.“

Was Ford 2009 versprach, schien undenkbar: zahlreichen gutbürgerlichen Modellen mit Hinterradantrieb und Mittelmotor das Leben schwerzumachen. Unmöglich war es jedoch nicht. Heute, fast 10 Jahre später, beweisen zahlreiche Sportwagen mit Frontantrieb genau das …

Eines der Geheimnisse des Ford Focus RS Mk2 hiess RevoKnuckle - eine klangvolle Bezeichnung für eine komplexere MacPherson-Vorderachskonstruktion. Dieses System konnte die Lenkbewegungen von den Bewegungen des Fahrwerks trennen. Dadurch wurden extreme Änderungen der Geometrie unabhängig von der Belastung verhindert und die Verformung der Reifenaufstandsfläche auf dem Asphalt vermieden. Auch dem Quaife-Sperrdifferenzial widmeten die Ingenieure der Marke intensive Entwicklungsarbeit.

Das Ergebnis in der Praxis? Trotz 305 PS verschlingt der Ford Focus RS MK2 den Asphalt mit derselben Begeisterung, mit der ein Kind ein Steak mit Pommes frites verschlingt.

Beim Motor handelt es sich um denselben 2,5-Liter-Reihenfünfzylinder, der auch im Focus ST eingesetzt wurde - ein von Volvo gelieferter Motor, denn Volvo gehörte damals bekanntlich zu Ford. Im Focus RS ist dieses Triebwerk allerdings deutlich stärker auf Leistung getrimmt.

„Er besitzt spezielle Kolben, Pleuel und eine spezielle Kurbelwelle, teilweise um die Belastungen des massiven Warner-K16-Turboladers auszuhalten, der den Ladedruck gegenüber dem Focus ST von 0.7 auf 1.4 bar verdoppelt.“

Auch der Ladeluftkühler wurde vergrössert, die Abgasanlage vollständig überarbeitet und die Elektronik keineswegs vernachlässigt. Das Resultat? Der Ford Focus RS Mk2 hat einen gewaltigen Tritt! Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt er in nur 5,9 Sekunden, doch diese Zahl erzählt nicht die ganze Geschichte. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 262 km/h, und Leistung ist jederzeit vorhanden.

„Das Zischen und die Geräusche dieses Motors sorgen für Gänsehaut.“

Elektronisch erzeugtes Knallen wie im Focus RS MK3 gibt es nicht … dafür aber eine Reaktion, die uns das Lenkrad umklammern lässt, als hinge unser Leben davon ab. Und tatsächlich hängt es davon ab …

Der Ford Focus RS Mk2 ist ein äusserst intensives Auto. Wirklich sehr intensiv. Auf einer Skala von 0 bis 10, auf der „null“ einem Leben in einem buddhistischen Rückzugsort entspricht und „10“ dem Streicheln der Schnauze eines wilden Tigers, ist der Focus RS Mk2 eine „sieben“.

Zwei klar unterschiedliche Charaktere

Wie du bereits gemerkt hast, verlangt der Ford Focus RS Mk2 seinem Fahrer einiges ab. Das Gewicht des grossen 2,5-Liter-Fünfzylinders an der Front verstärkt bei engagierter Fahrweise durch die Lastwechsel sämtliche Reaktionen des Chassis. Kompetent ist er durchaus. Weniger erfahrene Fahrer kann er aber erschrecken.

Der Focus Mk2 fährt sich völlig anders als der Focus RS Mk3 - und das liegt nicht allein daran, dass einer Front- und der andere Allradantrieb besitzt. Die Unterschiede reichen tiefer und werden schon vor der ersten Kurve spürbar.

Im „alten“ Focus RS müssen wir genau wissen, was wir tun und wohin wir fahren wollen. Wir müssen möglichst gerade anbremsen, die Bremse vor dem Einlenken lösen, die Linie entschlossen halten - sehr entschlossen - bis zum Kurveninneren und können erst dann ohne grössere Dramen wieder beschleunigen. Die Vorderachse zerrt etwas, doch unser Grinsen wird umso breiter.

„Wenn du einen dieser Schritte verfehlst, sei bereit zu reagieren.“

Schweissausbrüche kommen auf, wenn wir mit zu viel Tempo in die Kurve einfahren. Dann weckt jeder Korrekturversuch das Heck auf und verlangt schnelle Reflexe. Der „alte“ Focus RS fordert seinen Fahrer und verzeiht wenig. Wer jedoch weiss, was er tut, wird mit enorm schnellen Kurvenpassagen belohnt.

Der Ford Focus RS Mk3 dagegen verzeiht alles. Er ist absurd schnell - schneller als sein Vorgänger - und gleichzeitig leichter zu fahren. Während im „alten“ Modell alles vorausgeplant werden muss, können wir im „neuen“ improvisieren, weil er die meisten Übertreibungen verzeiht.

„Der 2.3-Ecoboost-Motor mit 350 PS hat mehr als genug Charakter, um beide Achsen herauszufordern und alle vier Reifen nach „jetzt reicht’s!“ schreien zu lassen.“

Neben einer ausreichenden Portion Leistung verwöhnt uns dieser Motor auch mit einem kräftigen Auspuffklang. Ob das Knallen elektronisch erzeugt wird oder nicht, ist mir vollkommen egal … Tatsache ist, dass es das Fahrerlebnis aufwertet. Und wie sehr dem Honda Civic Type-R FK8 ein solcher Auspuff fehlt …

Den Ford Focus Mk3 am Limit zu bewegen, ist ausgesprochen einfach. Und denke nicht, dass er wegen dieser Leichtigkeit weniger befriedigend wäre … ein Auto zu fahren, das genau dann das tut, was wir möchten, wie wir es möchten und wann wir es möchten, vermittelt ein überaus erfüllendes Gefühl von Macht und Kontrolle.

„Im Mk3 kann ich machen, was ich will. Im Mk2 mache ich es und hoffe, dass es so passiert, wie ich es erwartet habe.“

Ford Focus RS im Alltag und im Innenraum

Gemeinsamkeiten

Lohnt es sich wirklich, Dinge aufzuschreiben, die ihr ohnehin kennt? Dass der Innenraum des Focus RS Mk3 moderner, besser ausgestattet, hochwertiger verarbeitet und so weiter ist? Ich denke nicht.

Darum übergehe ich diese überflüssigen Vergleiche grosszügig und erwähne nur, dass die Sitzposition im Ford Focus Mk2 zu hoch ist - ein Erbe, das leider an den Mk3 weitergegeben wurde.

Ausserdem würde es mich nicht stören, mit einem Ford Focus RS Mk3 jeden Tag die Kinder zur Schule zu bringen - unter diesen Bedingungen sinkt der Verbrauch auf ungefähr 8 Liter/100 km. Und falls ihr nicht die erforderlichen 50 000 Euro für einen Ford Focus RS Mk3 habt, könnte der Ford Focus Mk2 eine hervorragende Alternative sein. Anders, zweifellos, aber eine ernstzunehmende Alternative.

Darüber hinaus ähnelt der Motor des Ford Focus RS Mk2 jenem des Volvo S60 Recce - einer Art Rallyeauto, entstanden aus der Kreuzung eines Familienwagens mit einem Kampfpanzer. Verdammt … ich kann den Ford Focus RS Mk4 kaum erwarten. Ford weiss, was es tut.

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