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Nissan Qashqai im Test: Dritte Generation mit neuen Stärken

Blaues Nissan Qashqai SUV, stehend auf Ausstellungsfläche mit modernen Scheinwerfern und glänzendem Lack.

Der Ariya, Nissans erstes vollelektrisches SUV, kommt im Sommer 2022 auf den Markt und weist der Elektrifizierungsstrategie der japanischen Marke den Weg, den der LEAF bereits eingeschlagen hatte. Unabhängig davon trägt Nissans eigentlicher Best-seller weiterhin einen Namen: Qashqai.

Er war es, der 2007 SUV/Crossover massentauglich machte, und seither wurden bereits über drei Millionen Exemplare verkauft. Diese Zahl ist enorm – und sie erhöht jedes Mal den Erwartungsdruck, wenn ein Update ansteht oder, wie jetzt, eine komplett neue Generation debütiert.

In diesem dritten Kapitel ist der Nissan Qashqai größer als je zuvor. Die Ausstattungsliste wurde erweitert, Technik- und Sicherheitsangebot wurden ausgebaut, und optisch gibt es ein neues Auftreten – geprägt vom bekannten „V-Motion“-Kühlergrill der jüngsten Modelle der Marke.

Diogo Teixeira hat euch schon vor drei Monaten im ersten Kontakt auf portugiesischen Straßen gezeigt, was sich beim japanischen Crossover alles verändert hat. Das Video könnt ihr unten ansehen (oder erneut ansehen!). Ich hatte ihn nun fünf Tage lang (rund 600 km) als 1.3 mit 158 PS und handgeschaltetem Sechsgang-Getriebe – und berichte, wie er sich geschlagen hat.

Design des Nissan Qashqai: Verändert – und zwar zum Guten!

Optisch wirkt der neue Nissan Qashqai wie ein frisches Modell, auch wenn er nicht vollständig mit den Linien des Vorgängers gebrochen hat. Genau das sorgt dafür, dass man ihn weiterhin sofort als Qashqai erkennt.

Die neue Formensprache orientiert sich klar an den aktuellen Modellen aus dem Land der aufgehenden Sonne: Ein groß dimensionierter „V-Motion“-Grill und eine sehr schmal gezeichnete LED-Lichtsignatur prägen die Front.

Erstmals sind 20”-Felgen erhältlich. Damit wirkt der Qashqai deutlich präsenter auf der Straße und vermittelt mehr Robustheit – nicht zuletzt wegen der sehr weit ausgeformten Radhäuser und der markanten Schulterlinie.

Dazu kommt: Der Qashqai ist in allen Dimensionen gewachsen. Die Länge liegt nun bei 4425 mm (+35 mm), die Höhe bei 1635 mm (+10 mm), die Breite bei 1838 mm (+32 mm) und der Radstand bei 2666 mm (+20 mm).

Bei den Proportionen sind die Änderungen klar zu sehen. Während dieses Tests parkte ich einmal neben einem Qashqai der zweiten Generation – der Unterschied ist deutlich. Und was außen bei Erscheinungsbild und Präsenz auffällt, macht sich innen ebenso bemerkbar.

Platz für alles und… alle!

Der längere Radstand bringt 28 mm mehr Beinfreiheit für die Fondpassagiere (608 mm). Und dank der höheren Karosserie gibt es 15 mm zusätzlichen Kopfraum.

Auf dem Papier klingt das schon nach einem soliden Schritt – und in der Praxis merkt man es, sobald man in der zweiten Reihe Platz nimmt. Dort lassen sich problemlos zwei Erwachsene mit durchschnittlicher Körpergröße und ein Kind unterbringen. Oder beispielsweise zwei Kindersitze plus eine Person in der Mitte…

Auch hinten im Kofferraum gab es einen spürbaren Zuwachs. Neben 74 Litern mehr Volumen (insgesamt 504 Liter) ist die Öffnung breiter geworden – möglich durch eine andere „Verpackung“ der Hinterachskonstruktion.

Dynamik überrascht

Mit der Einführung der CMF-C-Plattform wurden die Familienqualitäten dieses SUV nochmals aufgewertet – was angesichts des dokumentierten Wachstums wenig überrascht.

Deutlich überraschender fallen die Fortschritte beim Fahrverhalten aus. Dass der Qashqai hierfür eine komplett neue Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung bekommt, dürfte dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Apropos Fahrwerk: Der Qashqai kann hinten entweder mit einer Torsionslenkerachse oder mit einer aufwendigeren, unabhängigen Aufhängung an allen vier Rädern ausgerüstet sein – genau diese Variante bin ich gefahren.

Tatsächlich ist die Weiterentwicklung gegenüber der zweiten Generation schnell zu erkennen. Die Lenkung arbeitet wesentlich präziser, die Wankbewegungen in Kurven sind gut im Griff, und die Dämpfung bleibt auf einem durchaus angenehmen Niveau.

Das zeigt sich besonders im Sport-Modus: Die Lenkung wird etwas gewichtiger, das Gaspedal reagiert direkter, und das Auto animiert zu einem höheren Tempo. In diesem Bereich gibt es an diesem SUV wenig auszusetzen – er macht seine Sache sehr ordentlich. Selbst wenn man es etwas übertreibt, hilft das Heck mit, um das Einlenken zu erleichtern.

Und abseits der Straße?

Die Bilder zu diesem Test verraten es bereits – aber für alle, die nicht genau hingeschaut haben: Ich habe den Qashqai auch auf „schlechte Wege“ geschickt. Ein Wochenende im Alentejo brachte unterschiedliche Anforderungen mit sich: Autobahn, Landstraßen und lange Schotter-/Feldwege.

Gerade letzteres war klar das Terrain, auf dem der Qashqai am ehesten Schwächen zeigen konnte. Schließlich fuhr ich ein Exemplar mit strafferem Hinterbau sowie 20”-Rädern und 235/45-Reifen.

Im Gelände bzw. auf schlechten Pisten „bezahlt“ man diese Kombination: Die großen Felgen und das eher harte Setup lassen den Qashqai etwas unruhig wirken. Dazu traten härtere Vibrationen und Geräusche aus dem hinteren Bereich stärker hervor.

Und auf der Autobahn?

Hier dreht sich das Bild komplett: Der Qashqai fühlt sich wie „ein Fisch im Wasser“. Seine Langstreckenqualitäten sind besser denn je, die straffere Abstimmung wird beim Komfort nicht zum Problem, und insgesamt fährt er sich sehr entspannt.

Zum Wohlfühlen tragen außerdem die zahlreichen Fahrerassistenzsysteme bei – darunter der adaptive Cruise Control, der Spurhalteassistent sowie die Distanzregelung zum unmittelbar vorausfahrenden Fahrzeug.

Motor hat „mehrere Gesichter“

Auf der Autobahn wirkt der 1.3 Turbo-Benziner – Dieselvarianten gibt es in dieser Generation nicht – mit 158 PS (eine Version mit 140 PS ist ebenfalls verfügbar) stets souverän. Er zeigt eine interessante Elastizität und ermöglicht Verbräuche um 5,5 l/100 km.

In der Stadt hat er mich dagegen nicht in gleichem Maß überzeugt. In unteren Drehzahlbereichen (bis 2000 rpm) wirkt der Motor eher träge, sodass man ihn häufiger höher drehen und stärker mit dem Getriebe arbeiten muss, um die gewünschte Bereitschaft zu bekommen. Und selbst das 12-V-Mild-Hybrid-System kann dieses Gefühl nicht wirklich entschärfen.

Auch die Schaltmechanik ist nicht die schnellste – ich kann mir vorstellen, dass die CVT-Version das Erlebnis verbessert. Zudem ist das Kupplungspedal sehr schwer, was die Dosierbarkeit beeinträchtigt. In Summe führt das gelegentlich zu unerwünschten Rucklern.

Und der Verbrauch?

Wenn mich der Qashqai auf der Autobahn beim Verbrauch positiv überrascht hat – ich lag konstant nahe bei 5,5 l/100 km –, fielen die Werte auf der „freien Straße“ höher aus als vom japanischen Hersteller angegeben: Nach fünf Testtagen und 600 km zeigte der Bordcomputer im Schnitt 7,2 l/100 km.

Ist das das richtige Auto für Sie?

Er wird den Markt nicht mehr so prägen wie 2007 – und das kann er auch kaum, denn er selbst hat den SUV/Crossover-Boom erst ausgelöst. Heute ist das Segment voll mit wertigen Alternativen und so umkämpft wie nie. Trotzdem präsentiert sich der Qashqai in seiner dritten Generation weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Das Design lässt zwar nicht automatisch Köpfe drehen, vermittelt aber klar: Das ist ein anderer, reiferer und hochwertiger wirkender Qashqai. Der japanische Crossover bietet mehr Platz und ist mit Ausstattung und Technologie bestückt, die man nicht ignorieren kann. Auch Montagequalität und Materialien sind spürbar weiterentwickelt.

Rechnet man dazu die Vielseitigkeit, die ihn seit jeher auszeichnet, den niedrigen Autobahnverbrauch und die überzeugende Dynamik bei höherem Tempo, wird klar: Er hat alles, um für Nissan erneut ein Erfolg zu werden.

Das Verhalten auf schlechten Untergründen verdient einen Hinweis – wobei mir bewusst ist, dass die 20”-Felgen und das straffere Fahrwerk hier ihren Anteil haben dürften. Der Motor hat mich ebenfalls nicht vollständig überzeugt, da er unten heraus Schwächen zeigt. Wer jedoch weiß, wie man ihn nutzt und die Drehzahl nicht zu stark absinken lässt, wird damit gut zurechtkommen.

Trotzdem gebe ich zu: Ich bin neugierig auf den neuen Hybrid e-Power. Dort dient der Benziner ausschließlich als Generator und ist nicht mit der Antriebsachse gekoppelt – den Vortrieb übernimmt ausschließlich der Elektromotor.

Dieses System, das den Qashqai zu einer Art Benzin-Elektroauto macht, kombiniert einen Elektromotor mit 190 PS (140 kW), einen Inverter, einen Stromgenerator, eine (kleine) Batterie und natürlich einen Benzinmotor: einen komplett neuen, dreizylindrigen 1.5 l Turbobenziner mit 154 PS, der als erster Motor mit variabler Verdichtung in Europa auf den Markt kommt.


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