Der Honda HR-V ist für die japanische Marke in Märkten wie Nordamerika und China weiterhin ein sehr erfolgreiches Modell – in Europa gilt das jedoch nicht.
Auf dem europäischen Markt verlief die Karriere des HR-V bislang eher … unauffällig. Der „alte Kontinent“ zählt üblicherweise zu den am schwierigsten zu erobernden Märkten. Und in einem so stark besetzten Segment wie den B-SUV – mit rund zwei Dutzend Modellen zur Auswahl – geraten leicht Angebote in Vergessenheit, die durchaus ebenso überzeugend sein können wie erfolgreichere Rivalen.
Wird der Honda HR-V von den Europäern – und insbesondere von den Portugiesen – also zu Unrecht übersehen? Zeit, das herauszufinden.
Wenig Sex Appeal, aber ausgesprochen praktisch
Erst im vergangenen Jahr kam der überarbeitete HR-V nach Portugal. Äußerlich und im Innenraum wurde er aufgefrischt, unter anderem mit neuen Vordersitzen und Materialien. Im Mittelpunkt stand allerdings die Einführung des HR-V Sport mit dem 182 PS starken 1.5 Turbo, der beim Test im Civic sehr positiv in Erinnerung blieb. Getestet wird hier jedoch nicht diese Variante, sondern der HR-V 1.5 i-VTEC mit Saugmotor in der Executive-Ausstattung, einer der umfangreichsten Versionen.
Persönlich wirkt er auf mich nicht besonders attraktiv. Es scheint, als hätten die Honda-Designer zwischen einem mutigen Auftritt und einem Design, das „es allen recht machen“ soll, geschwankt – dem Gesamtbild fehlt etwas Entschlossenheit. Was ihm an Sex Appeal abgeht, gleicht er allerdings mehr als deutlich mit seinen praktischen Qualitäten aus.
Da er auf derselben technischen Basis wie der kleinere Jazz aufbaut, profitiert er von dessen hervorragendem Packaging. Das sorgt für sehr großzügige Platzverhältnisse – er gehört zu den geräumigsten Modellen seiner Klasse und könnte manchen kompakten Familienwagen aus dem nächsthöheren Segment neidisch machen – sowie für eine hohe Vielseitigkeit.
Besonders hervorzuheben sind die 470 l Kofferraumvolumen, wenn der Stauraum unter dem herausnehmbaren Boden mitgerechnet wird, sowie die Flexibilität der von Honda so genannten „Magic Seats“. Verschiebbare Rücksitze wie etwa beim Klassenprimus Renault Captur gibt es zwar nicht, doch das Hochklappen der Sitzflächen in Richtung Rückenlehne eröffnet zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten.
Honda HR-V: Schwächen in der ersten Reihe
Während Rückbank und Kofferraum zu den stärksten Verkaufsargumenten des HR-V zählen, lässt seine Wettbewerbsfähigkeit in der ersten Reihe teilweise nach. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die Bedienung, insbesondere beim Infotainmentsystem und bei der Klimasteuerung.
Warum? Wo physische Drehregler oder Tasten sitzen sollten, befinden sich haptische Bedienelemente. Sie sorgen bei der Nutzung für einige Frustration und beeinträchtigen die Bedienfreundlichkeit. Auch das Infotainmentsystem bleibt hinter vielen Konkurrenten zurück: sowohl wegen seiner etwas überholt wirkenden Grafik – die bereits bei Markteinführung nicht mehr ganz frisch war – als auch wegen einer Bedienung, die intuitiver sein könnte.
Diese Kritikpunkte betreffen mehrere Honda-Modelle, doch die japanische Marke hat bereits Maßnahmen zur Verbesserung ergriffen. Physische Tasten kehren zurück, wie das Facelift des Civic und die neue Jazz-Generation zeigen, die zudem ein neues Infotainmentsystem erhielt. Umso unverständlicher ist, weshalb der HR-V erst kürzlich überarbeitet wurde, ohne von vergleichbaren Entwicklungen zu profitieren.
Trotz dieser weniger gelungenen Aspekte punktet der Innenraum des Honda HR-V mit einer überdurchschnittlichen Verarbeitungsqualität. Die meisten verwendeten Materialien sind hart und nicht immer besonders angenehm anzufassen – ausgenommen die diversen lederbezogenen Elemente.
Am Steuer
Es dauerte eine Weile, bis ich trotz der großzügigen Verstellbereiche von Lenkrad und Sitz eine angenehme Sitzposition gefunden hatte, doch letztlich gelang es. Das Lenkrad überzeugt mit hoher Qualität – passender Durchmesser, richtige Kranzdicke und angenehm anzufassendes Leder. Der Sitz ist zwar ausreichend bequem, bietet jedoch weder genügend Seitenhalt noch ausreichende Unterstützung für die Oberschenkel.
Die gesamte Fahrwerksabstimmung des Honda HR-V ist klar auf Komfort ausgerichtet. Das zeigt sich in einer gewissen allgemeinen Sanftheit der Bedienelemente, die dennoch präzise bleiben, ebenso wie im Ansprechverhalten der Federung.
Vermutlich werden Unebenheiten deshalb größtenteils souverän absorbiert, was zum guten Reisekomfort beiträgt. Die Kehrseite dieser „Weichheit“ ist eine Karosserie, die sich etwas bewegt, ohne dabei jemals übermäßig unruhig oder unkontrolliert zu wirken.
Wer in diesem Segment ein dynamisch ausgefeilteres Fahrzeug sucht, hat andere Alternativen: Ford Puma, SEAT Arona oder Mazda CX-3 erfüllen diese Erwartungen besser. Der HR-V zeigte seine stärkeren dynamischen Eigenschaften dagegen als komfortabler Langstreckenwagen. Seine Stabilität überzeugt selbst bei hohen Geschwindigkeiten – allerdings sind die Windgeräusche deutlich wahrnehmbar, während die Abrollgeräusche besser gedämmt werden.
Für den Honda HR-V spricht das ausgezeichnete manuelle Getriebe – eines der besten, wenn nicht das beste im Segment. Seine mechanische, geschmeidige Schaltbarkeit macht es zu einer Freude: Warum gibt es nicht mehr Getriebe dieser Art? Lediglich die lange Übersetzung ist ein Kritikpunkt – wenn auch nicht so lang wie bei einem anderen SUV aus dem nächsthöheren Segment, dem CX-30. Sie hilft jedoch dabei, den Verbrauch auf einem akzeptablen Niveau zu halten.
Apropos Verbrauch …
… die lange Getriebeübersetzung scheint ihren Zweck zu erfüllen. Der 1.5 i-VTEC mit Saugmotor erwies sich als mäßig durstig: Bei 90 km/h lag der Verbrauch knapp über fünf Litern bei 5,1-5,2 l/100 km, bei Autobahntempo stieg er auf etwa 7,0-7,2 l/100 km. Auf städtischen und vorstädtischen Fahrten blieb er bei 7,5 l/100 km – ein durchaus vernünftiger Wert, auch angesichts der Fahrweise, die dieser Motor verlangt.
Man ist „gezwungen“, das lange Getriebe häufiger zu nutzen als erwartet und den Motor stärker auszudrehen als einen vergleichbaren Turbomotor, denn die 155 Nm stehen erst bei hohen 4600 U/min bereit. Wäre das Fahrerlebnis angenehmer, würde ich ihm dies weniger ankreiden.
Allerdings wird der 1.5 i-VTEC bei höherer Last recht laut und zeigte sich beim Hochdrehen etwas behäbig. Trotz eines Drehzahllimits nahe 7000 U/min schien es nach 5000 U/min kaum noch sinnvoll, weiter auszudrehen.
Ein Teil der Ursache dürfte in der Laufleistung von weniger als 400 km liegen, da der Motor noch etwas „fest“ wirkte. Nach einigen weiteren tausend Kilometern könnte er lebhafter ansprechen, doch ein grundlegend anderer Charakter wäre nicht zu erwarten. In diesem Fall scheint der 1.0 Turbo aus dem Civic klar besser zum HR-V und zu seinem vorgesehenen Einsatzbereich zu passen.
Ist der Honda HR-V das richtige Auto für mich?
So ungerecht das geringe Interesse des Marktes am Honda HR-V auch sein mag: Mit diesem 1.5-Motor ist er schwer zu empfehlen, wenn Konkurrenten deutlich angenehmere und elastischere Motoren anbieten, die besser zu seinem Einsatzzweck passen.
Heute ist der 1.5 i-VTEC der „einzige“ in Portugal verfügbare Motor für den HR-V. Der 1.6 i-DTEC wird nicht mehr angeboten, während der hervorragende 1.5 Turbo mit einem … „sozialen Abstand“ von 5000 Euro preislich zu weit entfernt liegt, um ernsthaft als Alternative infrage zu kommen.
Noch schwerer nachvollziehbar ist, dass Honda seit mehreren Jahren einen hochgeschätzten 1.0 Turbo im Programm hat, der zu diesem Modell „wie angegossen passen“ würde – hätte er nicht auch für den HR-V angeboten werden sollen?
Meiner Ansicht nach ja … Ebenso hätte ich beim Facelift eine umfassendere Überarbeitung des Innenraums erwartet, die die Bedienbarkeit verbessert. All das beeinträchtigt die Gesamtbewertung dieses Modells. Schade, denn der Honda HR-V gehört zu den B-SUV, die sich besonders gut für Familien eignen – nicht zuletzt, weil er von allen am ehesten den Charakter eines … MPV vermittelt. Er bietet hervorragende Platzverhältnisse, guten Zugang und viel Flexibilität.
Dieses Segment ist heute eines der umkämpftesten, und niemand kann es sich leisten, nachlässig zu werden. Die zweite Generation der „Schwergewichte“ Renault Captur und Peugeot 2008 hat die Messlatte in dieser Klasse angehoben und Modellen wie dem HR-V Argumente genommen. Denn auch sie bieten inzwischen konkurrenzfähigere Innenraummaße und verbinden diese mit ihren bereits vorhandenen Stärken bei den Motorisierungen oder sogar beim … Sex Appeal.
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