Zum Inhalt springen

Auto Shanghai 2021: SUV-Offensive, Elektromobilität und Langversionen

Weißes, futuristisches Elektro-SUV in Ausstellungshalle mit moderner LED-Beleuchtung und Skyline im Hintergrund.

Globale Hersteller sind immer stärker darauf angewiesen, dass sich der chinesische Markt gut entwickelt. Während in Europa und Nordamerika die Folgen von Covid-19 vielerorts weiterhin spürbar sind, sendet China seit einiger Zeit deutlich positive Signale.

Allein im vergangenen März setzten chinesische Autohändler 2,53 Millionen Fahrzeuge ab – ein Plus von 74,9% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Diese beeindruckenden Zahlen unterstreichen, wie zentral China für die weltweiten Autobauer geworden ist. Entsprechend wollten viele Marken ihre neuesten Modelle auf dem Salon von Shanghai präsentieren, der als erste große Automesse des Jahres gilt.

Auf der offiziell als Shanghai Auto Show 2021 bezeichneten Veranstaltung zeigte sich vor allem dreierlei: eine „SUV-Offensive“ der ausländischen Hersteller, ein regelrechter Laufsteg neuer Konzepte rund um Elektromobilität – und die gewohnt „verlängerten“ Modellvarianten, die in Europa verkauft werden.

Die Summe daraus: eine Messe voller Premieren, bei der die Präsenz der „heimischen“ Angebote – also der chinesischen – immer sichtbarer (und bedeutsamer …) wird.

Europäische Hersteller „mit Vollgas“

Wie wichtig China für europäische Automarken ist, war an vielen Stellen zu erkennen. BMW brachte eine Sonderausführung des BMW M760 Li xDrive nach Shanghai – mit zweifarbiger Karosserie, die an Modelle von Mercedes-Maybach erinnert – und zeigte außerdem die China-Premiere des elektrischen SUV iX, der in China in der zweiten Jahreshälfte in den Verkauf gehen soll.

Mercedes-Benz nutzte die Messe nach der virtuellen Vorstellung, um den EQS erstmals live zu zeigen – ebenso wie den недавно präsentierten EQB. Dazu kam eine „verlängerte“ Version – exklusiv für China – der neuen C-Klasse.

Audi reiste mit dem elektrischen Prototyp A6 e-tron an, der mehr als 700 km Reichweite in Aussicht stellt, sowie mit einer „verlängerten“ Variante – im „Limousinen“-Format – des hierzulande gut bekannten Audi A7 Sportback.

Der Hersteller aus Ingolstadt zeigte außerdem den längeren Q5 (Q5 L) und ein Konzept für ein neues 100% elektrisches SUV – es soll die Audi-Entsprechung zum Volkswagen ID.6 sein – und teilte sich dabei den Stand (zum ersten Mal …) mit den beiden chinesischen Partnern FAW und SAIC.

Auch Volkswagen hatte viel vorbereitet und hob sich für den Salon von Shanghai die Präsentation des ID.6 auf, der in zwei Versionen angeboten werden soll. Mehr zu diesem siebensitzigen Elektro-SUV, das wie eine gewachsene Variante des ID.4 wirkt, den heute der Titel „World Car of the Year 2021“ auszeichnete, könnt ihr ebenfalls nachlesen.

Zur europäischen Präsenz in Shanghai gehörten zudem Maserati, die die Hybrid-Version des Levante mitbrachten, sowie Peugeot. Die Franzosen nutzten den Anlass, um ihre neue China-Strategie „Yuan +“ vorzustellen, ihr neues Logo zu zeigen und ihr jüngstes SUV-Duo zu präsentieren: 4008 und 5008.

Die USA sagten ebenfalls „anwesend“

Auch die amerikanische „Armada“ war auf der Shanghai Auto Show 2021 deutlich wahrnehmbar – vor allem dank Ford. Neben dem in China produzierten Mustang Mach-E präsentierte Ford auch den Evos: einen Crossover mit kraftvollem Auftritt und sportlichen Linien, der einen Hinweis darauf geben könnte, wie ein möglicher Nachfolger des Mondeo in Europa und des Fusion in Nordamerika aussehen könnte.

Auf der Bühne in Shanghai standen außerdem der neue Ford Escape (unser Kuga), der Ford Escort (ja, den gibt es in China noch …) und der Ford Equator (ein siebensitziges SUV).

General Motors (GM) war in China ebenfalls präsent – mit der Ankündigung des Cadillac Lyriq, eines elektrischen Crossover, und mit der aufgefrischten Version des Buick Envision.

Und die Japaner?

Honda zeigte das elektrische SUV e:prototype, das – wie beim Honda e – voraussichtlich als Serienversion optisch sehr nahe am Konzept bleiben dürfte. Hinzu kam die Plug-in-Hybrid-Version des Breeze (ein vom CR-V abgeleitetes SUV).

Toyota stellte das bZ4X Concept vor, das erste Modell der neuen Elektro-Baureihe namens bZ, während Lexus mit dem überarbeiteten ES vertreten war.

Nissan meldete sich ebenfalls „anwesend“ und enthüllte den X-Trail, die neue Generation des SUV, die in den USA bereits als Rogue vorgestellt wurde und die aller Wahrscheinlichkeit nach im Sommer 2022 auch nach Europa kommen wird.

Und die „heimischen“ Hersteller?

Auf der Shanghai Auto Show 2021 machten die „heimischen“ Hersteller erneut klar, dass sie längst keine Nebenrollen mehr spielen, sondern bereit sind für die Hauptrolle.

Die Zeiten, in denen man regelmäßig über chinesische Marken stolperte, die europäische Modelle „klonten“, sind weitgehend vorbei. Heute will China den riesigen – und profitablen! – heimischen Automarkt mit eigenständigen und innovativen Angeboten „angreifen“. Selbst Xiaomi, der chinesische Tech-Gigant, will „nicht den Anschluss verpassen“: Lei Jun, Gründer des Konzerns, bestätigte die Absicht, ein Auto auf den Markt zu bringen.

Auch Konkurrent Huawei will „nicht weniger“ und teilte bereits mit, 1 Milliarde US-Dollar (rund 830 Millionen Euro) in Technologien für autonomes Fahren zu investieren – mit dem Ziel, künftig als Zulieferer für die Automobilindustrie aufzutreten.

Zu den Messe-Neuheiten zählte außerdem der Xpeng P5, das dritte Modell der Marke. Er soll Funktionen für autonomes Fahren bieten – dank des neuen Systems XPilot 3.5, das aus 32 Sensoren besteht: zwei LiDAR-Einheiten (integriert in die Bereiche, in denen man sonst Nebelscheinwerfer erwarten würde), 12 Ultraschallsensoren, 13 hochauflösenden Kameras und einem hochpräzisen GPS-Sensor.

Zeekr, eine neue Automarke der zunehmend größeren Geely-Gruppe – Eigentümerin von Volvo, Polestar und Lotus –, nutzte den Salon von Shanghai 2021 ebenfalls für ihre Premiere: den Zeekr 001. Das Modell ist eine Art elektrischer Shooting Brake – mit 4,97 m Länge – und soll mit nur einer Ladung 700 km weit kommen.

Great Wall, die ein Joint Venture mit BMW hat, zeigte ein Konzept mit dem radikalen Namen Cyber Tank 300 – optisch eine Mischung aus Ford Bronco und Mercedes G – sowie eine moderne Interpretation des Volkswagen-Beetle-Designs: den Ora… Punk Cat – „wir machen keinen Scherz.“

Wuling, Partner von General Motors, präsentierte in Shanghai die jüngste Version ihres „Mikro-Elektroautos“ Hong Guang MINI EV Macaro: ein kleiner Stadtwagen mit 170 km Reichweite, der dort umgerechnet 3500 Euro kostet – ein Auto, das in Europa bereits als Dartz Freze Nikrob auftauchte.

Zum Schluss wollte FAW Hongqi nicht übersehen werden und enthüllte den Hyper-Sportwagen S9, dessen Prototyp schon 2019 auf der IAA in Frankfurt Appetit gemacht hatte. Das Design stammt von Walter da Silva, dem italienischen Designer, der etwa den Alfa Romeo 156 zeichnete und mehrere Jahre das Design der Volkswagen-Gruppe leitete.

Dank eines Hybridsystems mit V8-Motor kommt der S9 auf eine kombinierte Leistung von 1400 PS und soll für den Sprint von 0 auf 100 km/h weniger als 2s benötigen; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 400 km/h.


Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen