Die Welt der Supersportwagen scheint sich immer stärker in zwei Philosophien aufzuteilen. Auf der einen Seite stehen elektrifizierte oder rein elektrische Modelle, von denen einige offenbar einzig darauf ausgerichtet sind, Rekorde zu jagen – etwa der Yangwang U9. Auf der anderen Seite gibt es Konzepte wie den Kimera K39, bei denen das analoge, mechanische Fahrerlebnis wichtiger ist als die Jagd nach absoluten Fahrleistungen.
In diese zweite Kategorie fällt der neue Hennessey Blackbird. Elektromotoren, Turbolader, Automatikgetriebe und selbst ein Bildschirm im Innenraum sucht man hier vergeblich. Stattdessen gibt es einen V8-Saugmotor, drei Pedale und ein manuelles Getriebe mit offen liegender Metall-Schaltkulisse. Eine Rezeptur, die direkt aus einer anderen Zeit zu stammen scheint.
Seinen Namen übernimmt er vom legendären Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71 Blackbird – bis heute das schnellste Düsenflugzeug der Welt, das Mach 3,32 beziehungsweise rund 3530 km/h erreichte. Nach den Hypercars Venom GT und Venom F5 ist der Blackbird das dritte Modell von Hennessey.
Anders als der auf Geschwindigkeitsrekorde ausgelegte Venom F5 stellt der Blackbird den Fahrspaß in den Mittelpunkt seiner Entwicklung. Das Konzept richtet sich klar an Puristen, doch seine Leistungsdaten bleiben auf Supersportwagen-Niveau.
V8-Saugmotor, Handschaltung und Hinterradantrieb
Herzstück des Projekts ist ein neu entwickelter 6,2-Liter-V8-Saugmotor, der gemeinsam mit Ilmor Engineering entstand. Er soll zwischen 800 hp und 850 hp leisten, entsprechend 811 PS bis 862 PS, und Drehzahlen von mehr als 9000 U/min erreichen.
Die gesamte Kraft wird ausschließlich über ein manuelles Sechsganggetriebe mit sichtbarer Metall-Schaltkulisse an die Hinterräder geleitet – eine Lösung, die bei modernen Supersportwagen nahezu verschwunden ist.
Auch die Fahrleistungen sind beeindruckend: Hennessey nennt für den Sprint von 0 auf 60 mph – 0-96 km/h – lediglich 2,5 s sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 354 km/h.
Damit diese Werte möglich werden, setzt der Blackbird auf ein Monocoque und eine Karosserie aus Carbon. Das Trockengewicht soll unter 1360 kg liegen, also unter dem vieler Sportwagen mit deutlich geringerer Leistung.
Hennessey Blackbird mit Aerodynamik aus der Luftfahrt
Die Verbindung zur Luftfahrt beschränkt sich nicht auf die Modellbezeichnung. Der Blackbird besitzt besondere aerodynamische Lösungen und kommt ohne den üblichen großformatigen Heckflügel aus.
Stattdessen verfügt er über zwei aktive vertikale Stabilisatoren, deren Vorbild die Leitwerke der SR-71 sind. Sie fahren ab 114 km/h automatisch aus und sollen die Stabilität bei hohem Tempo verbessern. Im eingefahrenen Zustand verschwinden diese Elemente fast vollständig in der Karosserie.
Ein Cockpit ganz im Zeichen des Fahrers
Die Philosophie des Blackbird setzt sich im Innenraum fort. Ein Infotainment-Bildschirm, ein digitales Kombiinstrument oder Tasten am Lenkrad sind nicht vorhanden. Der Fahrer blickt stattdessen auf einen großen analogen Drehzahlmesser, bedient physische Schalter und startet den Wagen sogar mit einem klassischen Zündschlüssel.
Im Mittelpunkt sitzt das manuelle Getriebe mit Metall-Schaltkulisse, ergänzt durch eine sichtbare Verbindung zwischen Schalthebel und Getriebe.
Vollständig auf Konnektivität verzichtet Hennessey dennoch nicht. Eine spezielle Halterung namens Holster nimmt das Smartphone mittig auf dem Armaturenbrett auf und macht es zum zentralen Zugangspunkt für Navigation, Musik und weitere Multimediafunktionen.
Trotz des bewusst analogen Ansatzes wurde der Blackbird laut Hennessey nicht ausschließlich für die Rennstrecke entwickelt. Er bietet ein adaptives Fahrwerk, Platz für zwei Kabinenkoffer, vier Getränkehalter sowie mehrere Ablagefächer.
Nach Angaben der Marke bestand das Ziel darin, einen Supersportwagen zu schaffen, der komfortabel genug ist, um an einem einzigen Reisetag 800 Meilen (1287 km) zurückzulegen. Das bedeutet nicht, dass diese Strecke mit nur einer Tankfüllung möglich ist, zeigt aber, dass Hennessey den Blackbird nicht dauerhaft in einer Garage sehen will.
Wann kommt der Hennessey Blackbird?
Die Produktion wird auf nur 71 Exemplare begrenzt sein – als direkte Hommage an die SR-71. Der Grundpreis beträgt 2,5 Millionen US-Dollar vor Steuern.
Mehr als zwei Drittel der Produktion sollen bereits vor der öffentlichen Premiere reserviert worden sein. Diese ist für den 14. August bei The Quail während der Monterey Car Week geplant. Die ersten Auslieferungen werden für 2029 oder 2030 erwartet.
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