Am Dienstag, dem 13. Juli, hat der Volkswagen Konzern den neuen strategischen Plan „New Auto“ vorgestellt, der bis 2030 umgesetzt werden soll.
Im Mittelpunkt steht die zunehmend dominierende Elektromobilität. Der Automobilriese – einer der grössten weltweit – will sich dabei zu einem „softwarebasierten Mobilitätsunternehmen“ weiterentwickeln.
Konzipiert wurde die Strategie mit dem Ziel, zusätzliche Erlösquellen zu erschliessen: über den Online-Vertrieb von Funktionen und Services sowie über Mobilitätsdienste, die durch autonome Fahrzeuge überhaupt erst möglich werden.
Damit will der Volkswagen Konzern jene Umsatzchancen nutzen, die sich in der Automobilbranche derzeit eröffnen – und deren Wert (und Differenzierung) immer stärker von Technologie bestimmt wird.
New Auto?
Zum gewählten Namen „New Auto“ gab Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns, eine klare Begründung: „Weil Autos bleiben werden“.
Um Kosten zu senken und die Gewinnmargen zu erhöhen, setzt „New Auto“ auf Plattformen und Technologien, die von allen Konzernmarken gemeinsam genutzt werden – jeweils angepasst an die einzelnen Marken und deren wichtigste Segmente.
Gleichzeitig stellte Diess klar, dass „die Marken auch künftig ein Unterscheidungsmerkmal behalten“ werden, selbst wenn sie in noch enger gefassten Geschäftseinheiten organisiert werden.
So übernimmt Audi die Verantwortung für Bentley, Lamborghini und Ducati – das „Premium-Portfolio“ des deutschen Konzerns. Volkswagen wiederum führt das Volumen-Portfolio, zu dem Škoda, CUPRA und SEAT gehören.
Volkswagen Nutzfahrzeuge will seinen Fokus weiter in Richtung Lifestyle ausbauen. Nach der präsentierten Multivan T7 gilt die lang erwartete Serienversion des ID. Buzz als noch passenderes Beispiel dafür. Diess sagte dazu, dies sei die Konzerndivision, die „die radikalste Transformation“ durchlaufen werde.
Porsche bleibt „am Rand“
Bei Porsche soll es anders laufen: Die Marke bleibt der sportliche und leistungsorientierte „Arm“ des Konzerns. Diess räumte ein, der Hersteller aus Stuttgart „spielt in einer eigenen Liga“. Obwohl Porsche in das Technologiekapitel eingebunden ist, werde die Marke „ein hohes Mass an Unabhängigkeit“ behalten.
Bis 2030 erwartet der Volkswagen Konzern, die Umweltauswirkungen der Fahrzeugproduktion um 30% zu reduzieren. Spätestens 2050 will das Unternehmen klimaneutral sein. Bei den Elektroautos geht der Konzern davon aus, dass sie 2040 bereits 50% der weltweiten Verkäufe ausmachen werden; in den wichtigsten Märkten sollen dann nahezu alle neuen Modelle „emissionsfrei“ sein.
Markt für Verbrennungsmotoren sinkt in den nächsten zehn Jahren um mehr als 20%
Vor dem Hintergrund dieser Elektrifizierungsdynamik rechnet der Volkswagen Konzern damit, dass der Markt für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in den kommenden 10 Jahren um mehr als 20% schrumpfen könnte. In der Folge sollen Elektrofahrzeuge zur wichtigsten Umsatzquelle werden.
Den Verbrenner-Bereich will der Konzern dennoch weiterführen, um einen starken Cashflow für Investitionen in neue Technologien zu erwirtschaften. Gleichzeitig erwartet Volkswagen, dass Elektroautos bereits in nur drei Jahren eine vergleichbare Gewinnmarge ermöglichen. Begründet wird das mit zunehmend „strengeren“ CO₂-Vorgaben, die die Kosten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor steigen lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt von „New Auto“ sind Einnahmen durch Software und andere Dienstleistungen. Funktionen sollen per Fern-Updates (Over-the-Air) nachträglich „freigeschaltet“ werden können. Laut Volkswagen Konzern könnte dieses Geschäft bis 2030 mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einbringen – und durch das (laut Diess „endlich“) kommende autonome Fahren zusätzlich beschleunigt werden.
Als Beispiele für die kommenden Jahre nennt der Konzern zwei Schlüsselprojekte: das Volkswagen Projekt Trinity und das Audi Projekt Artemis. Beim Trinity soll das Fahrzeug nahezu standardisiert verkauft werden – im Wesentlichen mit nur einer Spezifikation. Kundinnen und Kunden wählen (und kaufen) die gewünschten Funktionen online; freigeschaltet werden sie anschliessend per Software.
Einheitliche Elektro-Plattform ab 2026
Ab 2026 will der Volkswagen Konzern eine neue Plattform für Elektrofahrzeuge in den Markt bringen: die SSP (Scalable Systems Platform). Sie gilt als zentraler Baustein der nun vorgestellten „New Auto“-Strategie.
Die SSP kann als eine Art Zusammenführung der Plattformen MEB und PPE verstanden werden (letztere wird vom neuen Porsche Macan eingeführt). Der Konzern beschreibt die SSP als „eine einheitliche Architektur für das gesamte Produktportfolio“.
Die Plattform ist so ausgelegt, dass sie möglichst vielseitig und flexibel ist – je nach Bedarf und Segment soll sie „kürzer oder länger“ skaliert werden können. Zudem soll die SSP „vollständig digital“ sein, mit ebenso viel Fokus auf „Software wie auf Hardware“.
Über die Lebensdauer dieser Plattform rechnet der Volkswagen Konzern mit der Produktion von mehr als 40 Millionen Fahrzeugen. Und ähnlich wie bei der MEB, die beispielsweise auch von Ford eingesetzt wird, könnte künftig auch die SSP von anderen Herstellern genutzt werden.
Das „Energie“-Geschäft…
Eigene Batterietechnologie, Ladeinfrastruktur und Energiedienstleistungen sollen im neuen Mobilitätszeitalter entscheidende Erfolgsfaktoren sein – und sind deshalb ein wesentlicher Teil von „New Auto“.
Dazu heisst es, „Energie werde bis 2030 zu einer Kernkompetenz des Volkswagen Konzerns, mit den beiden Säulen ‚Zelle und Batteriesystem‘ sowie ‚Laden und Energie‘ unter dem Dach der neuen Technologie-Division des Konzerns“.
Geplant ist eine kontrollierte Lieferkette für Batterien: mit neuen Partnerschaften und einer Abdeckung aller Themen von Rohstoffen bis zur Wiederverwertung.
Das Ziel besteht darin, „einen geschlossenen Kreislauf in der Batterie-Wertschöpfungskette als nachhaltigste und wirtschaftlichste Form“ der Batterieherstellung zu schaffen. Um das zu erreichen, will der Konzern „ein einheitliches Batteriezellenformat mit 50% Kostenreduktion und 80% Anwendungsfällen bis 2030“ einführen.
Die Versorgung soll durch „sechs Gigafabriken, die in Europa gebaut werden und bis 2030 eine gesamte Produktionskapazität von 240 GWh erreichen“, abgesichert werden.
Die erste Gigafabrik wird in Skellefteå in Schweden stehen, die zweite in Salzgitter in Deutschland. Letztere, nicht weit von der Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg entfernt, befindet sich bereits im Bau. Die Anlage in Nordeuropa existiert hingegen schon und wird zur Kapazitätserhöhung modernisiert. Sie soll 2023 fertig sein.
Die dritte Fabrik, die zeitweise mit der Möglichkeit eines Standorts in Portugal in Verbindung gebracht wurde, wird in Spanien entstehen – ein Land, das der Volkswagen Konzern als „strategische Säule seiner Elektro-Offensive“ bezeichnet.
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