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Citroën C4 im Segment C: Komfort statt Golf-Formel

Weißer Citroën C4 ESSAI SUV im modernen Autohaus mit großer Glasfassade im Hintergrund.

Im Segment C, in dem der neue Citroën C4 antritt, braucht es keine besondere Beobachtungsgabe, um zu erkennen, dass die übliche „Erfolgsformel“ häufig von einem Modell vorgegeben wird: dem Volkswagen Golf.

Nach unzähligen Jahren an der Spitze hat sich der deutsche Bestseller als Massstab etabliert – und viele Hersteller versuchen, genau dieses Volkswagen-Rezept nachzubauen. Viele, aber eben nicht alle.

Aus Frankreich kommt nun der neue Citroën C4, der in diesem Segment mit einer typisch französischen „Rezeptur“ punkten will: konsequenter Komfortfokus und ein eigenständiger Auftritt.

Doch reichen die Argumente? Ist es Citroën gelungen, an jene erfolgreiche Grundidee anzuknüpfen, die schon bei vielen Vorgängern als Basis diente? Um das herauszufinden, habe ich den C4 in der stärksten Benziner-Ausführung getestet: mit dem 1.2 PureTech mit 130 cv und einer Achtgang-Automatik.

Optisch eine gelungene Ansage

Für mich war Citroën seit jeher gleichbedeutend mit einem Design, das sich vom Rest des Strassenbilds abhebt. „Schuld“ daran war ein Citroën BX aus der Nachbarschaft, der mich morgens mit seiner hydropneumatischen Federung und den teilweise abgedeckten Hinterrädern beeindruckt hat.

Umso erfreulicher ist es, dass Citroën beim C4 wieder sichtbar auf eine Optik „ausserhalb der Norm“ setzt. Gefällt das jedem? Natürlich nicht. Aber Modelle wie Ami 6, GS oder BX waren ebenfalls nicht unumstritten – und dennoch erfolgreich.

Als Mischung aus „Coupé“-Crossover und Hatchback bleibt der neue C4 nicht unbemerkt: sei es durch die markante Lichtsignatur vorn oder durch den Spoiler, der die Heckscheibe zweiteilt (eine Heckscheibenwischer fehlt dort allerdings). Mehr Abstand hätte Citroën vom generischen, eher anonymen Look des früheren C4 (nicht zu verwechseln mit dem C4 Cactus) kaum gewinnen können.

Interessant: Innen wirkt das Design zurückhaltender, dafür sehr zweckmässig. Die Materialien sind überwiegend hart, sehen dank Strukturierung aber ansprechend aus; auch die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik.

Dazu kommen echte Pluspunkte im Alltag: physische Tasten für die Klimatisierung (die Ergonomie bedankt sich), ein unkompliziertes und zugleich vollständiges Infotainmentsystem sowie ein digitales Kombiinstrument, das trotz kleinem Bildschirm in Kombination mit dem (optional, aber fast unverzichtbaren) Head-up-Display gut funktioniert.

Komfort steht über allem

Wenn der neue C4 beim mutigen Auftritt seine Citroën-Wurzeln nicht verleugnet, gilt das ebenso für den Komfort: Auch hier enttäuscht der Franzose nicht.

Es ist wohltuend zu sehen, dass Citroën in einer Zeit, in der viele Marken ihr Fahrverhalten immer stärker in Richtung Sportlichkeit schieben, bewusst den entgegengesetzten Weg geht und dem Komfort erneut Priorität einräumt.

So sind die fahrdynamischen Fähigkeiten des C4 durchaus ordentlich: Die Lenkung ist direkt und ausreichend präzise, allerdings zeigt die Karosserie ein spürbares Wanken, sobald man sich dem Grenzbereich nähert. Entsprechend sollte niemand erwarten, dass der neue C4 zum „König des Nürburgrings“ wird – das ist schlicht nicht sein Auftrag.

Seine Stärken liegen woanders: Als Reisepartner macht der C4 eine sehr gute Figur und auf schlechten Strassen fühlt er sich besonders wohl. Gröbere Unebenheiten bügelt er so souverän weg, dass man manchmal kaum merkt, dass man gerade über eine kleine Mondkrater-Imitation gefahren ist.

Gerade weil viele Strassen eher an rauen Alltag als an eine Teststrecke erinnern, ist dieser Komfort-Schwerpunkt vermutlich gar keine schlechte Idee. Auf gut ausgebauten Autobahnen überzeugt zudem die Stabilität, die Sitze sind angenehm, und die Dämmung enttäuscht nicht – auch wenn sie ein paar Nuancen hinter einigen deutschen Wettbewerbern liegt.

Der 1.2 PureTech harmoniert dabei sehr gut mit der weich schaltenden Achtgang-Automatik und zeigt seine beste Seite im Fahrmodus „Normal“. In diesem Setting sind gute Verbrauchswerte möglich (bei mir waren es im Schnitt 5,5 l/100 km), ohne dass die Fahrleistungen darunter leiden – zügige Tempi sind problemlos machbar.

Im Modus „Eco“ wirken die 130 cv dagegen spürbar schläfriger, zudem verliert das Gaspedal deutlich an Sensibilität. Sinnvoll ist dieser Modus vor allem für lange Autobahnetappen bei konstantem Reisetempo. Der Modus „Sport“ lässt den Motor zwar williger erscheinen, passt aber letztlich weniger zum entspannten und komfortorientierten Charakter des neuen C4.

Ist das das richtige Auto für Sie?

Wer einen kompakten Familienwagen sucht, der sich in mehreren Punkten klar von der Konkurrenz absetzt – vom Design bis hin zur eigenen Ausrichtung –, für den kann der Citroën C4 eine besonders interessante Alternative im Segment sein.

Er bietet nicht die Zurückhaltung eines Volkswagen Golf, nicht das dynamische Fahrverhalten eines Ford Focus oder Honda Civic und auch nicht das Raumangebot eines Skoda Scala. Dafür ist er vermutlich der komfortabelste Vertreter seiner Klasse – und es ist angenehm zu sehen, dass im Segment C auch einmal gezielt die Wünsche eines anderen Käufertyps bedient werden.


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