Nach einem kurzen ersten Kennenlernen bei der dynamischen nationalen Präsentation vor der Kulisse der Lagoa de Óbidos traf ich die Plug-in-Hybrid-Variante des überarbeiteten SEAT Tarraco erneut: den e-HYBRID – diesmal für einen längeren Termin von fünf Tagen.
Schon bei der ersten Fahrt hatte der SEAT Tarraco e-HYBRID einen überzeugenden Eindruck hinterlassen, und genau dieses gute Gefühl am Steuer bestätigte sich nun erneut.
Dafür war fast immer das Hybrid-System verantwortlich, das zwar ein „alter Bekannter“ ist – es kommt in vielen weiteren Modellen des Volkswagen Konzerns zum Einsatz – sich aber weiterhin in beneidenswerter Form präsentiert. Gleichzeitig ist dieser Tarraco e-HYBRID deutlich mehr als nur ein bekanntes Antriebspaket.
Optisch unterscheidet sich der „an der Steckdose“ ladbare Tarraco praktisch nicht von seinen „Brüdern“ mit reinem Verbrennungsmotor.
Außen fallen im Wesentlichen nur drei Details auf: der e-HYBRID-Schriftzug am Heck, die Ladeklappe am vorderen Kotflügel auf der Fahrerseite sowie die Modellbezeichnung in einer handschriftähnlichen Typografie.
Und was für das Exterieur gilt, trifft auch auf den Innenraum zu: Die Änderungen beschränken sich auf ein neues Design des Wählhebels der Automatik sowie auf zwei versionsspezifische Tasten, e-Mode und s-Boost.
Die eigentliche Neuerung im Innenraum ist, dass der Plug-in-Hybrid des SEAT Tarraco ausschließlich als Fünfsitzer angeboten wird. Bei den Varianten mit Verbrenner sind hingegen Konfigurationen mit bis zu sieben Sitzen möglich.
Der Grund ist schnell erklärt: Um die 13 kWh Lithium-Ionen-Batterie unterzubringen, nutzt SEAT genau den Bereich, in dem sonst die dritte Sitzreihe und das Reserverad Platz finden. Zusätzlich wurde der Kraftstofftank auf 45 Liter verkleinert.
Da wir gerade bei der Batterie sind: Sie versorgt den 85 kW (115 cv) starken Elektromotor, der mit dem 1.4 TSI mit 150 cv zusammenarbeitet. Daraus resultieren 245 cv maximale Systemleistung und 400 Nm maximales Drehmoment. Diese „Zahlen“ gehen ausschließlich an die Vorderräder – eine Variante mit Allradantrieb gibt es nicht – und werden über ein 6-Gang-DSG übertragen.
49 km elektrische Reichweite
Auf dieser Basis gibt SEAT für den Tarraco e-HYBRID eine rein elektrische Reichweite von bis zu 49 km (WLTP) an. Zudem nennt die Marke CO₂-Emissionen zwischen 37 g/km und 47 g/km sowie Verbräuche von 1,6 l/100 km bis 2,0 l/100 km (kombinierter WLTP-Zyklus).
Im Stadtzyklus steigt die „emissionsfreie“ Reichweite allerdings auf 53 km. Dadurch wird der Tarraco e-HYBRID mit mehr als 50 km elektrischer Reichweite homologiert und fällt in Stufen steuerlicher Vorteile für Unternehmen, was sich in einem vollständigen Vorsteuerabzug und einer autonomen Besteuerung von 10% niederschlägt.
Doch „Bürokratie“ beiseite – so attraktiv sie dieses Modell auch macht: Selbst auf einer überwiegend urbanen Strecke kam ich nicht über 40 km ohne Emissionen hinaus. Das ist, gemessen an den von der spanischen Marke kommunizierten Werten, durchaus eine kleine „Enttäuschung“.
Der Tarraco e-HYBRID startet grundsätzlich im rein elektrischen Modus. Sinkt der Batteriestand unter eine bestimmte Schwelle oder überschreitet man 140 km/h, schaltet sich das Hybrid-System automatisch zu.
Im E-Betrieb fährt sich der Tarraco stets sehr geschmeidig, und auch ohne Unterstützung des Verbrenners kommt der Elektromotor mit den 1868 kg dieses Tarraco gut zurecht.
In der Stadt lässt sich zur Reichweitenoptimierung der Modus B wählen, um beim Verzögern mehr Energie zurückzugewinnen. Ganz ohne Bremspedal geht es dennoch nicht – zumal die Rekuperation spürbar weniger aggressiv ausfällt als bei manchen vergleichbaren Angeboten, was (zum Glück) jede Eingewöhnungsphase überflüssig macht.
Sanft und sparsam, selbst wenn die Batterie „leer“ ist
Zu den größten Stärken des Tarraco e-HYBRID zählt, dass er auch dann effizient bleibt, wenn die Batterie „leer“ ist. Gerade im Stadtverkehr bewirkt der ECO-Modus viel und ermöglicht Verbräuche unter 5 l/100 km – selbst mit montierten 20”-Felgen.
Ein weiterer Pluspunkt dieses spanischen SUV: Der Benziner wird nicht übermäßig laut, wenn er bei entladener Batterie die komplette Arbeit allein übernehmen muss.
Auf der Autobahn – wo dieser Tarraco e-HYBRID an Mautstellen als Klasse 1 eingestuft wird – erzielte ich ohne besondere Anstrengung, „für den Durchschnitt zu fahren“, Verbräuche um 7 l/100 km. Für ein SUV dieser Größe ist das ein sehr respektabler Wert.
Dabei sollte man auch das souveräne Fahrgefühl und den Komfort erwähnen: Die Elektrifizierung schmälert die Langstreckenqualitäten, die dieses Modell bereits zuvor zeigte, in keiner Weise.
Unterm Strich stand am Ende dieses Tests im Kombiinstrument ein Durchschnittsverbrauch von 6,1 l/100 km.
Fahreindruck am Steuer
Im Tarraco e-HYBRID fällt als Erstes die Sitzposition positiv auf: Zwar hoch und typisch SUV, aber in der von mir getesteten FR-Version hervorragend stimmig zu den Sportsitzen, dem Lenkrad und der Getriebeabstimmung.
SEAT platziert den Elektromotor vorn in der Nähe von Getriebe und 1.4 TSI, während Batterie und Kraftstofftank im Heckbereich sitzen. Laut SEAT soll das den ausgewogensten Tarraco der Baureihe ergeben – und genau dieses Gleichgewicht lässt sich während der Fahrt nachvollziehen.
Die von mir gefahrene FR-Ausführung besitzt ein straffer abgestimmtes Fahrwerk, das auf der Landstraße besonders dann überzeugt, wenn man das „Feuer“ dieses SUV bewusst abruft. Die Lenkung reagiert sehr direkt, und die Leistungsabgabe bleibt jederzeit vorhersehbar und gleichmäßig – man hat immer das Gefühl, alles im Griff zu haben.
Auf schlechteren Straßen zahlt man dafür allerdings einen kleinen Preis: Fahrwerk und Sportsitze können sich stellenweise zu hart anfühlen. Und, ganz ehrlich, die 20”-Räder tragen dazu nicht gerade bei.
Dennoch ist die Balance auf der Straße bemerkenswert, das Gripniveau liegt sehr hoch und die Karosseriebewegungen sind gut kontrolliert. Nur bei kräftigeren Bremsmanövern spürt man das Gewicht dieses SUV deutlich.
Modus S-Boost
Und wenn der Tarraco e-HYBRID FR schon bei engagierter Fahrweise eine starke Figur macht, legt er im Modus S-Boost noch einmal zu. In dieser Einstellung stellt das elektrische System Umweltaspekte in den Hintergrund und dient vor allem dazu, ein sportlicheres Fahrerlebnis zu liefern.
Genau hier macht der Plug-in-Hybrid-Tarraco am meisten Spaß – und hier gelingt auch der Sprint von 0 auf 100 km/h in 7,4s.
Ist das das richtige Auto für Sie?
Dieser neue Plug-in-Hybrid-Antrieb passt sehr gut zum größten SUV von SEAT: Der Tarraco bleibt geräumig und langstreckentauglich, gewinnt in dieser Ausführung aber zusätzliche, überzeugende Argumente.
Vielseitig, großzügig und fahraktiv präsentiert sich der SEAT Tarraco e-HYBRID FR als sehr kompetenter Plug-in-Hybrid – auch deshalb, weil er nach dem Entladen der Batterie weiterhin sparsam bleibt. Und es ist bekannt, dass nicht alle Plug-in-Hybrid-Kunden die Möglichkeit haben, täglich zu laden.
Alles in allem dürfte dieser „Steckdosen“-Tarraco eine passende Wahl für Familien mit ausgeprägteren Umweltansprüchen sein, deren tägliche Strecken unter 50 km liegen – und vor allem für Geschäftskunden, die von der Möglichkeit profitieren, den gesamten Vorsteuerbetrag abzusetzen (bis zu einem Maximum von 50 000 euros, Betrag ohne IVA).
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