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Voyah, Stellantis und Dongfeng planen ein Joint Venture in Europa

Blauer, moderner Elektro-SUV in einem hellen Showroom mit Glaswänden und reflektierendem Boden.

Als Voyah 2022 in Europa startete, tat die Marke das eher leise. In Portugal folgte der Markteintritt erst Ende 2024: Über den Grupo Salvador Caetano kamen Free, Dream und Courage – mit einer klaren Ausrichtung auf Premium-Elektrofahrzeuge.

Trotz dieser Premium-Positionierung und einer breiten Modellpalette bleibt Voyahs Präsenz in Europa – als Marke aus dem Dongfeng-Konzern – bislang klein. 2025 lagen die Neuzulassungen bei maximal 818 Fahrzeugen, im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden noch nicht einmal 400 erreicht (Quelle: DataForce).

Die Aufgabe besteht dabei nicht nur darin, Käufer zu gewinnen. Mindestens ebenso wichtig sind der Aufbau eines Händlernetzes, ein verlässlicher After-Sales-Service, die Anpassung der Fahrzeuge an europäische Anforderungen sowie eine insgesamt wirtschaftliche Struktur. Dongfeng scheint dafür einen möglichen Weg über Stellantis gefunden zu haben.

Im Mai meldeten Stellantis und Dongfeng die Absicht, ein neues Joint Venture mit Sitz in Europa aufzusetzen. Stellantis soll 51% halten; die übrigen 49% würden beim chinesischen Hersteller liegen.

Die neue Gesellschaft soll den Verkauf und die Distribution der Voyah-Modelle in bislang nicht genannten europäischen Märkten übernehmen. Zusätzlich sind gemeinsame Aktivitäten in Einkauf und Engineering vorgesehen. Parallel prüfen beide Konzerne, Dongfeng-Modelle künftig auch in Europa zu produzieren.

Ein bereits erprobtes Modell

Für Stellantis wäre dieser Ansatz kein Neuland. Schon 2023 vereinbarte der Konzern eine vergleichbare Kooperation mit Leapmotor. Die Leapmotor International – ebenfalls zu 51% von Stellantis kontrolliert – erhielt die Rechte, Modelle der chinesischen Marke ausserhalb von Grosschina zu vermarkten und zu produzieren.

Über das Vertriebs- und Servicenetz von Stellantis konnte Leapmotor dadurch in kurzer Zeit in mehrere Märkte expandieren. Bis Ende 2025 verfügte die Marke in Europa über mehr als 850 Verkaufs- und Servicepunkte und verzeichnete in diesem Jahr mehr als 40 000 Auslieferungen auf den Kontinent.

Genau dieses Muster wollen Stellantis und Dongfeng nun offenbar auf Voyah übertragen: Dongfeng würde Fahrzeuge, Technologie und den Zugang zu einer kostenseitig wettbewerbsfähigeren Lieferkette einbringen. Stellantis steuerte eine bestehende Distributionsstruktur, regulatorisches Know-how sowie industrielle Kapazitäten in Europa bei.

Sollte es tatsächlich zum Abschluss kommen, wäre Voyah nicht mehr ausschliesslich auf lokale Importeure angewiesen, sondern könnte über eine europäische Organisation agieren – geführt von einem der grössten Autokonzerne des Kontinents.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch das Ende der bisherigen Vertretung in Portugal. Das Memorandum lässt offen, welche Märkte genau umfasst wären und welche Rolle bereits aktive Importeure – darunter der Grupo Salvador Caetano – künftig spielen sollen.

Das fehlende Puzzleteil

Die Zusammenarbeit könnte über Vertrieb und Distribution hinausgehen. Stellantis und Dongfeng prüfen, Fahrzeuge mit neuen Antrieben des chinesischen Konzerns in Europa zu fertigen – konkret im Werk Rennes in Frankreich. Dort läuft derzeit der Citroën C5 Aircross vom Band, die Anlage liegt jedoch deutlich unter den Produktionsvolumina, die sie zu Beginn dieses Jahrhunderts erreichte.

Die offizielle Mitteilung nennt keine konkreten Modelle, Termine oder Stückzahlen. Rennes könnte jedoch künftig elektrische und Plug-in-Hybrid-Modelle von Dongfeng für den europäischen Markt herstellen.

Eine Fertigung in Europa würde helfen, Ausgleichszölle auf in China gebaute Elektroautos zu umgehen. Für Voyah gilt aktuell ein zusätzlicher Satz von 20,7% – on top zur regulären Zollabgabe von 10%.

Zudem wäre Voyah mit europäischer Produktion besser auf mögliche künftige Anforderungen zu lokaler Fertigung und lokaler Wertschöpfung vorbereitet. Brüssel treibt seit Längerem eine Industriepolitik unter dem Motto „Made in Europe“ voran, damit ein grösserer Teil der Wertschöpfung bei in Europa verkauften Autos in der Region verbleibt.

Gleichzeitig ist die Partnerschaft nicht nur eine Zollfrage. Gemeinsame Einkaufs- und Engineering-Aktivitäten könnten die Anpassung der Modelle an europäische Vorgaben und Kundenwünsche beschleunigen – und zugleich Kosten senken.

Noch viele offene Fragen

Abgeschlossen ist der Deal noch nicht. Stellantis und Dongfeng haben bislang lediglich ein unverbindliches Memorandum of Understanding unterzeichnet; die Umsetzung hängt von finalen Verträgen und den üblichen behördlichen Genehmigungen ab.

Entsprechend bleiben zentrale Punkte offen: Welche Märkte dazugehören, welche ersten Modelle in Frankreich entstehen sollen und wie der Zeitplan aussieht, ist bislang nicht bekannt.

Damit könnte dieses Jahr entscheidend für die Zukunft der chinesischen Marke in Europa werden. Mit Vertrieb, Engineering und möglicherweise auch Produktion auf dem Kontinent könnte Voyah letztlich jene europäische Grössenordnung erreichen, die bisher gefehlt hat.

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