Jetzt ist es so weit: Nachdem wir den neuen Audi Q4 e-tron bereits getarnt und auch sein Interieur schon vorab gesehen hatten, lassen sich nun endlich die endgültigen Proportionen, Flächen und Linien des Modells sowie seines sportlicher gezeichneten „Bruders“, des Q4 Sportback e-tron, in aller Ruhe beurteilen.
Das neue elektrische SUV-Duo ist zugleich die erste Audi-Baureihe, die auf der MEB-Plattform des Volkswagen Konzerns basiert – derselben Architektur, die auch dem Volkswagen ID.4 und dem Škoda Enyaq iV zugrunde liegt und künftig ebenso beim CUPRA Born zum Einsatz kommen wird.
Mit 4590 mm Länge, 1865 mm Breite und 1613 mm Höhe nimmt der Audi Q4 e-tron Rivalen wie den Mercedes-Benz EQA oder den Volvo C40 Recharge ins Visier. Gleichzeitig stellt Audi einen sehr großzügigen Innenraum mit viel Technik in Aussicht – darunter etwa ein Head-up-Display mit Augmented Reality.
Aerodynamik im SUV-Format
Obwohl es sich um hoch bauende Karosserien mit SUV-Genen handelt, wirken die Formen unverkennbar Audi-typisch und bleiben den vorausgegangenen Concepts auffallend nah. Gleichzeitig legt Audi erkennbar Wert auf einen niedrigen Luftwiderstand: Der Cx-Wert beträgt lediglich 0,28. Beim Sportback fällt er dank schlankerer Silhouette und bogenförmig verlaufender Dachlinie sogar auf 0,26.
Passend dazu betont Audi den intensiven Feinschliff bei der Aerodynamik. So gibt es Lamellen in den vorderen Lufteinlässen, die je nach Kühlbedarf der Batterien öffnen oder schließen – was 6 km zusätzliche Reichweite bringen soll. Auch der Unterboden wurde gezielt optimiert.
Dort kommen unter anderem Spoiler vor den Vorderrädern zum Einsatz, die den Luftstrom verbessern (+14 km Reichweite). Zudem sind die Querlenker der Hinterachse teilweise verkleidet (+ 4 km Reichweite). Ergänzend reduziert ein Heckdiffusor den positiven Auftrieb an der Hinterachse.
Platz ist reichlich vorhanden
Wie bei anderen MEB-Modellen versprechen auch Q4 e-tron und Q4 Sportback e-tron sehr großzügige Innenraummaße, die laut Audi an größere Fahrzeuge aus höheren Segmenten heranreichen.
Möglich macht das vor allem die Plattform-Architektur: Elektromotoren beanspruchen grundsätzlich weniger Bauraum, und die zwischen den Achsen im Fahrzeugboden integrierten Batterien schaffen zusätzliche Zentimeter im Innenraum. Weil die Antriebe direkt an den Achsen sitzen, entfällt außerdem ein Kardantunnel – der Innenraumboden ist vollständig eben.
Ähnliches gilt für den Kofferraum, der gemessen an den Außenabmessungen üppig ausfällt. Audi nennt 520 l Ladevolumen für den Q4 e-tron – ein Wert auf Augenhöhe mit dem größeren Q5. Beim dynamischer auftretenden Q4 Sportback e-tron steigt die Kapazität bemerkenswerterweise auf 535 l.
Für den Innenraum des Q4 e-tron gibt Audi zudem insgesamt 25 l an Ablagevolumen an – inklusive Handschuhfach. Besonders ungewöhnlich ist dabei ein Fach, in dem sich Flaschen bis zu einem Liter verstauen lassen; es sitzt im oberen Bereich der Tür.
Digitalisierung dominiert, aber…
Im Innenraum gibt klar die Digitalisierung den Ton an. Anders als manche Konkurrenz – und auch einige Konzernverwandte auf derselben Basis – folgt Audi jedoch nicht konsequent dem minimalistischen Trend, nahezu alle physischen Tasten aus dem Cockpit zu verbannen.
Ähnlich wie beim neuen A3 bleiben bestimmte Bedienelemente als echte Taster erhalten, etwa für die Klimatisierung. Das erspart Umwege über das Infotainment MMI Touch (10,1″ serienmäßig, optional 11,6″) und kommt der Bedienbarkeit spürbar zugute.
An Technik mangelt es dennoch nicht: Als Instrumentenanzeige dient das bekannte Audi Virtual Cockpit mit 10,25”. Die eigentliche Premiere ist jedoch ein neues Head-up-Display mit Augmented Reality (optional).
Der Q4 e-tron ist der erste Audi mit dieser Lösung. Dabei werden Informationen – einschließlich Navigationshinweisen – ins Sichtfeld eingeblendet und auf die Windschutzscheibe mit unterschiedlichen Tiefenebenen projiziert, sodass die Inhalte scheinbar über dem realen Bild „schweben“.
Drei Leistungsstufen, zwei Batterien
Zum Start ist der neue Audi Q4 e-tron in drei Varianten vorgesehen: Q4 35 e-tron, Q4 40 e-tron und Q4 50 e-tron quattro. Dazu kommen zwei Batteriegrößen: einmal 55 kW (52 kWh netto) und einmal 82 kWh (77 kWh netto).
Der Audi Q4 35 e-tron nutzt einen Heckmotor mit 170 cv (und 310 Nm) – entsprechend erfolgt der Antrieb über die Hinterräder – und ist mit der 55 kWh-Batterie kombiniert. Damit werden 341 km Reichweite angegeben. Der Q4 Sportback 35 e-tron kommt etwas weiter und erreicht 349 km.
Beim Audi Q4 40 e-tron bleibt es ebenfalls bei einem Heckmotor und Hinterradantrieb, die Leistung steigt jedoch auf 204 cv (und 310 Nm). Hier kommt die größere 82 kWh-Batterie zum Einsatz. Die Reichweite liegt bei 520 km – der Bestwert innerhalb der Q4-e-tron-Familie.
Als vorläufiges Topmodell positioniert Audi den Q4 50 e-tron quattro. Wie die Bezeichnung nahelegt, verfügt er über Allradantrieb, realisiert über einen zweiten Motor an der Vorderachse mit 109 cv. Dadurch steigt die Systemleistung auf 299 cv (und 460 Nm). Diese Version ist ausschließlich mit der 82 kWh-Batterie erhältlich und kommt auf 488 km Reichweite im Q4 e-tron beziehungsweise 497 km im Q4 Sportback e-tron.
Bei den Fahrleistungen sprinten 35 e-tron und 40 e-tron in 9,0s bzw. 8,5s auf 100 km/h; beide sind bei 160 km/h abgeregelt. Der 50 e-tron quattro erledigt den Standardsprint in 6,2s, die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 180 km/h.
Wenn das alles eher… „sympathisch“ wirkt, liegt ein wesentlicher Grund vermutlich im Gewicht dieser Elektro-SUV. Wie bekannt, bedeuten Batterien viel Masse: Der Audi Q4 e-tron bringt in der leichtesten Ausführung (30 e-tron) 1890 kg auf die Waage, in der schwersten (50 e-tron quattro) sind es 2135 kg.
Laden
Audi Q4 e-tron und Q4 Sportback e-tron lassen sich mit Wechselstrom bis 11 kW und mit Gleichstrom bis 125 kW laden. Im DC-Fall sollen 10 Minuten Ladezeit genügen, um 208 km Reichweite nachzuladen.
Mit der kleineren Batterie (55 kWh) fallen die Ladeleistungen etwas geringer aus: Dann sind bis 7,2 kW (AC) und bis 100 kW (DC) möglich.
Unter Kontrolle
Durch die Batterieposition zwischen den Achsen im Boden der MEB-Plattform erhält der Q4 e-tron einen niedrigeren Schwerpunkt, als man ihn bei einem SUV erwarten würde. Auch die Gewichtsverteilung profitiert und liegt laut Audi in allen Versionen nahe bei 50/50.
Vorne setzt Audi auf eine MacPherson-Konstruktion, hinten arbeitet eine Mehrlenkerachse – insgesamt fünf Lenker – deren Grundlayout an größere Modelle der Marke erinnert. Auch die Räder fallen groß aus: Die Felgendurchmesser reichen von 19″ bis 21″, wobei einige Designs ausdrücklich auf bessere Aerodynamik ausgelegt sind.
Besonders bemerkenswert an der Abstimmung ist, dass die meisten Varianten Heckantrieb haben – eine für Audi eher ungewöhnliche Auslegung. Abgesehen vom R8 gibt es bei der Marke keine Modelle, die von Grund auf als Hecktriebler konzipiert wurden. Entsprechend wäre bei diesen SUV tendenziell eher Übersteuern als Untersteuern zu erwarten; Audi verweist jedoch darauf, dass Regelsysteme wie das ESC (Stabilitätskontrolle) darauf ausgelegt sind, das markentypisch präzise und sichere Fahrverhalten abzusichern.
Wer mehr Dynamik möchte, kann zwei optionale Pakete wählen: Dynamic und Dynamic Plus. Das Dynamic-Paket ergänzt ein Sportfahrwerk (serienmäßig bei S line), das die Bodenfreiheit um 15 mm reduziert, ersetzt die Lenkung durch eine progressive (serienmäßig bei quattro) und fügt Fahrmodi hinzu (serienmäßig beim Sportback).
Dynamic Plus geht weiter und bringt eine adaptive Dämpfung mit, die sich automatisch in Intervallen von fünf Millisekunden anpasst. Zusätzlich greift es über die Bremsen mithilfe des ESP (Stabilitätskontrolle) ein, um das Drehmoment gezielter an die Räder zu leiten, die es am dringendsten benötigen.
Trommelbremsen sind zurück
Vorne übernehmen Scheibenbremsen mit Durchmessern zwischen 330 mm und 358 mm die Verzögerung. Hinten gibt es dagegen den „guten alten“ Trommelmechanismus… wie bitte? Ganz genau.
Audi begründet das nachvollziehbar: Bei Elektrofahrzeugen mit Rekuperation wird die mechanische Bremse deutlich seltener und weniger intensiv genutzt als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dadurch steigt die Lebensdauer von Belägen und Scheiben um ein Vielfaches, und die Austauschintervalle werden wesentlich länger – Fälle, in denen Beläge deutlich mehr als 100 mil quilómetros halten, seien sehr häufig.
Mit Trommelbremsen lässt sich der Verschleiß zusätzlich reduzieren, der Wartungsaufwand sinkt und auch das Korrosionsrisiko fällt geringer aus.
Der Audi Q4 e-tron in Portugal
Für Portugal ist die Markteinführung des Audi Q4 e-tron für Juni angekündigt, mit Preisen ab 44 700 euros. Der Q4 Sportback e-tron folgt später; sein Start wird für das Ende des Sommers erwartet, eine Preisindikation liegt dafür noch nicht vor.
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