2024 als indirekter Nachfolger des Talisman eingeführt, ist der Renault Rafale heute das Aushängeschild der Marke mit dem Rhombus. Zwei Jahre später stellt sich die Frage: Ist er gegen eine frisch geliftete Peugeot 408 noch auf Höhe der Zeit?
Ehrlich gesagt hatte ich mit mehr Exklusivität gerechnet. Pech nur, dass der Renault Rafale sein Interieur sehr weitgehend mit Austral und Espace teilt. Gegenüber einer gerade überarbeiteten 408 ist das aber nicht automatisch ein K.-o.-Kriterium: Die Nähe der drei SUV ist im Innenraum zwar offensichtlich, wirkt im Alltag jedoch nicht zwingend negativ – man sehe nur den 12-Zoll-Touchscreen.
Renault Rafale: Klarer Sieg beim Touchscreen
Das Panel mit Android Automotive ist schlicht eine Referenz: Darstellung und Reaktion sind sauber, scharf und präzise. Unterm Strich zieht das Infotainment des Rafale dem Display der 408 deutlich davon – dabei ist genau sie der naheliegende Gegner.
Zumal auch die Peugeot nicht gerade Neuland betritt, weil sie im Kern das Cockpit der 308 übernimmt. Das wirkt hochwertig und eigenständig, bleibt digital gesehen aber eher im Hintertreffen.
Durchdachte Ergonomie – trotz allem
Renault geht den umgekehrten Weg: moderne Bildschirme, aber für ein Flaggschiff nur durchschnittliche Material- und Verarbeitungsanmutung. Solange dabei keine Schalter „in der Hand bleiben“, ist das akzeptabel.
Positiv: Für die Lüftung gibt es echte Tasten – das ist angenehm. Während die 408 wieder sehr stark auf Touch-Bedienung setzt, passt die Ergonomie im Rafale insgesamt. Ein doppelter Druck auf eine Taste links vom Lenkrad deaktiviert die Fahrassistenten. Sehr gut gelöst.
Instrumente: Fokus auf Ablesbarkeit
Das 12,4-Zoll-Digitalcockpit bietet zwar nicht den Wow-Effekt des plastisch wirkenden Kombiinstruments der 408, dafür ist es klarer ablesbar und ebenso gut anpassbar. Bei den Displays bin ich damit zufrieden.
Beim Fahren gibt es jedoch Kritikpunkte: Die straffe Abstimmung verhindert ungeteilten Beifall. Das Fahrwerk ist hart, und adaptive Dämpfer gibt es nicht. Die 408 federt spürbar geschmeidiger.
Ein Geräuschniveau, das spürbar fehlt
Zudem ist die Peugeot innen deutlich leiser. Die Dämmung des Rafale wirkt klar zu wenig sorgfältig ausgearbeitet. Besonders an den Rädern dringen Abrollgeräusche stark in den Innenraum. Bei höherem Tempo kommen auch Windgeräusche hinzu.
Dieses Niveau an Geräuschkulisse habe ich in der 408 so nicht erlebt – sie wirkt in dieser Disziplin raffinierter. Dynamisch kann der Rafale allerdings kontern.
Trumpfkarte: Allradlenkung
Der Wagen nimmt Kurven mit verblüffender Leichtigkeit und hält die Seitenneigung gut im Zaum. Der Schlüssel dazu ist die Allradlenkung.
Gratis ist dieser Vorteil nicht: In unserem Basis-Trimm Techno kostet sie 1 00 a0500 a0€. Dafür verändert sie das Fahrverhalten spürbar – als Investition macht das Sinn. Im direkten Vergleich wirkt die 408 eher behäbig, ohne dabei wirklich schlecht zu sein.
Motor: Das Fahrwerk könnte mehr vertragen
Unter der Haube hätte ich mir mehr Leistung gewünscht. Der 200-PS-Antrieb lässt das Potenzial des Fahrwerks nicht vollständig zur Geltung kommen. Vielleicht passt die 300-PS-Variante besser dazu …
Bis dahin: Die Beschleunigung reißt nicht vom Hocker, und wenn man Leistung abruft, wird das Gesamtpaket auffällig laut. Die Dosierung des Bremspedals ist nicht ganz intuitiv. Immerhin lässt sich die Rekuperation in vier Stufen einstellen.
Antrieb: Die Peugeot 408 deutlich abgehängt
Auf der Antriebsseite wirkt der Mildhybrid der 408 im Vergleich regelrecht überfordert. Sprint und Durchzug fallen zäh aus. Und auch der Verbrauch ist nicht so niedrig, wie man gegenüber dem Rafale erwarten könnte.
Ich bin auf einer Landrunde bei recht flotter Fahrweise auf 5,8 a0l/100 a0km gekommen. Die vielen elektrischen Fahranteile helfen dabei spürbar – sogar bei höherem Tempo kann der Dreizylinder zeitweise pausieren.
Sparsamkeit, die Schwächen kaschiert
Das ist auch nötig, denn zusätzlich zum wenig angenehmen Klang drücken Vibrationen die wahrgenommene Kultiviertheit. Immerhin bleibt der Rafale effizient – und bei den Spritpreisen ist das alles andere als nebensächlich.
In der Stadt fährt der Rafale am günstigsten. Zwei E-Motoren in Kombination mit einer 2-kWh-Batterie verbessern den E-Anteil, selbst bei kräftigem Beschleunigen.
Stadt: Ein paradoxes Rafale-Profil
Unter 5 a0l/100 a0km im urbanen Betrieb zu bleiben, dürfte leicht fallen. Auch Rangieren geht dank Allradlenkung unkompliziert.
Allerdings kann die eingeschränkte Übersicht nerven – besonders nach hinten, wo die stark geneigte Heckscheibe von dicken C-Säulen eingefasst wird. Die 360°-Kamera hilft wegen ihrer schwachen Auflösung nur begrenzt. Und bei niedrigen Geschwindigkeiten bleibt das Fahrwerk straff. In der Stadt ist der Rafale damit: okay.
Autobahn: Akustisch wird es schwerer
Auf der Autobahn wird es etwas besser, weil der Wagen stabil und souverän läuft. Der Verbrauch steigt bei Volllast auf 7 a0l/100 a0km, während die Geräusche nochmals zunehmen.
Merkwürdigerweise empfand ich Austral und Espace als besser gedämmt. Seine Länge von 4,71 a0m nutzt der Rafale hingegen für ein durchaus ansprechendes Raumangebot. Die Maße passen, und der Kofferraum fasst 530 a0Liter.
Hoher Einstiegspreis – aber gerechtfertigt?
Billig ist das nicht: Der Einstieg liegt bei 46 00 a0750 a0€. Dafür zeigt sich der Franzose erfreulich großzügig ausgestattet.
Zur Serie zählen adaptive LED-Scheinwerfer, 20-Zoll-Felgen, das 12-Zoll-Touchdisplay, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, vernetzte Navigation sowie schlüsselloser Zugang und Start. Optisch wirkt das für mich nicht nach Sparversion.
Esprit Alpine: Styling als Argument
Wer mehr sportliche Note will, wird eher zur höheren Esprit-Alpine-Version für 50 00 a0750 a0€ greifen. Dort kommen unter anderem die Allradlenkung, eine elektrische Heckklappe, Alcantara-Polster und ein spezifisches Karosseriepaket dazu.
Das liegt zwangsläufig über der 408 Mildhybrid – und sogar weiterhin über der 408 Plug-in-Hybrid. Logisch: Die „Löwin“ fällt insgesamt etwas kompakter aus.
Meine Meinung zum Renault Rafale
Die Trompeten bleiben heute im Kofferraum. Ja, der Renault Rafale ist kein schlechter Schüler, aber seine eigene Familie wirkt in meinen Augen überzeugender. Der deutlich günstigere Austral erledigt den Job ähnlich gut und bietet dabei mehr Federungskomfort. Der Espace hält wiederum das 7-Sitzer-Argument.
Was bleibt dem Rafale? Design, ein paar exklusive Ausstattungsdetails – und eine noch teurere Plug-in-Hybrid-Version mit 300 PS. Das ist nicht viel …
Renault Rafale Techno E-Tech 200
Preis: 46 00 a0750 a0€
Wertung: 7
Urteil
7.0/10
Das gefällt uns
- Die gute Agilität
- Das leistungsfähige Multimedia-System
- Die umfangreiche Ausstattung
- Der niedrige Verbrauch
Das gefällt uns weniger
- Das straffe Fahrwerk
- Die geringe Geräuschdämmung
- Der Aufpreis gegenüber dem Austral
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen