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Zertifizierung als Fahrzeug von historischem Interesse in Portugal: Was 30 Jahre wirklich bedeuten

Grünes Oldtimer-Sportcoupé in Ausstellungsraum mit Info-Tafel auf weißem Boden vor großen Fenstern.

Manche gehen davon aus, dass ein Auto mit dem Erreichen von 30 Jahren automatisch als Klassiker gilt und damit direkt von rechtlichen und steuerlichen Vorteilen profitiert. In der Praxis ist das jedoch deutlich vielschichtiger.

Wichtig ist vor allem: 30 Jahre sind nur der Ausgangspunkt. Ohne eine entsprechende Zertifizierung wird ein Fahrzeug nicht automatisch als „Fahrzeug von historischem Interesse“ anerkannt – und erhält damit auch keinen Zugang zu den vorgesehenen Vergünstigungen.

Klassiker oder „Fahrzeug von historischem Interesse“?

Zunächst sollte man zwei Begriffe auseinanderhalten, die im Alltag oft gleichgesetzt werden: Klassiker und Fahrzeug von historischem Interesse. „Klassiker“ ist eine allgemeine Bezeichnung für ältere Autos mit historischem, kulturellem oder sammlerischem Wert – sie stellt für sich genommen jedoch keine rechtliche Einstufung dar.

Als „Fahrzeug von historischem Interesse“ gilt ein Auto erst dann, wenn es nach einer Prüfung offiziell anerkannt und von einer durch das IMT (Institut für Mobilität und Verkehr) autorisierten Stelle zertifiziert wurde. Diese Zertifizierung bestätigt den historischen Stellenwert verbindlich und ist eine zentrale Voraussetzung, um die in der Gesetzgebung vorgesehenen Vorteile nutzen zu können.

Welche Vorteile sind in Portugal möglich?

In Portugal können zertifizierte Fahrzeuge von historischem Interesse – unter bestimmten Bedingungen – unter anderem folgende Begünstigungen erhalten: Befreiung von der obligatorischen wiederkehrenden technischen Inspektion (IPO), Befreiung von der Kfz-Jahressteuer (IUC) sowie die Möglichkeit, in der Niedrigemissionszone (ZER) von Lissabon zu fahren.

Gerade beim IUC gelten zusätzliche Anforderungen: Für eine Steuerbefreiung muss das Fahrzeug in eine der gesetzlich vorgesehenen Kategorien fallen, älter als 30 Jahre sein, als historisch eingestuft werden und darf pro Jahr nicht mehr als 500 km gefahren werden.

Entscheidend ist dabei: Das Alter allein reicht nicht aus – es müssen weitere Kriterien erfüllt werden.

Was muss man für die Zertifizierung als Fahrzeug von historischem Interesse tun?

Damit ein Auto als Fahrzeug von historischem Interesse anerkannt wird, braucht es eine Zertifizierung, die sowohl den Erhaltungszustand als auch die historischen Merkmale des Fahrzeugs bestätigt.

Diese Zertifizierung muss von einer Stelle ausgestellt werden, die vom IMT anerkannt ist. Seit Februar 2026 sind dafür vier Einrichtungen anerkannt: ACP Klassiker, Portugiesischer Klub für Oldtimer, Stiftung Abel und João Lacerda (Caramulo-Museum) sowie das Automobilmuseum von Vila Nova de Famalicão.

Dass ein Fahrzeug 30 Jahre alt ist, bedeutet zudem nicht automatisch, dass es die Bewertung besteht. Beim ACP Klassiker werden beispielsweise mehrere Punkte geprüft, die sich auf Zustand, Originalität und Funktion beziehen:

  • Allgemeiner Erhaltungszustand von Karosserie und Innenraum, ohne erhebliche Schäden oder klare Anzeichen von Verfall.
  • Originalität der wichtigsten Komponenten, darunter Motor, Elektrik, Fahrwerk, Lenkung, Bremsen und Antriebsstrang.
  • Korrekte Funktion zentraler Systeme wie Beleuchtung, Scheibenwischer und Instrumente.
  • Passende Zubehörteile und Ausstattungen: Sie müssen original sein oder zeitlich zur Epoche der Produktion passen.
  • Keine relevanten Umbauten, die die ursprünglichen Merkmale des Modells verändern.

Hat die Anerkennung eine Gültigkeitsdauer?

Ja. Anders als viele annehmen, ist die Zertifizierung eines Autos als Fahrzeug von historischem Interesse befristet. Laut ACP gilt das Zertifikat:

  • 10 Jahre für Fahrzeuge, die bis 1918 produziert wurden;
  • 8 Jahre für Fahrzeuge, die zwischen 1919 und 1945 produziert wurden;
  • 6 Jahre für Fahrzeuge, die zwischen 1946 und 1960 produziert wurden;
  • 4 Jahre für Fahrzeuge, die ab 1961 produziert wurden.

Mit der Zertifizierung sind ausserdem Kosten verbunden. Für Mitglieder von ACP Klassiker kostet die Prüfung 55 Euro. ACP-Mitglieder zahlen 60 Euro, Nichtmitglieder tragen Kosten in Höhe von 70 Euro.

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