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Lotus Focus 2030: Abschied von der reinen Elektrostrategie

Grüner Sportwagen mit schwarzem Spoiler und gelben Felgen in modernem Showroom, Frontansicht schräg links.

Im Jahr 2021 erklärte Lotus, keine neuen Modelle mit Verbrennungsmotor mehr auf den Markt bringen zu wollen und ab 2028 ausschliesslich elektrische Fahrzeuge anzubieten.

Fünf Jahre später ist dieser Plan vom Tisch.

Die neue Strategie trägt den Namen Focus 2030 und markiert einen grundlegenden Kurswechsel. Elektroautos bleiben Teil der Zukunft der Marke, sind jedoch nicht länger die einzige Antriebsoption. Geplant sind Plug-in-Hybride, Verbrennungsmotoren sowie eine verlängerte Laufzeit für Modelle wie den Emira.

Lotus geht davon aus, dass Hybride rund 60% der Verkäufe innerhalb des elektrifizierten Modellprogramms ausmachen könnten; die übrigen 40% sollen auf reine Elektrofahrzeuge entfallen. Für eine Marke, die den Eletre, den Emeya und den Evija bis vor Kurzem als Auftakt einer unumkehrbaren Transformation präsentierte, ist das eine einschneidende Kehrtwende.

Auslöser für die strategische Anpassung sind Ergebnisse, die weit hinter den Erwartungen zurückblieben. 2025 lieferte Lotus 6520 Fahrzeuge aus, 46% weniger als im Vorjahr, und rutschte mit einem Verlust von 464 Millionen Dollar (404 Millionen Euro) wieder in die roten Zahlen.

Das ursprüngliche Ziel von 150.000 Verkäufen jährlich hatte mit der Realität nichts zu tun. Selbst das im neuen Plan auf realistischere 30.000 Einheiten gesenkte Ziel verlangt, dass Lotus die etwas mehr als 6500 Auslieferungen aus dem Jahr 2025 beinahe verfünffacht.

Da die Nachfrage nach Elektroautos langsamer wächst als erwartet, Förderungen zurückgehen und Zölle die in China produzierten Modelle belasten, hätte eine rein elektrische Strategie die Erholung noch weiter erschwert.

Wieder Lotus werden

Mit Focus 2030 will Lotus zugleich seine Markenidentität zurückgewinnen. Leichtbau, Aerodynamik, Ingenieurskunst und ein intensives Fahrerlebnis sollen wieder im Mittelpunkt der Fahrzeuge stehen. Bei den schweren Eletre, Emeya und selbst beim Evija sind einige dieser Werte nur schwer wiederzuerkennen.

Auch Vorstandschef Qingfeng Feng räumte diesen Widerspruch ein: Ein Sportwagen mit mehr als 1800 kg könne kaum wirklich gut sein – sämtliche Elektroautos von Lotus überschreiten diese Grenze. Künftig sollen die Fahrzeuge der Marke wieder stärker dem entsprechen, wofür der Name Lotus steht.

Der erste Plug-in-Hybrid ist bereits da

Es könnte noch einige Jahre dauern, bis sich die Ergebnisse dieser erneuerten Ausrichtung zeigen. Den Rückzug vom Anspruch, ausschliesslich Elektroautos anzubieten, hat Lotus aber bereits mit dem Eletre X vollzogen, der Plug-in-Hybrid-Ausführung des SUV der Marke.

Er verbindet einen Verbrennungsmotor mit Elektromotoren und einer 900-V-Architektur. Lotus nennt bis zu 952 PS, den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,3s sowie mehr als 1200 km kombinierte Reichweite.

In China, wo das Modell die ungewöhnliche Bezeichnung For Me trägt, gingen im ersten Monat mehr als tausend Bestellungen ein. Die Auslieferungen in Europa sollen im letzten Quartal 2026 beginnen.

Lotus will diese Hybridtechnik mit hoher Reichweite auf weitere Modelle übertragen, voraussichtlich auch auf den Emeya. Die Elektroversionen von Eletre und Emeya bleiben weiterhin im Programm.

Emira bleibt und wird stärker

Der Emira, ursprünglich als letzter Lotus mit Verbrennungsmotor vorgesehen, hat inzwischen eine neue Zukunft erhalten. Er wird weiter in Hethel gebaut und ist bereits als stärkere Variante 420 Sport erhältlich.

Der von Mercedes-AMG stammende aufgeladene 2,0-Liter-Vierzylinder leistet nun 420 PS und entwickelt 500 Nm. Mit dem Lightweight-Handling-Paket wird der Emira durch Bauteile wie die Titan-Abgasanlage, die Lithium-Ionen-Batterie und einstellbare Multimatic-Dämpfer um 25 kg leichter. Mit 1430 kg (DIN) ist er damit der bislang leichteste Emira.

Für den Sportwagen sind wohl auch weitreichendere Änderungen vorgesehen. Die heutigen Motoren von Toyota und Mercedes-AMG könnten durch einen 3,0-Liter-V6-Biturbo von Horse Powertrain ersetzt werden, einem von Geely und Renault gegründeten Unternehmen.

Der von Beginn an für elektrifizierte Antriebsstränge entwickelte Motor würde Lotus ermöglichen, einen kompakten Sportwagen mit Verbrennungsmotor anzubieten und zugleich künftige Umweltvorgaben zu erfüllen.

Ein V8-Hybrid-Supersportwagen für 2028

Den Kurswechsel verkörpert allerdings vor allem der Type 135, intern auch Vision X genannt. Zunächst war er als rein elektrischer Nachfolger des Emira geplant. Nun soll daraus ein Hybrid-Supersportwagen mit V8-Motor, mehr als 1000 PS und europäischer Produktion werden (Titelbild).

Die ersten Auslieferungen sind für 2028 vorgesehen. Über diesen Supersportwagen ist bislang wenig bekannt, ebenso wenig ist bestätigt, ob er den Namen Esprit wiederbelebt. Er wäre jedoch der erste strassenzugelassene Lotus mit V8-Motor seit dem Produktionsende des Esprit im Jahr 2004.

Zugleich wird er zum ersten grossen Prüfstein für Focus 2030. Lotus muss mehr als 1000 „elektrifizierte“ PS vereinen, ohne in dasselbe Problem zu geraten, das die Marke nun bei ihren leistungsstarken Elektroautos selbst anerkennt: zu hohes Gewicht.

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