Wir kennen das alle: Wochenlang starrt man auf ein Problem am eigenen Auto, schiebt es vor sich her und will das Geld für die Reparatur einfach nicht ausgeben. Irgendwo muss es doch eine günstigere Alternative geben, denkt man. Also wird auf eBay gesucht, in Foren nach einem Wundermittel gestöbert, und das Ganze arbeitet im Hinterkopf weiter.
Manchmal taucht dann tatsächlich diese traumhafte Lösung auf, die zu gut klingt, um wahr zu sein. Blöd nur: Sie behebt das Problem am Ende nie wirklich. Was folgt, ist eine Warnung vor Billig-Reparaturen.
Zwei Brüder, zwei Talente
Die Hauptrollen spielen meine beiden Brüder. Der eine ist Mechaniker. Der andere hat angeblich einmal erfolgreich eine Glühbirne gewechselt. Angeblich. Und derselbe hat auch einmal eine Runde Getränke spendiert – ein Ereignis, dessen Jahrestag in unserer Familie bis heute gefeiert wird. Sagen wir es so: Er passt sehr genau auf sein Geld auf.
Natürlich ist er deshalb auch ein Meister darin, unfassbar günstige Angebote für Autoteile aufzutreiben. Sehr oft kosten diese „Schnäppchen“ am Ende meinen Mechaniker-Bruder allerdings viele Stunden Lebenszeit: Er baut sie ein, sie gehen sofort kaputt, und dann muss er doch noch vernünftige Teile bestellen – und alles ein zweites Mal machen.
Das Angebot: Verdeck für den Volvo C70
„Ich hab ein neues Verdeck für meinen Volvo gefunden“, beginnt das Gespräch. „Nur £350 inklusive Einbau.“
Zum Vergleich: Allein die Lieferung eines neuen Verdecks für einen Cabrio-C70 liegt normalerweise bei etwa £1,200. Klar, dieses Angebot wäre gebraucht – aber ein komplettes Dachgestänge auszubauen und ein anderes einzubauen, dauert doch sicher viele Stunden. Warum sollte das jemand für so wenig Geld machen? Diese und etliche weitere Fragen blieben unbeantwortet, als die beiden Richtung Osten aufbrachen – zu einem fast schon sagenumwobenen Volvo-Schrauber.
Die „Werkstatt“ im Feld
Vor Ort stellte sich heraus: Die Werkstatt war tatsächlich ein Feld. Ein Feld, übersät mit verrottenden Volvos. Die Temperatur lag bei etwa 5°C. Es gab keinen Wasserkocher. Kein Dach über dem Kopf. Keine Toilette. Und trotzdem liessen sich die beiden nicht abschrecken.
Sie legten los, zitterten vor Kälte und bereuten, das Frühstück ausgelassen zu haben. Es war eine Tortur – aber am Ende würde es sich ja lohnen.
Die Werkstatt war, in der Tat, ein Feld. Ein Feld voller verfallender Volvos
Nach ungefähr drei Stunden ging es dann los: WhatsApp-Nachrichten prasselten herein. Bruder Eins, der Mechaniker, wurde zunehmend wütend. Nach dem anfänglichen Aktionismus war der Fortschritt zäh geworden. Und sie hatten nicht einmal eine Flasche Wasser oder einen Schokoriegel zur Hand.
Es sei „saukalt“. Ausserdem sorgte ein neues Medikament für Nervosität im Verdauungssystem. Bruder Zwei versuchte die eskalierende Lage mit übertriebener, nervtötend guter Laune zu überspielen.
Um 4.39pm – knapp sieben Stunden nach Beginn – frage ich nach, ob sie schon zu Hause sind. Da ist die Stimmung längst gekippt. Bruder Eins antwortet in seinem besten Angelsächsisch: „Nein, das f****** funktioniert nicht. Er baut das f****** Dach wieder auf das Original zurück.“
Ich sitze bei meiner Mum und schicke als Reaktion ein Bild von einem knisternden, offenen Kaminfeuer. Das kommt nicht gut an. Um 5.25pm ist selbst Bruder Zwei nicht mehr optimistisch: „Es ist fast stockdunkel und längst nicht fertig. Vielleicht kommen wir nie zurück.“ Zu diesem Zeitpunkt liegen Mum und ich vor Lachen in Tränen.
Heimfahrt mit Nebenwirkungen
Sie schaffen es tatsächlich nach Hause. Das alte Dach ist wieder montiert. Es funktioniert weiterhin nicht – und jetzt ist zusätzlich auch noch der Mechanismus der Seitenscheibe kaputt.
Nach neun Stunden Arbeit nehmen unsere Helden eine 90-minute Fahrt auf sich, während kalte Luft ins Auto bläst. Das ist noch der kleinere Teil des Problems. Um 6pm schlägt das Medikament bei Bruder Eins zu. Seine Hose ist verschmutzt. Statt sich zu säubern, veranstaltet er auf dem Beifahrersitz seinen ganz eigenen „Dirty Protest“.
Bruder Zwei wird nie wieder die billige Option wählen. Bis zum nächsten Mal.
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