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Tesla FSD: Fahrerin schläft mit Sonnenbrille bei 100 km/h auf dem Transcanada Highway

Weißes Tesla Model 3 Elektroauto im Showroom neben einer Ladestation.

Das FSD (Full Self Driving) kann offenbar genauso eindrucksvoll wie gefährlich sein – besonders dann, wenn es auf eine Sonnenbrille trifft.

Video, Zeugen und Reaktion der Polizei

Am vergangenen Sonntag bemerkte eine Familie auf dem Transcanada Highway in British Columbia (Kanada), zwischen Golden und Revelstoke, eine höchst ungewöhnliche Szene: Sie überholte einen Tesla, dessen Fahrerin sichtbar tief schlief. Ihr Körper war nach rechts zusammengesackt, während das Auto mit 100 km/h vollautonom unterwegs war. Auf der Rückbank sassen zwei Kinder – auch sie schliefen.

Gefilmt wurde das Ganze (YouTube-Video in der Mitte des Artikels) von einer Frau namens Carleigh, die den Tesla links überholte. Danach teilte sie den Clip in einer lokalen Facebook-Gruppe und kontaktierte umgehend die Royal Canadian Mounted Police in Revelstoke (RCMP). Die Behörden bestätigten, dass sie das Kennzeichen identifizieren konnten und nun nach der Fahrerin suchen. Die naheliegende Frage: Warum haben die Schutzmechanismen des FSD nicht gegriffen – bis hin zum sicheren Anhalten?

Verbergen Sie diesen Blick, den Tesla nicht sehen soll

Auch wenn Teslas FSD in Kanada seit 2022 zugelassen ist, untersagt das Gesetz in British Columbia ausdrücklich den Betrieb von autonomen Fahrzeugen der Stufen 3, 4 und 5 im öffentlichen Strassenverkehr. FSD wird als Level 2 eingestuft. Damit bleibt die Person am Steuer rechtlich zu 100 % verantwortlich und muss jederzeit aufmerksam bleiben. Am Steuer einzuschlafen ist in dieser Provinz daher eindeutig illegal – unabhängig davon, welches Fahrassistenz- oder Automatisierungssystem aktiv ist.

Wenn das Fahrzeug Inaktivität erkennt, versucht es den Fahrer oder die Fahrerin über das „Driver Monitoring“ mit Warnungen zu aktivieren. Bleibt eine Reaktion aus, soll der Wagen kontrolliert auf der eigenen Spur zum Stillstand kommen und den Zugriff auf FSD für den Rest der Fahrt sperren. Allerdings ist das System nicht fehlerfrei – und lässt sich leider vergleichsweise leicht austricksen.

Seit der Einführung von FSD v12.4 im Jahr 2024 ist der zentrale Sicherheitsbaustein die Innenraumkamera oberhalb des Rückspiegels. Sie verfolgt Gesichts- und Augenbewegungen, um die Aufmerksamkeit fortlaufend zu prüfen. Im offiziellen Tesla-Handbuch steht jedoch ausdrücklich, dass die visuelle Überwachung sich unter bestimmten Bedingungen „wird sich nicht aktivieren“: bei schlechter Beleuchtung, wenn das Gesicht nicht nach vorn ausgerichtet ist, beim Tragen eines Huts – oder beim Tragen einer Sonnenbrille.

In dem kanadischen Fall ist im Video klar zu erkennen, dass die Fahrerin eine grosse Sonnenbrille trägt. Weil der Blick damit nicht auswertbar ist, schaltet die Software die kamerabasierte Überwachung ab und wechselt automatisch auf eine ältere, inzwischen etwas überholte Methode: die Erkennung von Kraft bzw. Druck am Lenkrad. Diese Absicherung ist sehr nachsichtig, denn schon ein schlaff aufliegender Arm oder das Gewicht eines zusammengesackten Körpers kann ausreichen, um das System zu täuschen – ohne dass das irgendetwas darüber aussagt, ob jemand die Strasse beobachtet oder überhaupt wach ist.

Zusätzlich hat FSD zwar eine weitere Funktion, die speziell Schläfrigkeit am Steuer erkennen soll. Doch sie hat dasselbe Grundproblem: Die Kamera muss die Augen zwingend sehen, um das Risiko beurteilen zu können.

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Softwareversion 2025.32.3 und ein problematischer Hinweis

Hinzu kommt, dass ein aktuelles Tesla-Softwareupdate (Version 2025.32.3) die Lage eher verschärft: Erkennt das Auto Müdigkeit beim Fahrer oder bei der Fahrerin, erscheint eine Benachrichtigung, die ausgerechnet vorschlägt, den FSD-Modus zu aktivieren. Damit wird im ungünstigsten Moment dazu ermuntert, die Kontrolle abzugeben – genau dann, wenn die Person am Steuer am wenigsten in der Lage ist, sicher zu fahren.

Nach mehreren tödlichen Unfällen, an denen Teslas Systeme beteiligt waren – ob über FSD oder den Autopilot – wirkt es offensichtlich, als sei die Software noch nicht vollständig ausgereift. Diese absurde Episode ist glücklicherweise ohne derart dramatische Folgen ausgegangen, doch der schlafenden Fahrerin drohen erhebliche Konsequenzen. Selbst ohne Unfall ist eine Suspendierung des Führerscheins sehr wahrscheinlich; zudem muss sie mit hohen Geldbussen rechnen und potenziell sogar mit einer Freiheitsstrafe. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Kinder während ihres Nickerchens im Fahrzeug waren – ein Umstand, der bei der Urteilsfindung besonders schwer wiegen dürfte. Das zeigt erneut: Künstliche Intelligenz ist noch immer kein Gegenmittel gegen die natürliche Unvernunft mancher Autofahrerinnen und Autofahrer.

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