Die Vorstellung von Autos, die je nach Bedarf „wachsen oder schrumpfen“ – sei es, um mehr Passagiere unterzubringen, in eine kleinere Parklücke zu passen oder schlicht komfortabler zu werden – beschäftigt Ingenieure und Designer der Automobilmarken schon seit vielen Jahren.
Audi hat sich diesem (kleinen) Kreis der Experimentierer nun mit dem skysphere angeschlossen: einer Studie, die nicht nur einen Ausblick auf künftiges Design und kommende Technologien der Marke geben soll, sondern darüber hinaus Radstand und Gesamtlänge variieren kann. Konkret lässt sich das Fahrzeug um 25 cm verändern: 4,94 m Länge im kurzen Zustand und 5,19 m in der langen Konfiguration – je nachdem, ob man selbst fahren möchte oder lieber „gefahren wird“.
Allerdings ist der deutsche Prototyp nicht der erste, der dieses Prinzip ausprobiert. Zuvor gab es bereits weitere Konzepte, die diesen ungewöhnlichen Ansatz jeweils mit unterschiedlichen Zielsetzungen verfolgten – und am Ende alle durch dieselbe Besonderheit bekannt wurden: ihre Fähigkeit, den Radstand zu verändern.
Renault Zoom
Gemeinsam mit Matra entwickelt (wer sonst hätte dafür infrage kommen können?), feierte der Renault Zoom seine Premiere auf dem Pariser Autosalon 1992. Mit dem Blick von heute wirkt er beinahe so, als sei er seiner Zeit (deutlich) voraus gewesen.
Als reines Elektroauto nutzte der Zoom einen Synchronmotor mit 45 kW (61 PS), womit er bis zu 120 km/h erreichte. Die Energie lieferte eine Nickel-Cadmium-Batterie (vor 30 Jahren waren Lithium-Ionen-Akkus noch nicht der Standard), die 150 km Reichweite ermöglichen sollte. Das Nachladen von 0 auf 80% dauerte sechs Stunden. Würde man heute ein Auto mit genau diesen Daten sehen, wäre das … nichts Ungewöhnliches.
Weniger „normal“ war beim Renault Zoom das eigentlich Spannende: seine Fähigkeit, sich beim Parken zu verkürzen, um weniger Fläche zu beanspruchen – und so selbst in sehr knappe Stellplätze zu passen. Im regulären Zustand war der Zoom 2,65 m lang; abgestellt schrumpfte er jedoch auf nur 2,30 m (damit 20 cm kürzer als der erste Smart). Möglich machte das eine Hinterachse, die sich nach vorn „einzog“.
Rinspeed Presto
Der 2002 vorgestellte Rinspeed Presto setzte das „Strecken und Schrumpfen“ mit einem sehr klaren Zweck um: wahlweise zwei oder vier Sitzplätze anbieten zu können. Per Knopfdruck wuchs der Presto von kompakten 2996 mm auf deutlich großzügigere 3742 mm.
Technisch wurde das durch einen mittig platzierten Elektromotor gelöst, der ein Spindel-Mutter-Getriebe antrieb. Dieses System „schob“ die Längsträger des Chassis in eine Art „Schublade“ im hinteren Bereich.
Für den Vortrieb sorgte in dieser Rinspeed-Studie ein 1.7 l Turbo-Diesel, der als bivalentes Aggregat ausgelegt war: Er lief mit zwei Kraftstoffen – Diesel und Erdgas – im Verhältnis 40/60. Der Zweck dahinter war eindeutig: Emissionen zu senken, ein Thema, das die Automobilbranche dauerhaft begleitet.
Renault Morphoz
Deutlich aktueller ist der jüngste Prototyp dieser Auswahl – und erneut stammt er von Renault. Der 2020 enthüllte Renault Morphoz knüpfte an die Idee des Zoom an, allerdings in einem wesentlich größeren Format.
Als Basis diente die neue CMF-EV-Plattform, die exklusiv für Elektrofahrzeuge vorgesehen ist und von der Allianz entwickelt wurde. Eigentlich sollte der Morphoz im vergangenen Jahr auf dem Genfer Autosalon gezeigt werden. Obwohl die Veranstaltung abgesagt wurde, blieb uns die Studie samt ihrer „metamorphischen“ Fähigkeiten nicht verborgen.
Innerhalb von nur einer Minute verwandelt sich das Konzeptfahrzeug von einem kompakten Crossover mit 4,4 m Länge in einen mittelgroßen Crossover mit 4,8 m Länge – je nachdem, ob der Modus „City“ (Stadt) oder „Travel“ (Reise) aktiv ist. Beim Wechsel wächst der Radstand um 20 cm; die übrigen 20 cm Gesamtzuwachs erklärt Renault damit, dass auch das Heck mit ausfährt.
Am interessantesten ist jedoch: Im Modus „Travel“ entsteht zusätzlich Platz für ein extra Batteriepaket. Dadurch steigt die Gesamtkapazität von 40 kWh auf 90 kWh, und die Reichweite klettert von 400 km auf 700 km.
Fallen Ihnen noch weitere Autos ein, die sich „strecken und schrumpfen“?
So viel Potenzial diese Lösung auch hat – sicher scheint, dass wir sie nur selten im „echten Leben“ sehen werden. Denn neben der hohen Komplexität (und damit den Kosten) werfen solche Systeme auch Fragen im Bereich Sicherheit auf.
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