Weltweit gab es bislang zwei Marken, die Boxer-Motoren produzierten: Porsche in Deutschland und Subaru in Japan. Jetzt kommt mit BYD aus China eine dritte Marke hinzu.
Ein in China gebauter Porsche 911 ist deshalb allerdings ebenso wenig zu erwarten wie ein Rallyeauto. Der neue BYD-Motor verfolgt einen völlig anderen Zweck und bringt einige interessante technische Lösungen mit.
Der Motor steckt gewissermaßen verborgen im Vorderwagen des YangWang U7, eines neuen Modells der Luxusdivision des chinesischen Herstellers. Ungewöhnlich dabei: Er ist mit keinem der Räder verbunden.
Eine exotische Antriebstechnik
Die fortschreitende Elektrifizierung sorgt dafür, dass einige seltenere Motorkonzepte wieder auftauchen. Diese Aggregate dienen ausschließlich als Generatoren, haben keinen Antrieb zu den Rädern und wurden nur entwickelt, um Batterien und Elektromotoren mit Strom zu versorgen.
Mazda ging bereits diesen Weg und belebte den Wankelmotor als Reichweitenverlängerer für den MX-30 wieder. Nun folgt BYD mit diesem neuen Motor mit gegenüberliegenden Zylindern.
Nach Angaben von BYD nahm seine Entwicklung drei Jahre in Anspruch. Doch weshalb dieser Aufwand, wenn der Hersteller bereits weitere Verbrennungsmotoren im Programm hat? Das erklären wir in den folgenden Absätzen.
Ein extrem flacher BYD-Boxer-Motor
BYD wählte die weniger naheliegende Lösung und entwickelte aus Platzmangel einen Vierzylinder-Boxermotor. Das betreffende Aggregat verfügt über 2,0 l Hubraum, Turboaufladung, 240 PS sowie 380 Nm und wurde gezielt für den horizontalen Einbau konstruiert.
Für die Plug-in-Hybridversion (PHEV) des YangWang U7 benötigte die chinesische Marke einen Motor, der kompakt genug und zugleich ausreichend leistungsstark ist. Nur so ließ sich die Silhouette des Modells und der Luftwiderstandsbeiwert (C_d) von 0,195 beibehalten.
Um noch weniger Bauraum zu beanspruchen, verzichtet dieser BYD-Motor auf eine herkömmliche Ölwanne. Stattdessen besitzt er eine Trockensumpfschmierung und zwei Ölpumpen – doppelt so viele wie üblich –, damit der Betrieb auch unter extremen Bedingungen gewährleistet bleibt.
Mit extremen Bedingungen ist ein Dauertest über 8000 Stunden bei maximaler Drehzahl gemeint – vergleichbar mit 333 Tagen ununterbrochenem Betrieb unter Volllast. Laut BYD hat der neue Motor diesen Test mit Bravour bestanden.
Der erste chinesische Boxer-Motor
BYD bezeichnet ihn als ersten Vierzylinder-Boxermotor, der in einem chinesischen Automobil zum Einsatz kommt. Vorerst ist er ausschließlich für die Plug-in-Hybridversion des YangWang U7 erhältlich.
Diese Limousine beeindruckt mit ihren Kennzahlen. Zusätzlich zu diesem Vierzylinder-Reichweitenverlängerer verfügt sie über vier Elektromotoren, einen pro Rad, die zusammen 1305 PS und ein maximales Drehmoment von 1680 Nm liefern.
Diese Werte wirken umso bemerkenswerter, wenn man das Gesamtgewicht der Limousine berücksichtigt: 3223 kg. Dennoch absolviert sie den Sprint von 0–100 km/h in nur 2,9 Sekunden und erreicht 270 km/h.
Was kostet der YangWang U7?
In China wird der YangWang U7 ab 628.000 Yuan angeboten, was etwa 86.000 Euro entspricht, und zwar als Fünfsitzer. Die luxuriösere Variante mit vier Sitzen kostet 708.000 Yuan, ungefähr 97.500 Euro.
Bestellt werden kann er sowohl als vollelektrische Version – mit denselben Leistungs- und Fahrwerten – als auch als bereits erwähnte PHEV-Ausführung, bei der der Boxer-Motor die Funktion des Reichweitenverlängerers übernimmt.
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