Die Präsentation des Polestar 1, eines leistungsstarken Plug-in-Hybrid-Coupés, brachte die Volvo-Welt – genauer gesagt die Volvo Car Group – zurück zu einer Karosserieform, von der man sich seit Langem entfernt hatte. Auch wenn vorne nicht das Volvo-Emblem prangt: Am Polestar 1 ist praktisch alles unverkennbar Volvo – kein Wunder, denn seine Linien orientieren sich deutlich am Volvo Coupé Concept von 2013.
Seit Polestar als eigene Marke auftritt, sind die Chancen, dass Volvo selbst erneut ein Coupé ins Programm nimmt, nahezu gleich null. Zumal der Markt seit Jahren von Crossovers und SUVs dominiert wird – einer Entwicklung, der sich auch Volvo nicht entzieht: Erst kürzlich (NDR: zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung dieses Artikels) wurde der XC40 als kleinster SUV vorgestellt, flankiert von den jüngeren XC60 und XC90.
Damit bleibt vor allem eines: zurückblicken. Und es gibt einiges, an das man sich gern erinnert.
Volvos Historie ist nicht gerade voll von Coupés – aber die wenigen Vertreter haben es in sich. Einige davon haben die Marke nachhaltig geprägt. Manche sind heute bekannter als andere; hier sind die Coupés, die im schwedischen Portfolio eine Rolle gespielt haben.
Volvo P1800/1800
Wahrscheinlich der berühmteste Volvo überhaupt – oder zumindest einer der bekanntesten. Mit ihm landete die Marke ihren ersten großen Erfolg im sportlicheren Segment. Der P1800 kam 1961 auf den Markt und blieb bis 1973 in Produktion. Technisch beruhte er zwar auf der P120-Familie, erhielt jedoch überarbeitete Motoren und ein angepasstes Fahrwerk für einen deutlich dynamischeren Charakter – bei den späteren Ausführungen gehörten Scheibenbremsen an allen vier Rädern dazu. Sicherheit … wie immer.
In der stärksten Variante, dem 1800E, standen 130 PS zur Verfügung. Damit sprintete er in unter 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h und lief rund 190 km/h.
Seinen Kultstatus verdankte das Modell nicht zuletzt der TV-Reihe „The Saint“, in der Roger Moore als Agent Simon Templar auftrat. Später bekam das Coupé Konkurrenz aus den eigenen Reihen: der „shooting brake“ 1800ES, der bis heute als Inspirationsquelle für Volvo-Designer gilt.
Volvo 262 C
Mit dem 262 C brachte Volvo sein erstes Luxus-Coupé – und ließ es nur für kurze Zeit bauen: Die Produktion lief lediglich drei Jahre, von 1978 bis 1981. Grundlage war der Volvo 260; stilistisch orientierte man sich an Fahrzeugen wie dem Lincoln Continental MK IV. Da ein solches Kleinserienprojekt intern kaum darstellbar war, beauftragte Volvo die Carrozzeria Bertone mit Entwurf und Fertigung des 262 C.
Vieles stammte vom 260er-Serienmodell, doch Bertone senkte das Dach um acht Zentimeter und änderte damit auch A-Säulen, Dachpartie, Windschutzscheibenrahmen sowie die Türrahmen.
Unter der Haube arbeitete der PRV-V6 – ein gemeinsam von Volvo, Renault und Peugeot entwickelter Motor. Bemerkenswert: Es war der erste V-Motor, der serienmäßig mit einer Lambda-Sonde ausgerüstet wurde.
Volvo 780
Wie schon beim 262 C zeichnete Bertone auch für den Volvo 780 verantwortlich. Die Basis bildete die 700er-Baureihe; durch die italienischen Änderungen an Motorhaube, Kofferraumdeckel und Dachlinie fiel die Gesamthöhe gegenüber der Limousine geringer aus. Gebaut wurde der 780 vier Jahre lang, von 1986 bis 1990. Anders als beim 262 C war die Auswahl dabei breiter: Neben dem V6 gab es auch Vierzylinder – und sogar einen Reihensechszylinder-Diesel.
Für Kunden mit besonders sportlichen Ansprüchen wurden einige der Vierzylinder zusätzlich mit einem Turbo versehen, womit sie dem V6 in Sachen Fahrleistungen Paroli boten oder ihn sogar übertrafen. Den Höhepunkt markierte im letzten Modelljahr der 2,3-l-Motor mit 200 PS. Im Laufe seiner kurzen Karriere erhielt der 780 zudem 1987 eine unabhängige, selbstnivellierende Hinterradaufhängung.
Insgesamt entstanden etwas mehr als 8.500 Exemplare.
Volvo C70
Nach dem Produktionsende des 780 dauerte es sechs Jahre, bis Volvo wieder ein Coupé nachlegte. Der stilvolle C70 wurde erst 1996 vorgestellt – und trat, wie einst der P1800 Jahrzehnte zuvor, in „The Saint“ auf (diesmal im Kinofilm). Die Fertigung des Coupés lief bis 2002; die Cabrio-Version wurde darüber hinaus noch bis 2005 verkauft.
Optisch verabschiedete sich der C70 endgültig vom Image der Volvo-„Kisten“: Seine Karosserie wirkte deutlich fließender und eleganter, obwohl das Auto technisch auf dem kantigeren – aber keineswegs unattraktiven – Volvo 850 basierte.
Alle im C70 angebotenen Motoren waren Reihen-Fünfzylinder, mit Hubräumen zwischen 2,0 l und 2,5 l – überwiegend als Turbovarianten. Die stärkste Ausführung leistete 240 PS aus dem 2,3-l-Fünfzylinder. Produziert wurden knapp 25.000 Stück.
Volvo 480
Streng genommen ist der Volvo 480 kein Coupé. Formal handelt es sich um einen dreitürigen Hatchback – allerdings mit bewusst mutigem, sportlichem Auftritt, der sich am Volvo 1800ES orientierte. Allein wegen seines Designs gehört er dennoch in diese Aufzählung; kaum ein Volvo war in der Markengeschichte gestalterisch so gewagt.
Die Silhouette erinnerte klar an den ursprünglichen 1800ES, und selbst der Kampfjet F-16 diente dem Designteam als Vorbild. Das ist umso kurioser, weil diese beiden „inspirierenden Musen“ kaum gegensätzlicher sein könnten: Die flachen Flächen und geraden Linien des 480 stehen im harten Kontrast zu den geschwungenen, weich übergehenden Formen der F-16. Vermutlich bezog sich die Anleihe vor allem auf die sehr tief platzierte Front-Lufteinlassöffnung.
Am Ende zählt jedoch das Resultat. Der Volvo 480 debütierte 1985 und blieb bis 1995 im Programm. Er war der erste Volvo mit Frontantrieb und teilte seine technische Basis mit dem bekannten Volvo 440 und 460.
Angetrieben wurde er von einem 1,7-l-Benziner Renault-Ursprungs, wahlweise als Saugmotor oder mit Turboaufladung. Dank des geringen Gewichts – nur etwas über eine Tonne – schaffte der 480 Turbo mit 120 PS den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 9,0 s. Gegen Ende der Laufzeit kam zusätzlich ein neuer 2,0-l-Saugmotor ins Angebot.
Gebaut wurden über 76.000 Fahrzeuge; im neuen Jahrhundert bekam das Konzept mit dem Volvo C30 einen Nachfolger.
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