Mit über 2,4 Millionen verkauften Exemplaren über vier Generationen hinweg gehört der SEAT Leon zu den tragenden Säulen des Herstellers aus Martorell. In Zeiten der Elektrifizierung tritt er heute mit einem der breitesten Antriebsangebote am Markt an: Diesel, Benziner, Erdgas (CNG), Mild-Hybrid (MHEV) und Plug-in-Hybrid (PHEV). Im Fokus steht hier die letztgenannte Variante, der Leon e-HYBRID.
Erst kürzlich in Portugal mit der Auszeichnung „Hybrid des Jahres 2021“ geehrt, markiert der SEAT Leon e-HYBRID das erste „an die Steckdose“ anschließbare Hybridmodell der spanischen Marke. Optisch ist diese Premiere allerdings nur schwer als solche zu erkennen.
Ohne die Ladeklappe oberhalb des rechten vorderen Kotflügels (Fahrerseite) und den e-HYBRID-Schriftzug am Heck könnte man ihn problemlos für einen Leon mit klassischem Antrieb halten. Das ist ausdrücklich als Kompliment zu verstehen, denn das Design der vierten Generation des spanischen Kompakten wird seit seiner Vorstellung überwiegend sehr positiv bewertet.
Maßgeblich dafür verantwortlich sind die neue Lichtsignatur, die eine Linie fortsetzt, die zunächst beim SEAT Tarraco auffiel, sowie die insgesamt kantigeren, dynamischeren Formen, die dem Profil mehr Präsenz verleihen. In diesem Fall kommt hinzu, dass es sich um die FR-Version mit sportlicher gezeichneten Stoßfängern handelt.
Was ändert sich im Innenraum?
Wenn der „Stecker-Leon“ außen kaum aus der Reihe fällt, ist die Unterscheidung innen noch weniger offensichtlich. Im Alltag erinnern im Wesentlichen nur die speziellen Menüs im Kombiinstrument und im Infotainmentsystem daran, dass man in einem SEAT Leon sitzt, der auch rein elektrisch fahren kann.
Auch das ist positiv gemeint: Der Sprung gegenüber dem Vorgänger fällt deutlich aus, und das Ergebnis zählt zu den modernsten Interieurs im Segment. Die Oberflächen wirken weicher (zumindest dort, wo man häufig hinfasst), die Anmutung der Konstruktion erscheint spürbar solider, und die Verarbeitung hat klar zugelegt.
Einen Kritikpunkt habe ich dennoch: die Touch-Leiste zur Steuerung von Lautstärke und Klimatisierung. Wie ich bereits beim Test des SEAT Leon 1.5 TSI mit 130 cv schrieb, sieht die Lösung zwar modern aus, dürfte aber intuitiver und präziser sein – gerade nachts, weil sie nicht beleuchtet ist.
Und wie steht es um das Platzangebot?
Beim Raumgefühl erfüllt der SEAT Leon e-HYBRID seine Rolle als familientaugliches Fahrzeug sowohl vorne als auch hinten überzeugend – besonders die Beinfreiheit in der zweiten Reihe ist hervorzuheben. Einen großen Anteil daran hat die MQB-Plattform, die auch die Basis für zwei deutsche „Cousins“ bildet: Volkswagen Golf und Audi A3.
Allerdings hat die Unterbringung der 13 kWh-Batterie unter dem Kofferraumboden ihren Preis: Das Ladevolumen sinkt von 380 Litern auf 270 Liter. Das schmälert die praktische Nutzbarkeit des Leon zwar, nimmt ihm aber nicht seine grundsätzliche Vielseitigkeit.
Wer noch mehr Variabilität sucht, findet sie bei der Leon Sportstourer e-HYBRID: Die Kombiversion stellt 470 Liter Stauraum bereit und bleibt damit die deutlich flexiblere, familienorientiertere Wahl.
Der stärkste in der Baureihe
Trotz des ökologischen Anspruchs ist der Plug-in-Hybrid ausgerechnet die leistungsstärkste Variante der aktuellen SEAT-Leon-Palette – der CUPRA Leon bleibt dabei außen vor. Die Systemleistung liegt bei 204 cv, ermöglicht durch das Zusammenspiel des 1.4 TSI-Benziners mit 150 cv und eines Elektromotors mit 115 cv (85 kW). Das maximale Drehmoment beträgt ebenfalls beachtliche 350 Nm.
An die Vorderräder gelangt die Kraft ausschließlich über ein 6-Gang-DSG-Automatikgetriebe. Damit absolviert der SEAT Leon e-HYBRID den Sprint von 0–100 km/h in 7,5s und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.
Diese Hybridkonfiguration harmoniert sehr stimmig mit dem Fahrwerk des neuen Leon. Obwohl der Testwagen nicht mit dem „Dynamik- und Komfortpaket“ (719 Euro) inklusive adaptiver Fahrwerksregelung ausgestattet war, blieb das Auto auch bei zügigerer Gangart souverän – zumal die FR-Ausführung eine spezifische, etwas straffere Abstimmung mitbringt.
Die Lenkung reagiert jederzeit direkt und präzise, die Karosserie wirkt insgesamt gut kontrolliert, und auf der Autobahn steht der Leon in Sachen Stabilität den deutschen Verwandten kaum nach. Trotz FR-Badge im Namen – und am Kofferraumdeckel – würde ich sagen, dass diese Abstimmung eher Komfort als Sportlichkeit priorisiert (selbst mit den optionalen 18"-Felgen). Das passt sehr gut zu dem, was dieses Modell im Alltag bieten soll.
Effizient und … sparsam
Beim Verbrauch kann der SEAT Leon e-HYBRID mit den Dieselvarianten der Baureihe konkurrieren, wozu vor allem die angekündigten 64 km rein elektrische Reichweite beitragen.
Ohne mich besonders auf Sparrunden zu fokussieren und inklusive eines Autobahnabschnitts kam ich mit diesem Leon auf nahezu 50 km ausschließlich im Elektrobetrieb. Und selbst nach dem Entladen der Batterie zeigte er sich weiterhin als erstaunlich genügsam.
Solange noch Energie im Akku vorhanden ist, sind Durchschnittswerte von unter 2 l/100 km relativ problemlos erreichbar. Ist der elektrische Vorrat aufgebraucht und das System arbeitet wie ein konventioneller Hybrid, pendeln sich die Verbräuche bei etwa 6 l/100 km ein – gemessen an der gebotenen Leistung ein sehr interessanter Wert.
Ist das das richtige Auto für Sie?
SEAT war zwar nicht der erste Anbieter mit einem Plug-in-Hybrid, hat aber dafür gesorgt, dass der Einstieg Aufmerksamkeit erzeugt. Gemeint ist: Auch wenn diese Variante innerhalb der Leon-Familie neu ist, wirkt das Gesamtkonzept bemerkenswert ausgereift – hier zahlen sich die Synergien innerhalb des Volkswagen Konzerns klar aus.
Zu den bereits bekannten Stärken der vierten Leon-Generation gesellen sich beim e-HYBRID zusätzliche Leistung und eine im Alltag sehr effiziente Nutzbarkeit, die diese Version zu einer ernsthaften Option machen.
Lohnt es sich? Das ist die klassische Millionenfrage. Und auch wenn ich mich dafür entschuldigen muss, kein eindeutigeres Feedback zu geben: Die Antwort lautet umfassender betrachtet „es kommt darauf an“ – nämlich auf Ihr Nutzungsprofil und Ihre Kilometerleistung.
Wie bei den Dieselversionen bietet auch diese elektrifizierte Ausführung besonders für alle, die monatlich viele Kilometer abspulen, ein spannendes Potenzial – vor allem im Stadt- und Umlandverkehr. Dort lässt sich der konkrete Vorteil am besten realisieren, über ungefähr 50 km im 100%-Elektromodus zu fahren und so beim Kraftstoff deutlich zu sparen.
Am Ende ist es daher eine Rechenaufgabe. Und genau das zählt zu den großen Stärken der neuen Leon-Generation: Sie scheint für sehr unterschiedliche Anforderungen jeweils eine passende Lösung bereitzuhalten.
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