Zum Inhalt springen

Aston Martin DBX: Der SUV zwischen Lamborghini und Bentley

Grüner Aston Martin DBX-900 SUV in modernem Showroom mit Marmorboden und beleuchtetem Logo an der Wand.

Daniel Craig wird im 25. Teil der James-Bond-Reihe, Keine Zeit zu sterben, definitiv nicht im Aston Martin DBX über die Kinoleinwand rasen.

Fans der exklusiven britischen Marke können sich dennoch freuen: 007 steuert gleich vier Aston-Martin-Modelle, um seinen Gegnern zu entkommen – den klassischen DB5, den V8 Vantage, den neuen DBS Superleggera und den Valhalla.

Für die Bewältigung von Schnee, Schlamm und Gebirgsstrecken in den epischen Verfolgungsjagden des berühmtesten Geheimagenten der Welt dürfte allerdings der ebenfalls sicher auftretende neue Defender besser geeignet sein als ein vergleichsweise zurückhaltender SUV.

Dabei verfügt der DBX durchaus über einen gewaltigen V8 mit 550 PS, Allradantrieb, Torque Vectoring, elektronische Wankstabilisatoren und eine Dreikammer-Luftfederung, die die Bodenfreiheit um 4,5 cm anheben kann.

Der Aston Martin DBX im Überblick

Der DBX bringt überzeugende Voraussetzungen mit, zum meistverkauften und profitabelsten Modell in der 107-jährigen Geschichte von Aston Martin zu werden.

Er erscheint für Aston Martin zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Seit dem Börsengang 2018 schrieb das Unternehmen zwei Jahre lang Verluste. Die ohnehin wenig vorteilhafte Lage, nachdem die Gewinne in den vorangegangenen Jahrzehnten fast durchweg gering gewesen waren, verschärfte sich deutlich. Im ersten Halbjahr dieses Jahres belief sich der Verlust auf 200 Millionen Euro.

Deshalb mussten neue Investoren gefunden werden. Der kanadische Multimilliardär Lawrence Stroll brachte Kapital in die britische Marke ein und veranlasste den Abgang des bisherigen CEO Andy Palmer, der am 1. August durch Tobias Moers ersetzt wurde.

Der Deutsche leitete zuvor AMG, wo er sowohl die Verkaufszahlen als auch die Finanzergebnisse der Performance-Sparte von Mercedes-Benz exponentiell steigern konnte. Zudem bestanden bereits direkte Verbindungen zu Aston Martin: AMG liefert den 4,0-V8, der im DBX sowie in Vantage und DB11 eingesetzt wird, außerdem diverse Elektronikkomponenten und sogar Know-how bei der Fahrzeugmontage.

Erster SUV in 107 Jahren

Die Neuausrichtung war bereits angelaufen, und der erste SUV in 107 Jahren Aston Martin galt als Schlüssel zur Finanzierung der britischen Marke. Sein weltweites Absatzpotenzial ist deutlich höher als das jedes zuvor gebauten Aston Martin – es ist das erste Modell der Marke mit fünf Sitzen und einem weltweit attraktiven Konzept. Hinzu kommt die hohe Gewinnspanne im SUV-Segment.

Daher entstand in Wales ein vollständig neues Werk, während für den Aston Martin DBX eine eigene Plattform entwickelt wurde. In den kommenden Jahren sind weitere Varianten geplant, darunter eine Version mit drei Sitzreihen, die nordamerikanische und chinesische Kunden noch stärker ansprechen soll, sowie eine Ausführung mit stärker abgeschnittenem Heck – ähnlich wie bei Porsche Cayenne Coupé, BMW X6 oder Mercedes GLE Coupé.

Die Pandemie verschärfte jedoch die finanzielle Situation, sodass es tatsächlich zum Führungswechsel kam.

Ein SUV dieses Kalibers zu entwickeln, bedeutet weit mehr, als lediglich die Bodenfreiheit anzuheben. Diese liegt hier bei 19 cm und lässt sich in fünf Stufen um bis zu 9,5 cm verändern. Notwendig war eine völlig neue Grundarchitektur, in der unterschiedliche Aluminiumarten dominieren.

Zwischen Lamborghini und Bentley

Der Aston Martin DBX ist folglich weder ein Lamborghini Urus noch ein Bentley Bentayga, sondern nimmt eine Position zwischen beiden ein: zwischen extremer Aggressivität auf der einen und einem Meer an Komfort auf der anderen Seite.

Er verbindet das Gran-Turismo-Fahrerlebnis des DB11 mit sportlicheren Akzenten des Vantage, bisher unbekannter Geräumigkeit und Funktionalität sowie Fähigkeiten abseits befestigter Straßen.

Diese Kombination aus DB11 und Vantage zeigt sich sofort im Außendesign des riesigen SUV. Seine Proportionen – die sehr lange, weit nach hinten reichende Motorhaube und das hochgezogene Heck – werden geschickt kaschiert. Mit 5,04 m Länge ist er 4 cm länger als ein Range Rover, und sein Radstand von mehr als drei Metern ist der größte in dieser Klasse.

Selbstverständlich ist der Aston Martin DBX jedoch 19 cm niedriger als der Range Rover und 5 cm niedriger als der Bentayga, denn sein Fahrverhalten soll auch Rennstrecken gerecht werden.

In der Praxis wird weder der Offroad-Einsatz, für den er tatsächlich gerüstet ist – mit Allradantrieb, anhebbarer Luftfederung und großer Bodenfreiheit –, noch der Einsatz auf der Rennstrecke häufig vorkommen. Dort helfen die elektronischen Wankstabilisatoren, die Karosserieneigung eines 2,5 t schweren und fast 1,70 m hohen Fahrzeugs zu kontrollieren, während sich die Federung um 15 mm absenken lässt. Doch all das dürfte nur eine verschwindend kleine Minderheit der Käufer nutzen.

Weitere Karosserie-Merkmale sind das Fehlen auffälliger Aerodynamikanbauten – am deutlichsten sichtbar sind der kleine Spoiler und der Deflektor an der Heckklappe. Gemeinsam mit dem unteren Diffusor leiten sie Luft unter dem Fahrzeug ab und erhöhen die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Hinzu kommen rahmenlose Seitentüren, die zwar vergleichsweise klein sind, aber weit öffnen.

Alles musste bei null beginnen – das Projekt startete 2015 –, weil Aston Martin zuvor nie einen SUV gebaut hatte. Deshalb ist Beckers Aussage nachvollziehbar: „Dies war das schwierigste Auto, das ich in meinem Leben entwickelt habe.“

Weniger Fragezeichen im Innenraum

Im Interieur gab es deutlich weniger Unbekannte, denn ein Aston Martin bleibt ein Aston Martin, selbst wenn er „auf Zehenspitzen“ unterwegs ist.

Verchromte Flächen, Holz – mit Kunstfasern kombiniert, um eine stoffartige Optik zu erzeugen –, Alcantara und die solide Anmutung sowie hohe Materialqualität überraschen nicht. Der DBX ist das erste Auto weltweit, dessen Panoramadachhimmel mit diesem Material bezogen ist.

In einem Punkt folgt der Aston Martin DBX allerdings nicht den neuesten Trends: Einerseits setzt er großzügig auf echtes Leder – sogar die Lautsprecherabdeckungen sind damit verkleidet –, andererseits gibt es zwischen Mittelkonsole und mittlerem Armaturenbrettbereich viele Tasten. Im oberen Bereich befinden sich die Bedienelemente für das Automatikgetriebe mit neun Gängen, das ebenfalls von Mercedes stammt.

Im Vergleich mit den Coupés der englischen Marke ist die allgemeine Qualität der Innenraumverkleidungen spürbar gestiegen. Auch die Software arbeitet schneller und wirkt optisch moderner.

Großer Kofferraum, schmaler Innenraum

Kleinere Fahrer sollten näher am Lenkrad sitzen. Der weit rechts platzierte Drive-Knopf eignet sich gut für Fahrzeuge mit rechts angeordnetem Lenkrad – beinahe so, als hätten die britischen Ingenieure nicht sechs Monate damit verbracht, die Sitzposition abzustimmen.

Der 10,25-Zoll-Infotainmentbildschirm ist gut in das Armaturenbrett integriert. Er ist nicht berührungsempfindlich, damit keine unschönen Fingerabdrücke zurückbleiben. Das 12-Zoll-Digitalinstrumentarium kann praktisch jede denkbare Information darstellen und ist natürlich konfigurierbar. Zwischen den Sitzen befindet sich eine Brücke, unter der sich Gegenstände verstauen lassen, sowie ein Joystick, der seit Langem aus Mercedes-Benz-Modellen bekannt ist: Die Hardware ist identisch, die Software wurde britisch eingebürgert.

Das Kofferraumvolumen beträgt 632 l. Damit wird der DBX in diesem Segment nur vom Porsche Cayenne übertroffen und liegt vor großen Konkurrenten wie Bentley Bentayga mit 484 l und Range Rover Sport mit 489 l.

Die Beinfreiheit im Fond ist sehr großzügig. Gleichzeitig wird deutlich, dass der DBX eher für die Nutzung zu zweit konzipiert wurde, denn die Breite reicht nicht aus, damit drei Personen in der zweiten Reihe komfortabel reisen können.

Aus all diesen Gründen – einschließlich des größten Radstands in dieser Klasse – wurde die Karosseriesteifigkeit maximal erhöht. Dazu trägt die Aufhängung mit doppelten Dreieckslenkern vorn und einer Mehrlenkerachse hinten aus gegossenem Aluminium bei.

Trotz Leichtmetall bringt der Aston Martin DBX 2245 kg auf die Waage. Die Gewichtsverteilung ist mit 53 % vorn und 47 % hinten ausgewogen. Möglich wurde dies auch, weil der Motor so weit wie möglich hinten, nahezu über der Vorderachse, montiert wurde.

Dieser SUV fährt die meiste Zeit mit Hinterradantrieb und schaltet bei geringerem Grip auf Allradantrieb um. Dabei können bis zu 47 % des Drehmoments an die Vorderräder geleitet werden. Gesteuert wird dies über drei Differenziale und das bereits erwähnte Automatikgetriebe mit deutschem Akzent. Es erfüllt seine Aufgabe, arbeitet jedoch weniger sanft und schnell als die Achtgangautomatik der übrigen Aston-Martin-Modelle.

Natürliches, aber stabiles Fahrverhalten

Schon nach den ersten hundert Metern wird klar, dass man im Aston Martin DBX tiefer sitzt, als es bei einem SUV dieses Segments üblich ist. Zusammen mit der relativ hohen Fensterlinie vermittelt das eher das Gefühl eines Crossovers oder eines hochgelegten GT als eines klassischen SUV.

Das passt hervorragend zu den weiteren dynamischen Eigenschaften: Die Lenkung reagiert schnell, präzise und kommunikativ, während die Karosseriebewegungen sehr wirkungsvoll kontrolliert werden. Fast vergisst man, dass man im Vergleich mit einem DB11 beispielsweise etwa 20 bis 30 cm höher sitzt.

Die stärksten elektronischen Wankstabilisatoren auf dem Markt – sie können innerhalb von 0,2 Sekunden 1400 Nm nach vorn oder hinten übertragen – erklären dieses überzeugende Ergebnis. Mit einem mechanischen System wäre dies zumindest nicht bei gleichem Komfort erreichbar.

Ein gewisses Maß an Wankbewegung bleibt dennoch vorhanden, und das ist beabsichtigt, wie Becker bestätigt: „Ein übermäßiger Stabilisierungseffekt würde ein künstliches Fahrgefühl erzeugen, das wir vermeiden wollten.“

Näher oder weiter weg vom Boden?

Auch die Fähigkeit, Unebenheiten im Asphalt zu absorbieren, gehört zu den Stärken. Bei niedrigen Geschwindigkeiten verursacht die Kombination aus Aluminiumfahrwerk und Luftfedern allerdings mehr Geräusche als erwartet.

Die verschiedenen Fahrmodi bereiten den DBX anschließend auf den jeweiligen Untergrund vor: GT ist der normale und, wie bereits beschrieben, sehr ausgewogene Modus. Es folgen Sport mit um 15 mm abgesenkter Federung, Sport Plus mit -30 mm, Terrain mit +15 mm, Terrain Plus mit +45 mm sowie Individual.

Zum Beladen schwererer Gegenstände – der Kofferraumboden liegt 80 cm über dem Boden – oder um Menschen mit eingeschränkter Mobilität das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, kann die Federung bei stehendem Fahrzeug um 5 cm abgesenkt werden. Dies gilt, obwohl die Türschweller bereits möglichst niedrig ausgeführt sind.

Im 4×4-Teil dieser Fahrerfahrung mit dem Aston Martin DBX bestätigte sich das Erwartete: Elektronische Hilfen wie die Bergabfahrhilfe und Torque Vectoring, der Allradantrieb, die verschiedenen Differenziale, das hohe Drehmoment von 700 Nm, die größere Bodenfreiheit sowie die Möglichkeit, die 48-Volt-Wankstabilisatoren auszukoppeln, um eine stärkere Achsverschränkung zu ermöglichen, helfen dem DBX über zahlreiche Hindernisse. Solchen Herausforderungen werden Käufer, die mehr als 200.000 Euro für ein Auto ausgeben, allerdings kaum freiwillig begegnen wollen.

Dazu gehört Wasser: Die Wattiefe beträgt 50 cm. Möglich wird sie auch durch ein Entlüftungsrohr am elektronischen Hinterachsdifferenzial. Das kann etwa wichtig sein, wenn der SUV zum Einsetzen oder Herausziehen eines Boots ein Stück ins Wasser fahren muss und dabei seine Anhängelast von bis zu 2,7 t nutzt.

Stark modifizierter AMG-V8-Motor

Aktuell steht für den DBX nur der erwähnte 4,0-l-V8 von AMG zur Verfügung. Er kommt ohne jede Form der Hybridisierung aus, die er auch nicht durch die Abschaltung der Hälfte seiner Zylinder bei geringer oder fehlender Gaspedallast kompensieren kann. Der Motor erhält einen Partikelfilter und wurde akustisch so abgestimmt, dass er weniger bedrohlich klingt als in anderen Anwendungen, aber weiterhin kraftvoll und ausdrucksstark bleibt.

Verändert wurden die Turbolader, die elektronische Steuerung, das Verdichtungsverhältnis und sogar die Zündreihenfolge der einzelnen Zylinder. Das verleiht ihm nachvollziehbar einen eigenen Charakter – sowohl bei der Leistungsentfaltung als auch beim Klang. Der Fahrer kann zudem selbst entscheiden, wie viel Aufsehen er erzeugen möchte: Im GT-Fahrmodus bleiben die Auspuffklappen geschlossen, in Sport Plus öffnen sie sich. Gleichzeitig steigt die Leerlaufdrehzahl von 650 U/min auf 800 U/min.

Der Name Aston Martin steht unmittelbar für berauschende Eindrücke und außergewöhnliche Fahrleistungen. Trotz seines Gewichts von fast 2,3 t erreicht der DBX 100 km/h in nur 4,5s und fährt anschließend bis 290 km/h weiter. Und obwohl die Zahlen eine gewisse Hysterie vermuten lassen, geschieht alles mit jener gentlemanhaften Souveränität, die man vom Auto von James Bond erwarten würde.

Auf Schnellstraßen – sehr schnellen Schnellstraßen – wirkt er weniger angespannt als der Porsche Cayenne und weniger atemlos als der Lamborghini Urus. Zugleich bietet er ein stärker einbindendes Fahrerlebnis als ein Bentley Bentayga oder ein Rolls-Royce Cullinan.

In Kurven sorgt die grundsätzlich heckantriebsorientierte Abstimmung für unterhaltsame Bewegungen, wenn der Fahrer sie wünscht, allerdings mit weniger Heckausbrüchen als bei den Aston-Coupés. Er ist weder so agil wie die sportlichsten Rivalen – eine Hinterachslenkung gibt es hier nicht – noch selbst in den Sport-Modi so hart, die seine Haltung zwar straffen, aber nicht „feindselig“ machen.

Das Mercedes-Getriebe erfüllt seinen Zweck, ohne zu begeistern. Gelegentliche Zögerlichkeiten beim Herunterschalten oder beim Halten eines Gangs lassen sich durch die manuellen Schaltwippen hinter dem Lenkrad umgehen.

Technische Daten

Aston Martin DBX
MOTOR
Architektur V8
Hubraum 3982 cm³
Ventilsteuerung 2 obenliegende Nockenwellen (x2); 4 Ventile/Zyl., 32 Ventile
Aufladung Direkteinspritzung, Biturbo (variable Geometrie)
Leistung 550 PS bei 6500 U/min
Drehmoment 700 Nm zwischen 2200-5000 U/min
ANTRIEB
Antrieb Allradantrieb
Getriebe 9-Gang-Automatik, Drehmomentwandler
FAHRWERK
Federung Vorn: unabhängige Doppelquerlenker; hinten: unabhängige Mehrlenkerachse
Bremsen Vorn: belüftete Scheiben; hinten: belüftete Scheiben
Lenkung / Lenkradumdrehungen Elektrische Unterstützung/2,6
Wendekreis 12,6 m
ABMESSUNGEN UND KAPAZITÄTEN
Länge x Breite x Höhe 5,039 m x 1,998 m x 1,680 m
Radstand 3,06 m
Kofferraum 632 l
Tank 85 l
Gewicht 2245 kg
Reifen Vorn: 285/40 YR22; hinten: 325/35 YR22
Offroad-Winkel Böschungswinkel vorn: 22,2º (max. 25,7º); Böschungswinkel hinten: 24,3º (max. 27,1º); Rampenwinkel: 15,1º (max. 18,8º)
Wattiefe 500 mm
Bodenfreiheit 190 mm (max. 235 mm)
FAHRLEISTUNGEN, VERBRAUCH UND EMISSIONEN
Höchstgeschwindigkeit 291 km/h
0-100 km/h 4,5s
Kombinierter Verbrauch 14,3 l/100 km
CO₂-Emissionen 323 g/km

Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen