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Pumas auf der Olympic Peninsula: Mehr Verkehrssicherheit durch weniger Hirschkollisionen

Puma steht am Waldrand neben Straße, Auto fährt vorbei, mehrere Rehe im Hintergrund neben Warnschild.

Ein Puma überquert auf der Olympic Peninsula im US-Bundesstaat Washington zwei Fahrspuren aus Asphalt und verschwindet dann lautlos im Wald. In den Gebieten, in denen die Grosskatzen vorkommen, meiden Hirsche Strassen stärker – und die Zahl der Zusammenstösse zwischen Hirschen und Fahrzeugen sinkt.

Ökologinnen und Ökologen vermuteten schon länger, dass Beutegreifer von Hirschen auch die Zahl der Verkehrsunfälle reduzieren. Gemessen hatte das bislang jedoch niemand.

Pumas (Puma concolor), die auch als Berglöwen oder Cougars bekannt sind, tragen offenbar im Hintergrund dazu bei, dass Strassen für Autofahrende sicherer werden. Die Studie wertet diesen Effekt als Ökosystemleistung – also als Nutzen, den natürliche Systeme für Menschen erbringen.

Pumas senken das Risiko von Hirschkollisionen

Für die Analyse verknüpfte das Forschungsteam einen umfangreichen Datensatz aus Kamerafallen mit räumlichen Aufzeichnungen zu Wildtier-Fahrzeug-Kollisionen. Die Kameras machten sichtbar, wo sich Hirsche und Pumas aufhielten – und zu welchen Tageszeiten.

In Bereichen mit hoher Puma-Präsenz nutzten Hirsche Gebiete mit hoher Strassendichte um 15% seltener. Stattdessen hielten sie sich häufiger in abgelegeneren Lebensräumen auf.

Diese Verhaltensänderung spiegelte sich auf der Strasse wider: Die Forschenden berechneten eine um 67% geringere Wahrscheinlichkeit für eine Hirsch-Fahrzeug-Kollision sowie einen Rückgang der erwarteten Kollisionen um 76% über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Zusätzlich verlagerten Hirsche ihre Aktivität in Gebieten mit Pumas stärker in die Tagesstunden. Dadurch passierten weniger der verbleibenden Unfälle nachts – zu einer Zeit, in der Kollisionen mit grossen Tieren für Menschen im Auto besonders schwerwiegend enden.

Hirsche meiden Strassen dort, wo Pumas jagen

Strassenränder können für Hirsche attraktiv sein: An den Banketten wächst frisches Grün, die Sicht ist oft gut, und Jägerinnen und Jäger sind meist anderswo.

Ein ansässiger Puma verändert diese Rechnung. Da Grosskatzen dort jagen, wo Beutetiere sich sammeln, bedeutet die Nähe zur Strasse neben möglicher Nahrung auch ein erhöhtes Risiko – und die Hirsche nutzen diese Flächen entsprechend seltener.

Justin Suraci von Conservation Science Partners im kalifornischen Truckee leitete die Studie. Er beschreibt die Reaktion der Hirsche als Verschiebung sowohl im Raum als auch in der Zeit.

„Hirsche verändern ihre Nutzung von Raum und Zeit dort, wo Pumas präsent sind, überschneiden sich weniger mit Strassen und reduzieren ihre Aktivität nachts, wenn einige der gefährlichsten Kollisionen auftreten“, sagt Suraci.

Dasselbe Team hat in dieser Landschaft bereits zuvor gearbeitet. Eine 2025 in Ecological Applications veröffentlichte Arbeit kartierte, wo sich die Pumas der Halbinsel bewegen und fressen, um vorherzusagen, wo Konflikte mit Menschen wahrscheinlich sind.

Raubtiere liefern eine Ökosystemleistung für die Verkehrssicherheit

Ökosystemleistungen werden meist mit sauberem Wasser, Bestäubung oder Kohlenstoffspeicherung in Verbindung gebracht. Verkehrssicherheit ist ein vergleichsweise neuer Punkt in dieser Liste – und eine seltene Ökosystemleistung, die sich direkt in Unfallstatistiken ablesen lässt.

„Wir haben festgestellt, dass grosse Fleischfresser Verkehrswege sicherer machen können, indem sie das Verhalten und die Raumnutzung ihrer Beutetiere beeinflussen“, sagt Suraci. „Mehr Verkehrssicherheit ist damit eine Ökosystemleistung, die grosse Räuber wie Pumas menschlichen Gemeinschaften bieten können.“

Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren dürfte sich der Effekt kaum auf eine einzelne Region in Washington beschränken. Überall dort, wo grosse Beutegreifer weiterhin auf Hirsche jagen, könnte derselbe Nutzen existieren – nur bislang unbeachtet.

„Hirsche versuchen, das Risiko durch Pumas zu vermeiden und verbringen dadurch weniger Zeit in Strassennähe und sind in weniger Kollisionen verwickelt“, sagt Suraci. „Fleischfresser könnten durchaus anderswo auf der Welt eine ähnliche Ökosystemleistung für die Verkehrssicherheit erbringen, wo Populationen fortbestanden haben und diese wertvolle Leistung bislang einfach unbemerkt geblieben ist.“

Wölfe reduzierten Unfälle in Wisconsin

Ein früher Hinweis kam aus Wisconsin: Dort verringerte die Wiederbesiedlung durch Wölfe die Hirsch-Fahrzeug-Kollisionen im durchschnittlichen County um rund 24%, wie eine 2021 in der Zeitschrift PNAS veröffentlichte Studie berichtete.

Auffällig war auch die ökonomische Bilanz. Der Wert der vermiedenen Unfälle lag demnach ungefähr 63-mal höher als die Kosten, die durch bestätigte Wolfsrisse an Nutztieren entstanden.

Der Grossteil des Rückgangs ging dabei nicht darauf zurück, dass Wölfe den Hirschbestand dezimierten, sondern auf Verhaltensänderungen der Hirsche. Wölfe nutzen Strassen und Korridore als Wege – und Hirsche halten sich von diesen Schneisen eher fern.

Grosse Beutegreifer beeinflussen dabei weit mehr als den Verkehr. Zwei Jahrzehnte an Daten aus Yellowstone schreiben der Rückkehr der Wölfe ein 1,500%iges Plus beim Weidenwachstum entlang von Bächen zu.

Kosten eines Zusammenstosses mit einem Hirsch

Das Ausmass lässt sich leicht unterschätzen, weil es sich Unfall für Unfall zeigt. Eine wegweisende Bundesanalyse beziffert die landesweite Gesamtzahl auf ein bis zwei Millionen Kollisionen mit grossen Tieren pro Jahr.

Die Folgekosten summieren sich auf Milliarden. Den grössten Anteil dieser Unfälle verursachen Hirsche. Eine einjährige Erhebung zu überfahrenen Tieren entlang zweier Highways in North Carolina registrierte 5,044 tote Wirbeltiere aus 144 Arten.

Technische Massnahmen können helfen – sind aber teuer. Zäune in Kombination mit speziellen Querungen können Kollisionen um 80% oder mehr senken, doch jede einzelne Anlage kostet Millionen und wirkt nur auf einem kurzen Abschnitt.

Eine Puma-Population hingegen muss nicht „installiert“ werden und verursacht keine direkten Infrastrukturkosten. Genau dieses praktische Argument stellt die Studie Verkehrsplanenden und Wildtierbehörden zur Diskussion.

Pumas kehren in den Osten zurück

In weiten Teilen ihres früheren Verbreitungsgebiets im Osten der USA sind Pumas verschwunden, auch wenn einzelne Tiere inzwischen weit ausserhalb des Westens auftauchen. Ihre langsame Rückkehr wird daher aufmerksam verfolgt.

Mark Elbroch leitet das Puma-Programm bei Panthera in New York City und ist Mitautor der Studie. Er sieht die Zahlen zur Verkehrssicherheit als hilfreiches Element in dieser Debatte.

„Das könnte besonders für den Osten der USA und Kanada gelten, wo Pumas langsam und auf natürliche Weise wieder einwandern und wo es laufende Diskussionen über ein mögliches Wiederansiedlungsprogramm gibt“, sagt Elbroch.

„Wenn wir über Pumas sprechen, konzentrieren wir uns oft auf die Risiken, die sie darstellen. Aber wir halten nur selten inne, um die vielen Arten zu betrachten, wie sie uns ebenfalls nützen“, sagt Elbroch. „Mit grossen Fleischfressern zusammenzuleben bedeutet nicht nur, Wildtiere zu schützen; es bedeutet, die vielen Wege zu schützen, auf denen sie uns jeden Tag still und leise zugutekommen.“

Koexistenz verlangt Menschen dennoch etwas ab. Pumas in Kaliforniens Santa Cruz Mountains etwa meiden die stark frequentierten Wege, statt dort Wanderinnen und Wanderern zu begegnen.

Andernorts ist ihre Entwicklung uneinheitlich. Pumas stehen in den USA neben Wolf und Kondor auf der Liste von Arten mit Erfolgsgeschichten bei der Erholung von Beständen.

Grenzen der Ergebnisse

Bei der Arbeit handelt es sich um eine Beobachtungsstudie und nicht um ein Experiment. Sie verknüpft Muster in Kamerafallen-Nachweisen mit Mustern in Unfallaufzeichnungen – und zeigt damit Zusammenhänge, aber keinen eindeutig nachgewiesenen Ursache-Wirkungs-Effekt.

Die Kollisionszahlen sind modellierte Schätzungen erwarteter Unfälle, keine Vorher-nachher-Zählung. Zudem reagieren Hirsche auch auf Jagd, Verkehrsaufkommen und Lebensraumqualität – Faktoren, die sich in keinem Modell vollständig sauber trennen lassen.

Auch der Kontext ist entscheidend: Die Olympic Peninsula hat eine etablierte Puma-Population, ihr eigenes Strassennetz und ihre eigenen Hirschdichten. Wie stark der Effekt andernorts ausfällt, würde von lokalen Puma-Beständen, Strassennetzen und Hirschdichten abhängen.

Ein Zielkonflikt steckt in der positiven Nachricht: Wenn Hirsche mehr am Tag äsen, wird ein grösserer Anteil der Unfälle, die trotzdem passieren, bei Tageslicht stattfinden. Das ist pro Unfall weniger gefährlich – aber nicht gleichbedeutend mit gar keinem Unfall.


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