In der Automobilindustrie weht derzeit ein Wind des Wandels. Nachdem Ferrari bereits mehrere Modelle elektrifiziert hat, geht die Marke aus Maranello mit dem brandneuen Ferrari 296 GTB den nächsten Schritt in Richtung Zukunft.
Das Modell, zu dem wir vor einiger Zeit bereits Erlkönigfotos gezeigt haben, trägt dabei eine besondere Bürde: Es ist der erste straßenzugelassene Ferrari mit einem V6-Motor. Und als weitere „Zugabe“ an die Moderne kombiniert Ferrari diese Technik erstmals mit einem Plug-in-Hybrid-System.
Bevor wir euch das neue „Herz“ dieses Ferrari im Detail vorstellen, kurz zur Herkunft des Namens: Die Zahl „296“ setzt sich aus Hubraum (2992 cm³) und Zylinderzahl zusammen. Das Kürzel „GTB“ steht für „Gran Turismo Berlinetta“ – eine Bezeichnung, die Ferrari beim Cavallino Rampante seit langer Zeit verwendet.
Der erste einer neuen Ära
Auch wenn Ferrari seit Jahrzehnten V6-Motoren baut – der erste stammt aus dem Jahr 1957 und trieb den Dino 156 Formel-2-Monoposto an – ist es das erste Mal, dass ein Aggregat dieser Bauart in einem Straßenmodell der von Enzo Ferrari gegründeten Marke zum Einsatz kommt.
Der Motor ist eine komplette Neuentwicklung, zu 100 % von Ferrari entwickelt und gefertigt (die Marke bleibt „stolz allein“). Er verfügt über die bereits genannten 2992 cm³ Hubraum und ordnet seine sechs Zylinder in einem 120°-V an. Die reine Verbrennerleistung liegt bei 663 PS.
„Dies ist der Serienmotor mit der höchsten spezifischen Leistung pro Liter der Geschichte: 221 PS/Liter.“
Hinzu kommen weitere technische Eckpunkte. Zum ersten Mal bei Ferrari sitzen die Turbolader im Zentrum der beiden Zylinderbänke – eine als „hot V“ bekannte Anordnung, deren Vorteile ihr in unserem Artikel aus dem Bereich Autopädie nachlesen könnt.
Laut Ferrari spart diese Lösung nicht nur Bauraum, sondern senkt auch das Motorgewicht und bringt den Schwerpunkt nach unten. Dazu gesellt sich ein weiterer, elektrisch angetriebener Motor an der Hinterachse (ebenfalls eine Premiere bei Ferrari): Er leistet 167 PS, wird von einer Batterie mit 7,45 kWh gespeist und ermöglicht bis zu 25 km rein elektrisches Fahren – ohne einen Tropfen Benzin.
Die Kombination aus Verbrenner und E-Maschine liefert eine maximale Systemleistung von 830 PS bei 8000 rpm (mehr als die 720 PS des F8 Tributo mit seinem V8) sowie ein Drehmoment von 740 Nm bei 6250 rpm. Die Kraft an die Hinterräder verteilt ein 8-Gang-DCT-Automatikgetriebe.
Damit sprintet der jüngste Maranello-Sportwagen in nur 2,9s auf 100 km/h, erreicht 200 km/h aus dem Stand in 7,3s, umrundet die Teststrecke in Fiorano in 1min21s und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von über 330 km/h.
Als Plug-in-Hybrid bringt der 296 GTB zudem das „eManettino“ mit speziellen Fahrprogrammen: Zu den typisch Ferrari-eigenen Modi wie „Performance“ und „Qualify“ kommen „eDrive“ und „Hybrid“ hinzu. Je nach gewähltem Modus werden sowohl der Anteil des Elektromotors als auch die Rekuperation entsprechend abgestimmt.
„Familiengesicht“ – aber mit vielen Neuheiten
Beim Design fällt vor allem der aerodynamische Feinschliff auf: Lufteinlässe wurden in Größe und Anzahl auf das unbedingt Notwendige reduziert, zugleich setzt Ferrari auf aktive Aerodynamik, um mehr Downforce zu erzeugen.
Unterm Strich bleibt das klare „Familiengesicht“ erhalten, sodass sich der neue Ferrari 296 GTB schnell mit seinen „Brüdern“ in Verbindung bringen lässt. Im Innenraum wiederum stand der SF90 Stradale Pate – insbesondere beim starken Fokus auf Technologie.
Optisch zeigt sich das Armaturenbrett in einer konkaven Form. Im Mittelpunkt stehen das digitale Kombiinstrument und die seitlich davon angeordneten Touch-Bedienelemente. Trotz des modernen, technikorientierten Auftritts verzichtet Ferrari nicht auf Verweise an die eigene Vergangenheit: Auffällig ist der Schalter auf der Mittelkonsole, der an die klassischen „H“-Schaltkulissen früherer Ferrari erinnert.
Assetto Fiorano, die Hardcore-Version
Abschließend ist noch die kompromisslosere Ausführung des neuen 296 GTB hervorzuheben: die Variante Assetto Fiorano. Sie zielt klar auf Performance, kombiniert Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung mit nochmals verfeinerter Aerodynamik und nutzt mehrere Carbon-Applikationen am vorderen Stoßfänger, die die Downforce um 10 kg erhöhen.
Zusätzlich bringt sie einstellbare Multimatic-Dämpfer mit. Diese sind speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke ausgelegt und leiten sich direkt von Komponenten aus dem Motorsport ab. Ebenfalls mit Blick auf Trackdays ist der Ferrari 296 GTB außerdem mit Michelin Sport Cup2R-Reifen erhältlich.
Die Auslieferung der ersten Fahrzeuge ist für das erste Quartal 2022 vorgesehen. Offizielle Preise für Portugal gibt es für den Ferrari 296 GTB noch nicht. Allerdings wurde uns eine Schätzung genannt (und es handelt sich ausdrücklich um eine Schätzung, da die Preise nach der offiziellen Präsentation über das Händlernetz festgelegt werden): inklusive Steuern sollen 322.000 Euro für die „normale“ Version und 362.000 Euro für den Assetto Fiorano angesetzt werden.
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