Was ist das? Es sieht wütend aus.
Das ist der Ford Mustang Shelby GT500. Wir haben ihn bereits in den USA getestet, jedoch nie auf britischem Boden. Schon der normale Ford Mustang gefällt uns sehr: ein Auto mit entspannter Attitüde und echtem Handling-Talent. Dieses Exemplar hier ist allerdings noch etwas … entschlossener. Ein Mustang mit Hinterradantrieb, Siebengang-DSG, aktivem MagneRide-Fahrwerk und jeder Menge Know-how. Den Antrieb übernimmt der 5,2-Liter-V8 „Predator“, dem ein 2,65-Liter-Kompressor nach Roots-Bauart aufgesetzt wurde. Allein um diesen Kompressor bei voller Leistung anzutreiben, werden 90bhp benötigt. Gemeinsam liefern sie rund 750bhp und 625lb ft, die maximale Drehzahl liegt bei 7.500rpm. Auf 62mph beschleunigt er in nur dreieinhalb Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180mph. Und all das trotz eines Gewichts von fast 1.900kg – wobei er sich gefühlt sogar noch etwas schwerer anfühlt. Trotzdem: ein bemerkenswertes Gerät.
Der hier gezeigte Farbton heißt „Grabber Green“ und attackiert die Augen ebenso stark wie der Rest des Wagens die übrigen Sinne. Denn dies ist eines der lautesten straßenzugelassenen Serienautos, die Top Gear je getestet hat. Selbst der „Quiet Mode“ der schaltbaren Abgasanlage ist alles andere als leise. Dass es einen „Track Mode“ gibt, der für echte Rennstrecken ungeeignet ist – weil er schlicht zu laut ist –, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Geschaltet wird über Schaltwippen und sieben Gänge; eine Handschaltoption gibt es nicht. Auch verschiedene Fahrmodi stehen bereit. Vermutlich ist der GT500 nicht die „Enthusiastenwahl“ – das wäre eher der bis 8.500rpm drehende, handgeschaltete GT350 mit Flat-Plane-Kurbelwelle, während der GT500 eine Cross-Plane-Kurbelwelle besitzt. Beim kompromisslosen Spektakel ist der GT500 jedoch der Chef.
Ford Mustang Shelby GT500: Preis und laufende Kosten
Dann reden wir vermutlich über sehr viel Geld?
Hier wird es unerquicklich. Der GT500 ist im Grunde nationale Eifersucht auf vier Rädern. Vor allem deshalb, weil ein „normaler“ GT500 in den USA lediglich $72,900 kostet – bei den aktuellen Wechselkursen etwas mehr als zweiundfünfzigtausend Pfund. Angesichts seiner Fähigkeiten sowie des gebotenen Dramas und Spaßes ist das ein absurdes Preis-Leistungs-Verhältnis. Optional gibt es das $18,500 teure „Carbon Pack“, das den Wagen noch kompromissloser macht: Die Rücksitze entfallen, ein größerer Heckflügel und gewichtsparende Carbonräder kommen hinzu, und die serienmäßigen Michelin Pilot Sport 4S werden durch extrem haftstarke Cup2-Reifen ersetzt. Doch selbst das schmälert das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum.
Wer allerdings einen nach Großbritannien importiert, kann nicht einfach mit dem gleichen Preis zuzüglich etwas Reisekosten rechnen: Mehrwertsteuer und Einfuhrabgaben treiben die Summe deutlich nach oben. Außerdem ist Kraftstoff in den USA weiterhin vergleichsweise günstig, und Kompressoren dieser Größe sind nicht gerade sparsam. Bei extrem zurückhaltender Fahrweise auf einer längeren Strecke sind 18mpg möglich; auf der Rennstrecke kamen wir im Schnitt auf 3.6. Für Rechtslenkermärkte wird er zudem nicht produziert. Das sollte man berücksichtigen, denn selbst wenn man mit einem Linkslenker gut zurechtkommt, kann er bisweilen etwas nerven.
US-Muscle-Car auf britischen Straßen
Also das alte Rezept: kräftiges US-Muscle-Car, das sich in Großbritannien etwas unhandlich anfühlt?
Ja. Und nein. Der GT500 fühlt sich zweifellos amerikanisch an, was keineswegs ein Nachteil ist. Er wirkt außerdem ziemlich groß, ist ein Linkslenker und fühlt sich massiv an. Alles hat Gewicht und Widerstand, von der Lenkung bis zu den Bremsen. Die gewaltige Wölbung auf der Motorhaube ist nicht nur eindrucksvoll, sondern verstärkt auch den Eindruck von Masse. Bemerkenswert komfortabel ist er ebenfalls: Stellt man alles auf die komfortabelsten Modi, wird daraus ein großes Kanonenboot, das lange Distanzen problemlos bewältigt, ohne übermäßig anstrengend zu werden. Ja, die extrem laute Abgasanlage kann bei Autobahntempo dröhnen, und effizient ist er ganz unverblümt nicht. Doch wer einen solchen Wagen kauft, erwartet wohl kaum Ruhe und Sparsamkeit. Dafür sollte man lieber einen europäischen Kompaktwagen kaufen.
Auf einer schmalen Landstraße bleibt seine Breite ständig präsent, doch Unebenheiten steckt er gut weg und hält sich erstaunlich sauber unter Kontrolle. Das ist nicht bloß ein Motor, an den zufällig ein Mustang gehängt wurde: Während der Antrieb viele direkte Fragen stellt, hat dieses Fahrwerk die Antworten. Auf kleineren Straßen wird er nie ganz so verspielt sein, wie er es sein könnte, und im Track-Modus beginnt das Fahrwerk tatsächlich zu hüpfen. Doch auf einer größeren Straße und mit den passenden Einstellungen gibt es einen Sweet Spot, der diesen Import offen gesagt unglaublich macht. Anders als europäische Angebote ist er zweifellos – aber nicht schlechter.
Auf der Rennstrecke: 750bhp im GT500
Und was geschieht, wenn man ihm wirklich freien Lauf lässt?
Fairerweise lässt sich die Leistung des GT500 am besten auf einer Rennstrecke würdigen. Genau dorthin haben wir ihn nach mehreren hundert Straßenmeilen gebracht. Das verändert alles, denn die letzten 3/10ths des Gaspedals brauchen Platz. Und möglicherweise abwischbare Sitze. Das Gaspedal selbst hat einen recht langen Weg. Drückt man es aber vollständig durch, pfeift der „charger“ zunächst leise – ein Geräusch, das schnell von der angespannten, unverfälschten Oper des Auspuffs übertönt wird –, und dann stürmt der GT500 mit Nachdruck davon. Was eben noch ein lauter, aber überwiegend komfortabler Reisebus war, richtet sich plötzlich leicht auf und zieht bei 7.500rpm den Horizont durch die Windschutzscheibe nach hinten. Wer auch nur ein klein wenig Benzin-Hedonist ist, wird lachen. Danach wird man vielleicht sehr still, um sich zu konzentrieren.
Schaltet man die Traktionskontrolle aus und verhält sich idiotisch, verbrennt man lediglich die Hinterreifen, ohne wirklich voranzukommen. Geht man etwas behutsamer vor, ist dieses Auto jedoch so schnell wie ein Supersportwagen. Präzision bis zum Letzten ist nicht seine Stärke, doch hier haben eindeutig sehr talentierte Menschen am Fahrwerk gearbeitet – und das merkt man. Nicken, Wanken und Gieren bleiben vorhanden, werden aber gut kontrolliert. War das Getriebe zuvor träge, agiert es jetzt aufmerksam und schaltet knackig. Zudem gibt es an beiden Achsen bemerkenswert viel Grip. Zur Einordnung: Dieses Auto fährt vorn Reifen der Breite 305 und hinten 315 – und sie müssen enorm viel leisten. Günstig sind sie nicht. Gibt es allerdings eine ausreichend lange Gerade, zieht dieser Motor den Wagen durch Tacho und Drehzahlmesser wie ein mit Lachgas befeuerter Dampfzug. Selbst ohne Carbon Pack wären die Rundenzeiten auf jeder Strecke mit ein paar ordentlichen Geraden auf dem Niveau moderater Supersportwagen.
Klingt fantastisch – was stimmt nicht mit ihm?
Um fair zu bleiben: Der GT500 ist nie wirklich subtil. Er ist immer „an“, und das kann auf Dauer etwas anstrengend werden. Von der Lautstärke bis zum Lack bleibt man nirgends unauffällig. Natürlich weiß man das vermutlich bereits beim Kauf, aber dennoch. Auch der Innenraum wirkt stellenweise etwas billig, denn einige Kippschalter und Bedienelemente funktionieren zwar gut, fühlen sich aber ein wenig preiswert an. Die Sitze sind große, weich gepolsterte Sessel: bequem, aber mit mehr Polsterung als nötig – etwas, das das Carbon Pack verbessert. Und dass es sich um einen Linkslenker handelt, lässt sich nicht ignorieren. Für sichere und präzise Überholmanöver wäre alles vorhanden, doch um die Sichtverhältnisse sicher beurteilen zu können, muss man einen beträchtlichen Teil des Autos in die andere Spur hinausragen lassen. Das ist natürlich nicht die Schuld des Fahrzeugs.
Worauf man immer wieder zurückkommt, ist jedoch sein enormer Gegenwert auf dem US-Markt. Und die Tatsache, dass er nicht bloß eine grobe Keule ist. Man kann ihn leicht als Anachronismus abtun, doch in diesem Gesamtpaket steckt echtes Talent. Es ist die Art Auto, die uns als Kinder für Autos begeistert hat: albern, laut, spaßig. Um einen in Großbritannien zu betreiben, müsste man sehr wohlhabend sein, aber Supersportwagen sind bekanntlich ebenfalls nicht gerade genügsam, und davon fahren reichlich herum. Eine weitere Supersportwagen-Eigenschaft ist, dass man dieses Pferd für die richtige Bewegung auf eine Rennstrecke bringen muss – und dann wird es etwas kompliziert. Ein dediziertes Trackday-Auto oder ein Leichtgewicht wird ihn in Kurven unabhängig von seiner Güte aufschlitzen, und Bremsen sowie Reifen werden stark beansprucht. Ein windschnittiger Supersportwagen dürfte ihm jenseits von 140mph ebenfalls davonziehen. Es hängt aber davon ab, was man von einem Trackday erwartet. Absolute Bestzeiten vielleicht nicht. Großes Herz und Spaß in ultrahoher Auflösung? Dann passt es.
Tatsächlich ist das Einzige, was an diesem Auto absolut betrachtet wirklich nicht stimmt, dass wir ihn hier nicht zu dem Preis kaufen können, den sie in den „States zahlen. Autofans dort sehnen sich nach dem Toyota GR Yaris, daher schlagen wir eine Art Austauschprogramm vor.
Bewertung: 8/10
Technische Daten: Ford Mustang Shelby GT500
$72,900 (£52,526) ($91,400 mit Carbon Pack)
5.2-Liter-V8 mit Kompressor
750bhp, 625lb ft
3.5 Sek. auf 62mph, 180mph Höchstgeschwindigkeit
16.9mpg, 393g/km CO2
7-Gang-Automatik, Hinterradantrieb
Gewicht: 1,897kg
Bilder: Jonny Fleetwood & Rowan Horncastle
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