Modellpflege? Angesichts der Vielzahl an Premieren wirkt die Vorstellung des gründlich überarbeiteten Volkswagen Arteon eher wie die Einführung eines vollkommen neuen Modells. Im Mittelpunkt steht der bereits angekündigte, elegant gezeichnete Arteon Shooting Brake – doch das ist längst nicht alles.
Erstmals ergänzt ein Arteon R als neues Spitzenmodell die Baureihe. Ebenfalls neu ist die Plug-in-Hybridversion Arteon eHybrid.
Darüber hinaus gibt es technische, digitale und optische Neuerungen: Der Arteon erhält neue Räder und Stoßfänger, die Lichtsignatur kann nun über den Kühlergrill hinweg fortgeführt werden, und im Innenraum kommen eine neue Mittelkonsole sowie eine Ambientebeleuchtung zum Einsatz.
Volkswagen Arteon Shooting Brake
Die wichtigste Neuheit ist der neue Shooting Brake, der dem Arteon eine praktischere und zugleich weiterhin besonders stilvolle Kombi-Variante hinzufügt.
Die Unterschiede an der Karosserie fallen sofort ins Auge, vor allem am Heck. Obwohl beide Modelle gleich lang sind, ist der Arteon Shooting Brake um 19 mm höher. Die weiter horizontal verlaufende Dachlinie schafft im Fond 48 mm mehr Kopffreiheit und erleichtert zugleich den Einstieg.
Das Kofferraumvolumen bleibt dagegen nahezu unverändert: Der Shooting Brake fasst 565 l, die Limousine 563 l. Bei umgeklappten Rücksitzen steigt das Volumen jedoch auf 1632 l, gegenüber 1557 l bei der Limousine.
Volkswagen Arteon R
Mit dem Arteon Shooting Brake erscheint auch erstmals eine R-Ausführung, die für beide Karosserieformen angeboten wird. Diese Version war ursprünglich bereits 2018 angekündigt worden. Nach zahlreichen Spekulationen über den Motor unter der Haube – damals stand sogar ein neuer VR6 im Raum – entschied sich Volkswagen für eine neue Ausbaustufe des weit verbreiteten EA888 (Evo4).
Damit kommt erneut der 2,0-l-Turbo-Reihenvierzylinder zum Einsatz, der in zahlreichen Modellen des Volkswagen-Konzerns verbaut wird – vom Golf GTI über den CUPRA Ateca bis zum Audi S3. Im Arteon R erreicht er seine bislang stärkste Leistungsstufe: 320 PS zwischen 5350 und 6500 U/min, ergänzt durch üppige 420 Nm Drehmoment bei 2000 U/min. Die Kraft wird über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) an alle vier Räder übertragen.
Der Arteon R und der Arteon Shooting Brake R verfügen zudem über R Performance Torque Vectoring. Dieses System steuert die Drehmomentverteilung zwischen beiden Achsen sowie zwischen den Hinterrädern; ein einzelnes Rad kann dabei bis zu 100% des Drehmoments erhalten. Die Regelung berücksichtigt Gaspedalstellung, Lenkwinkel, Querbeschleunigung, Geschwindigkeit und die Drehgeschwindigkeit um die Hochachse (Yaw). Beim Fahrwerk gehört die adaptive Dämpferregelung DCC zur Serienausstattung des R.
Optisch heben sich die Arteon R-Modelle durch 20″-Räder, 18″-Bremsscheiben mit blauen Bremssätteln, eine um 20 mm verringerte Bodenfreiheit, spezifische Stoßfänger und eine Sportabgasanlage ab. Optional ist zudem der ausschließlich für diese Version verfügbare Farbton Lapiz Blue erhältlich.
Volkswagen Arteon eHybrid
Am anderen Ende des Spektrums steht der ebenfalls neue Plug-in-Hybrid Arteon eHybrid beziehungsweise Arteon Shooting Brake eHybrid. Neu ist zwar die Modellvariante, der Antrieb selbst ist jedoch bereits bekannt: Er wird mit dem Passat GTE geteilt, einem Modell, das bereits von Razão Automóvel getestet wurde. Mehr dazu im folgenden Beitrag:
Wie im Passat GTE kombiniert das Arteon-eHybrid-Duo einen 1,4-TSI-Verbrennungsmotor mit 156 PS mit einem Elektromotor mit 115 PS. Zusammen beträgt die Systemleistung 218 PS. Die elektrische Energie liefert eine Lithium-Ionen-Batterie mit 13 kWh, die eine rein elektrische Reichweite von bis zu 54 km ermöglichen soll.
Vom Passat GTE übernimmt der Arteon eHybrid außerdem das Sechsgang-DSG; der Antrieb erfolgt weiterhin ausschließlich über die Vorderräder. Auch die Fahrmodi werden übernommen, darunter der sportlichere GTE-Modus.
Weitere technische Neuerungen
Die Veränderungen unter der Motorhaube beschränken sich nicht auf R und eHybrid. Der Arteon führt außerdem eine neue Variante des 2,0 TSI ein, die nach dem sogenannten B-Zyklus arbeitet. Dieser nach seinem Erfinder Budack benannte Verbrennungszyklus ist eine Variante beziehungsweise Weiterentwicklung der bekannteren Atkinson- und Miller-Zyklen.
Das Ziel besteht darin, die Effizienz der Verbrennung zu steigern. Volkswagen spricht von einer um 10% höheren Effizienz, was geringeren Verbrauch und niedrigere Emissionen ermöglichen soll – allerdings zulasten der spezifischen Leistung. Wie das funktioniert, erläutert unser ausführlicherer Artikel zur Vorstellung dieser Technik durch den Volkswagen-Konzern vor drei Jahren:
Die höhere Effizienz zeigt sich auch am angekündigten Verdichtungsverhältnis von 12,2:1. Für einen Turbomotor ist das ein hoher Wert, denn moderne Turboaggregate liegen üblicherweise bei 10:1. Der Motor leistet 190 PS und liefert zwischen 1500 U/min und 4100 U/min 320 Nm.
Der Arteon erhält außerdem die jüngste Evolutionsstufe des 2,0 TDI, die bereits im neuen Golf debütierte. Sie ist mit 150 PS und 200 PS erhältlich, jeweils in Verbindung mit einem Siebengang-DSG. Angeboten werden Versionen mit Frontantrieb in beiden Leistungsstufen sowie eine Allradversion mit 200 PS.
Die entscheidende Neuerung ist wie beim Golf ein zusätzlicher SCR-Katalysator zur selektiven katalytischen Reduktion. Er sitzt näher am Motor und erreicht dadurch schneller seine optimale Betriebstemperatur. Das Ergebnis: bis zu 80% weniger der schädlichen NOx-Emissionen (Stickoxide).
Abgerundet wird das Motorenangebot durch den 1,5 TSI mit 150 PS nach Miller-Zyklus sowie den 2,0 TSI mit 280 PS, der ausschließlich mit Allradantrieb angeboten wird.
Und was noch?
Der überarbeitete Arteon und der neue Arteon Shooting Brake legen auch bei der Technik nach. Besonders hervorzuheben ist der Ausbau der Fahrerassistenzsysteme: Dank Travel Assist, das bereits in anderen Modellen der Marke und des Konzerns eingeführt wurde, ermöglicht der Arteon nun teilautomatisiertes Fahren auf Stufe 2.
Zusätzlich erhält der Arteon das aktuelle MIB3-System. Das digitale Kombiinstrument gehört künftig zur Serienausstattung, ein neues Multifunktionslenkrad zieht ein, und selbst die Klimasteuerung wird digital bedient – mit einer Funktionsweise ähnlich der Lösung im Golf 8.
Auch bei der Vernetzung gibt es Neuerungen: We Connect und We Connect Plus sind nun verfügbar. Zu ihren Funktionen zählen Echtzeitnavigation und die Steuerung verschiedener Fahrzeugfunktionen per Smartphone. Dieses kann sogar als mobiler Fahrzeugschlüssel dienen, allerdings nur bei einigen Samsung-Modellen.
Die Baureihe
Mit der Überarbeitung wurde auch das Arteon-Angebot neu gegliedert. Das Basis-Modell ist in zwei gleichwertigen, jedoch unterschiedlich ausgerichteten Varianten erhältlich: Elegance für einen hochwertigeren Auftritt und R Line mit sportlicherer Optik. An der Spitze stehen der Arteon R und der Arteon Shooting Brake R.
Die Modelle sollen noch in diesem Jahr, im November, auf den Markt kommen. Preise für den überarbeiteten Arteon und den neuen Arteon Shooting Brake wurden allerdings noch nicht genannt.
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