In nur neun Sekunden kann sich die Welt verändern … Im aktuellen Pandemie-Kontext könnte das bedrohlich klingen, doch hier ist es eine gute Nachricht: So schnell klappt das T-Roc Cabrio sein Verdeck hinter den Rücken der Insassen zusammen und eröffnet bis zu vier Personen den Blick in den Himmel. Das Schließen dauert mit 11 Sekunden zwei Sekunden länger, weil das Verdeck „nach oben“ bewegt wird; in beiden Richtungen umfasst der Vorgang auch das Ver- und Entriegeln des Stoffdachs.
Voraussetzung ist, dass der T-Roc steht oder höchstens 30 km/h fährt. Das ist weniger als bei manchen anderen Cabriolets mit Stoffverdeck, die ihre Dächer noch bei etwa 50 km/h bedienen können.
Das T-Roc Cabrio ist inzwischen das einzige Cabriolet im gesamten Volkswagen-Programm. Der seit 2003 in Puebla, Mexiko, gebaute Beetle Cabrio wurde 2019 eingestellt. Der in Portugal produzierte Eos verabschiedete sich bereits 2015, während die Fertigung des Golf Cabrio 2016 endete – nach 770 000 gebauten Fahrzeugen über vier Modellgenerationen.
Das erste SUV-Cabrio der deutschen Marke wird in Osnabrück gefertigt, und zwar im früheren Werk des Karosseriebauers Karmann. Nach dessen Insolvenz im Jahr 2010 übernahm Volkswagen die Produktionsstätte. Dort begann 1949 die Herstellung des Beetle Cabrio; 1974 folgte der Übergang zum Golf (I) Cabrio und dessen Nachfolgegenerationen.
Zuletzt war dieser auf Cabriolets spezialisierte Industriestandort nur mit der Produktion des Porsche 718 Cayman ausgelastet. Nach vergleichsweise geringen Investitionen war Osnabrück deshalb die naheliegende Wahl als Geburtsort des T-Roc Cabrio.
Vollautomatisches Öffnen in neun Sekunden
Das dreilagige Stoffverdeck legt sich bei offenem Wetter Z-förmig zusammen. Eine separate Abdeckung ist nicht erforderlich, da eine Kunststoffleiste hinter den Kopfstützen der zweiten Sitzreihe verhindert, dass sich das Verdeck durch den Fahrtwind aufbläht. Das trägt zugleich dazu bei, dass das Öffnen und Schließen so schnell gelingt.
Optional ist ein Windschott erhältlich, das hinter den Vordersitzen montiert wird und Luftverwirbelungen reduziert. Dann können die beiden Rücksitze allerdings nicht mehr genutzt werden.
Die Lehnen im Fond lassen sich umklappen, um das Kofferraumvolumen zu vergrößern. Bei geschlossenem Dach stehen 445 l zur Verfügung, bei geöffnetem Dach noch 284 l. Eine Durchladeverbindung zum Innenraum verbessert die Alltagstauglichkeit, auch wenn die Ladekante recht hoch ausfällt.
Wird das T-Roc Cabrio mit vier Personen genutzt, bietet die zweite Reihe erfreulich viel Platz. Sein Radstand ist 4 cm länger als beim normalen T-Roc, sodass dort auch Personen bis 1,80 m Körpergröße ordentlich sitzen. Die Rückenlehnen stehen zudem weniger steil als bei vielen anderen Cabriolets, bei denen dies häufig zulasten des Komforts geht. Der Mitteltunnel im Boden stört hier weniger, weil ohnehin nur zwei Sitzplätze vorhanden sind und niemand in der Mitte sitzen muss.
Auch die Sicht nach draußen profitiert davon, dass die Fondsitze 2 cm höher als die Vordersitze positioniert sind.
Wie bei dieser Karosserieform üblich, befinden sich hinter den hinteren Rückenlehnen zwei versenkbare Überrollbügel. Droht ein Überschlag, fahren sie senkrecht aus und arbeiten mit den Verstärkungen am Windschutzscheibenrahmen sowie an den vorderen Säulen zusammen, um die Unfallfolgen zu begrenzen.
Am Steuer bleibt vieles unverändert
Am Fahrerplatz fallen die Änderungen geringer aus. Positiv ist, dass der mittlere Bereich des Armaturenbretts auf den Fahrer ausgerichtet wurde und der zentrale Infotainment-Bildschirm stimmig in die Instrumententafel integriert ist. Selbst neuere Wettbewerber setzen teils auf Bildschirme, die oben auf dem Armaturenbrett oder davor stehen. Das beeinträchtigt den hochwertigen Eindruck und wirkt eher wie nachträglich montiertes Zubehör als wie ein von Beginn an integrierter Bestandteil des Fahrzeugs.
Die Materialanmutung am Armaturenbrett und an den Türverkleidungen bleibt dagegen hinter den Erwartungen zurück: Harte Kunststoffe mindern den wahrgenommenen Qualitätseindruck. Gerade im Volkswagen-Autohaus liegt ein Vergleich mit dem preislich ähnlich positionierten Golf nahe, der an Armaturenbrett und Türen deutlich hochwertigere Materialien bietet. Auch neben dem klar günstigeren Polo wirkt der T-Roc nicht besonders vorteilhaft.
In der Einstiegsvariante Style sind die Instrumente analog ausgeführt, während die besser ausgestattete R-Line ein digitales 10,2-Zoll-Instrumentendisplay erhält. Beim zentralen Infotainment-Bildschirm gibt es ebenfalls eine einfachere und eine umfangreichere, berührungsempfindliche Version mit zusätzlichen Funktionen. Die Sitze sind groß dimensioniert und bequem, könnten in der hier gefahrenen R-Line-Ausführung aber etwas mehr Seitenhalt bieten.
Nur zwei Motoren …
Für das T-Roc Cabrio stehen lediglich zwei Motoren zur Wahl: der 1.0 TSI, Dreizylinder mit 115 PS, oder der 1.5 TSI, Vierzylinder mit 150 PS. Das Testfahrzeug besitzt den stärkeren Motor in Verbindung mit einem manuellen Sechsganggetriebe.
Äußerlich ist die R-Line sofort an den abgedunkelten Scheinwerfern, dem R-Line-Logo im Kühlergrill, den vorderen Nebelscheinwerfern und den Stoßfängern in Wagenfarbe zu erkennen. Im Innenraum kennzeichnen Stahlpedale, Sportsitze mit elektrischer Lendenwirbelstützenverstellung sowie die umfangreicheren Instrumenten- und Infotainment-Bildschirme diese Version.
Fein abgestimmtes Fahrwerk des T-Roc Cabrio
Hinzu kommt ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk, das 10 mm tiefer liegt. Elektronisch geregelte Dämpfer sind verfügbar und erlauben die Wahl zwischen komfortablerem und stabilerem Fahrverhalten. Dafür stehen die Fahrmodi Comfort, Normal, Sport, Eco und Individual bereit.
Erwähnenswert ist außerdem die unabhängige Mehrlenker-Hinterachse. Im Unterschied dazu verwendet der T-Roc mit geschlossener Karosserie hinten eine einfachere Verbundlenkerachse, ausgenommen die Varianten mit Allradantrieb.
Damit ist das „Geheimnis“ des überzeugenden Fahrverhaltens gelüftet: Das T-Roc Cabrio passt sich sowohl dem Straßentyp als auch der Stimmung des Fahrers sehr gut an. Neben der variablen Dämpfung unterscheiden sich die einzelnen Fahrmodi deutlich stärker als bei vielen anderen Fahrzeugen – selbst innerhalb des Volkswagen-Konzerns –, bei denen beim Wechsel von Normal auf Sport kaum eine Veränderung wahrnehmbar ist.
Auf kurvigen Landstraßen hilft zudem die progressive Lenkung dieser Version. Sie vermittelt mehr Rückmeldung und arbeitet direkter als die Standardlenkung. Mit nur 2,1 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag statt 2,7 lassen sich nahezu alle Manöver mit vergleichsweise kleinen Armbewegungen bewältigen.
Auch die Fondpassagiere profitieren erneut: Die Mehrlenker-Hinterachse spricht auf schlechtem Asphalt komfortabler an als eine halbstarre Achse. Das hilft zugleich, Geräusche der Karosseriestruktur unter solchen Bedingungen zu reduzieren – besonders relevant, weil dem Fahrzeug das Dach „abgeschnitten“ wurde.
Obwohl das Cabrio 200 Kilogramm mehr wiegt als die geschlossene Variante, reagiert der T-Roc Cabrio 1.5 TSI noch ausreichend souverän. Dazu tragen das gut abgestufte Getriebe mit schnell und leise arbeitendem Schalthebel sowie das bereits ab 1500 U/min vollständig anliegende Drehmoment bei. Bei der Beschleunigung ist das Mehrgewicht dennoch spürbar: Von 0 auf 100 km/h benötigt er 1,1 Sekunden mehr, also 9,6s statt 8,5 s beim „Nicht-Cabrio“.
Auch beim Verbrauch macht sich das bemerkbar. Während der Fahrt lag der Wert sehr nahe bei 8 l/100 km, obwohl der homologierte Durchschnitt 5,7 beträgt.
Technische Daten
| Volkswagen T-Roc Cabrio 1.5 TSI | |
|---|---|
| Motor | |
| Bauart | 4 Zylinder in Reihe |
| Ventiltrieb | 2 obenliegende Nockenwellen/16 Ventile |
| Gemischaufbereitung | Direkteinspritzung, Turbo |
| Hubraum | 1498 cm³ |
| Leistung | 150 PS zwischen 5000-6000 U/min |
| Drehmoment | 250 Nm zwischen 1500-3500 U/min |
| Kraftübertragung | |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Getriebe | Manuell, 6 Gänge |
| Fahrwerk | |
| Aufhängung | Vorn: unabhängig, MacPherson; hinten: unabhängig, Mehrlenker |
| Bremsen | Vorn: belüftete Scheiben; hinten: Scheiben |
| Lenkung | Elektrische Servounterstützung |
| Lenkradumdrehungen | 2,1 |
| Wendekreis | 11,1 m |
| Abmessungen und Kapazitäten | |
| Länge x Breite x Höhe | 4268 mm x 1811 mm x 1522 mm |
| Radstand | 2630 mm |
| Kofferraumvolumen | 280-445 l |
| Tankvolumen | 50 l |
| Gewicht | 1524 kg |
| Räder | 225/40 R19 |
| Fahrleistungen und Verbrauch | |
| Höchstgeschwindigkeit | 205 km/h |
| 0-100 km/h | 9,6s |
| Kombinierter Verbrauch | 5,7 l/100 km |
| CO₂-Emissionen | 130 g/km |
Autoren: Joaquim Oliveira/Press Inform.
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