Falls sich die europäischen Vorschriften nicht ändern, könnten V8-Motoren bald der Vergangenheit angehören. Mercedes-AMG scheint jedoch nicht bereit zu sein, auf das charakteristische Sinneserlebnis zu verzichten, das sie auszeichnet. Für das neue elektrische Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé hat die Marke deshalb eine ebenso technologische wie ungewöhnliche Lösung entwickelt: ein haptisches System mit einem Vibrationsaktor, der mit der Beschleunigung, simulierten Gangwechseln und künstlichem Motorsound zusammenspielt.
AMGFORCE S+: V8-Erlebnis im Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé
Die Funktion ist Teil des neuen Fahrmodus „AMGFORCE S+“, der eigens geschaffen wurde, um das Fahrerlebnis eines klassischen AMG V8 nachzubilden. Nach Angaben des deutschen Herstellers liefert das System ein „extrem authentisches V8-Klangerlebnis“, ergänzt durch ein „immersives haptisches Erlebnis“.
Die Aktoren erzeugen niederfrequente Vibrationen, die mit dem Fahrverhalten des Fahrzeugs abgestimmt werden. Gemeinsam mit dem künstlichen Sound und den simulierten Schaltvorgängen entsteht eine mechanische Illusion, die deutlich überzeugender wirkt als das, was bislang bei den meisten Elektroautos zu erleben war.
Beim Beschleunigen, Herunterschalten und bei simulierten Gangwechseln vibriert das Fahrzeug tatsächlich. Es geht also nicht nur darum, einen künstlichen V8 über die Lautsprecher zu hören, sondern ihn auch zu spüren. Wie weit AMG diesen Ansatz verfolgt, zeigt Launch Control: Wird die Funktion aktiviert, ziehen sich die Sicherheitsgurte automatisch straffer, die Ambientebeleuchtung wechselt, das Soundsystem schaltet in einen speziellen Modus und das Fahrzeug „beginnt spürbar zu vibrieren“, heißt es in der offiziellen Mitteilung der Marke.
Mehr als 1600 Sounddateien
Besonders bemerkenswert ist, dass Mercedes-AMG nicht einfach einen herkömmlichen Soundgenerator verbaut hat. Das System greift auf mehr als 1600 Audiodateien zurück, die in Echtzeit verarbeitet werden, um unterschiedliche Fahrsituationen nachzustellen.
Laut Hersteller wird jedes Klangelement in kurze granulare Zyklen aufgeteilt. Diese werden abhängig von Geschwindigkeit, Gaspedalstellung, Batterieladestand, Querbeschleunigung und der Nutzung der Schaltwippen am Lenkrad dynamisch gemischt.
V8-Basis aus dem AMG GT R
Als akustische Grundlage dient AMG der Klang des AMG GT R mit Biturbo-V8. Darauf aufbauend simuliert das System Leerlauf, Gangwechsel, Zwischenspurts beim Herunterschalten sowie kurze Drehmomentunterbrechungen, um das Schaltgefühl eines herkömmlichen AMG SPEEDSHIFT-Getriebes nachzuahmen.
Hyundai hatte mit dem Hyundai IONIQ 5 N bereits einen ähnlichen Weg eingeschlagen und simuliert sowohl Gangwechsel als auch Verbrennerklang. AMG scheint jedoch noch einen Schritt weitergehen zu wollen, indem das gesamte physische und sensorische Erlebnis direkt in das Fahrwerk des Autos eingebunden wird.
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