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Ferrari 166 MM: Der erste Ferrari in Portugal und seine bewegte Geschichte

Roter Ferrari Oldtimer mit runden Scheinwerfern und Chromfelgen in einem Ausstellungsmuseum.

Eng mit den Anfängen der italienischen Marke verwoben, ist der Ferrari 166 MM zugleich eng mit der Präsenz der Marke in Portugal verbunden. Denn genau dieses Modell war der erste Ferrari, der überhaupt nach Portugal kam.

Bevor es um dieses konkrete Exemplar geht, lohnt ein Blick auf den 166 MM selbst. Als eine Art „Zwischenform“ aus Rennwagen und Strassenauto gehört er nicht nur zu den frühesten Modellen der Marke, sondern zählt auch zu den seltensten. Der Ferrari-Kenner David Seielstad bezeichnet ihn als „den ersten schönen Ferrari und ein grundlegendes Modell für den Erfolg der Marke“.

Technik und Ursprung des Ferrari 166 MM

Die Karosserie stammt von der Carrozzeria Touring Superleggera. Unter der Haube arbeitet ein V12 mit nur 2.0 l Hubraum (166 cm³ pro Zylinder – dieser Wert gab dem Modell seinen Namen), der 140 cv leistet. In Kombination mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe konnte der Wagen 220 km/h erreichen.

Kürzlich hat DK Engineering ein Exemplar des seltenen 166 MM (Benennung als Verweis auf den ersten Sieg bei der Mille Miglia im Jahr 1948) zum Verkauf angeboten – und dieses Auto ist zusätzlich deshalb besonders, weil es ausgerechnet der erste Ferrari war, der nach Portugal importiert wurde.

Eine „Laufbahn“ mit Besitzerwechseln und … „Identitätswechseln“

Mit der Chassisnummer 0056 M wurde dieser Ferrari 166 MM von João A. Gaspar, dem portugiesischen Vertreter der italienischen Marke, eingeführt und im Sommer 1950 in Porto an José Barbot verkauft. Zugelassen mit dem Kennzeichen PN-12-81 und ursprünglich in Blau lackiert, begann für den 166 MM damit ein Leben voller Motorsport – und voller Eigentümerwechsel.

Nicht lange nach dem Kauf gab José Barbot den Wagen an José Marinho Jr. weiter, der diesen Ferrari 166 MM im April 1951 wiederum an Guilherme Guimarães verkaufte.

1955 wechselte er erneut den Besitzer und ging an José Ferreira da Silva. In den folgenden zwei Jahren stand er in Lissabon eingelagert – gemeinsam mit einem weiteren 166 MM Touring Barchetta (Chassisnummer 0040 M) sowie einem 225 S Vignale Spider (Chassis 0200 ED), einem Auto, dessen Geschichte sich später mit der des hier beschriebenen Exemplars „verknüpfen“ sollte.

In dieser Phase erlebte der Ferrari 166 MM auch seine erste „Identitätskrise“. Aus unbekannten Gründen tauschten die beiden 166 MM ihre Kennzeichen. Damit wurde aus dem PN-12-81 der NO-13-56; unter genau diesem Kennzeichen wurde das Auto 1957 an den Automóvel e Touring Clube de Angola (ATCA) verkauft – zusammen mit dem 225 S Vignale Spider.

1960 folgte der nächste Eigentümer: António Lopes Rodrigues, der den Wagen in Mosambik mit dem Kennzeichen MLM-14-66 registrierte. Zuvor war jedoch der ursprüngliche Motor gegen den des 225 S Vignale Spider (Chassisnummer 0200 ED) getauscht worden – und genau dieser Motor steckt bis heute im Auto. Es handelt sich also um einen V12 mit 2,7 l Hubraum und 210 cv Leistung.

Zwei Jahre später trennte sich der Portugiese vom Ferrari und verkaufte ihn an Hugh Gearing, der ihn nach Johannesburg in Südafrika brachte. Schliesslich gelangte der kleine Italiener 1973 in die Hände seines heutigen Besitzers, erhielt eine mehr als verdiente Restaurierung und führte danach ein deutlich geschützteres Dasein.

Eine „Karriere“ im Motorsport

Der 166 MM wurde für den Wettbewerb geboren – auch wenn er, wie damals üblich, ebenso auf öffentlichen Strassen bewegt werden konnte. Entsprechend ist es wenig überraschend, dass dieser 166 MM in seinen frühen Jahren regelmässig bei Sportveranstaltungen antrat.

Sein Renndebüt gab er 1951 beim ersten Grossen Preis von Portugal, der in seiner „Heimatstadt“ Porto ausgetragen wurde. Am Steuer sass Guilherme Guimarães, der sich unter dem Pseudonym „G. Searamiug“ anmeldete – zu jener Zeit nichts Aussergewöhnliches. Weit kam der 166 MM allerdings nicht und schied nach nur vier Runden aus.

Der sportliche Erfolg stellte sich später ein, doch zuvor gab es am 15. Juli 1951 in Vila Real noch einen weiteren Ausfall nach einem Unfall. Nur einen Tag danach, mit Piero Carini am Steuer, erreichte der Ferrari 166 MM beim Festival Nocturno im Estádio Lima Porto den zweiten Platz.

Um konkurrenzfähiger zu werden, ging der Ferrari 166 MM 1952 nach Maranello, wo er einige Verbesserungen erhielt. Danach sammelte er nach und nach gute Resultate sowie Gesamtsiege und Klassensiege in den Wettbewerben, in denen er antrat.

Ferrari 166 MM in Portugal, Angola und darüber hinaus

Nach vielen Jahren im portugiesischen Rennbetrieb wurde er 1957 nach Angola gebracht, wo ihn der ATCA ausgewählten Fahrern des Clubs zur Verfügung stellte. 1959 folgte der erste Start ausserhalb des portugiesischen Territoriums (Angola war damals eine portugiesische Kolonie): Der Ferrari 166 MM trat beim III Grande Prémio de Leopoldville im Belgisch-Kongo an.

Seinen letzten „ernsthaften“ Renneinsatz hatte er 1961, als António Lopes Rodrigues ihn für ein Formula Libre- und Sports-Car-Rennen auf dem Circuito Internacional de Lourenço Marques meldete – bei jener Veranstaltung soll dieser Ferrari einen Reihensechszylinder aus einem … BMW 327 verwendet haben!

Seitdem blieb der erste Ferrari in Portugal unter der Obhut seines heutigen Besitzers weitgehend „verborgen“. Er tauchte nur gelegentlich bei der Mille Miglia (1996, 2004, 2007, 2010, 2011 und 2017) auf, beim Goodwood Revival (2011 und 2015) und kehrte 2018 für das Concours d’Elegance ACP in Estoril nach Portugal zurück.

Mit 71 Jahren sucht dieser Ferrari 166 MM nun einen neuen Besitzer. Wird er in das Land zurückkehren, in dem er seine ersten Kilometer machte, oder bleibt er weiterhin „Auswanderer“? Am wahrscheinlichsten ist, dass er im Ausland bleibt – auch wenn es uns überhaupt nicht stören würde, wenn er wieder „nach Hause“ käme.

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