Der Denza Z will Europas beste Supersportwagen herausfordern, doch dieser kurze erste Kontakt liess einige Fragen offen.
Wenn es um aussergewöhnliche Sportwagen geht, fallen fast zwangsläufig Namen wie Porsche 911 Turbo, Corvette Z06 oder Ferrari 12Cilindri. Einen chinesischen Wagen würden wohl nur wenige in diese exklusive Auswahl aufnehmen.
Denza, die Premium-Marke des BYD-Konzerns, möchte das ändern und ein Segment aufmischen, das seit Jahrzehnten von europäischen und nordamerikanischen Herstellern geprägt wird. Gerade in Europa haben Prestige und Tradition weiterhin grossen Einfluss auf die Kaufentscheidung.
Chinesischen Marken mag es bei der Namensgebung bisweilen an Einfallsreichtum fehlen – schliesslich ist der letzte Buchstabe des Alphabets seit Langem mit einem Nissan-Sportwagen verbunden. Dem Denza Z mangelt es jedoch weder an Ambition noch an beeindruckenden Werten: 1604 PS, 1240 Nm und ein angekündigter Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,25 Sekunden.
Unter potenziellen Käufern dieses kleinen Segments ist Denza bislang nahezu unbekannt. Vereinfacht gesagt soll die Marke für BYD das sein, was Lexus für Toyota oder Genesis für Hyundai ist: exklusiver positioniert, mit eigenständigem Design, luxuriösem Innenraum, aussergewöhnlicher Leistung und entsprechendem Preisniveau.
Mehr fürs Geld
Der flache, schlanke Denza Z soll als Coupé, Cabriolet und in einer nochmals radikaleren Racing-Ausführung angeboten werden. Die Basisversion dürfte etwas weniger als 160.000 Euro kosten – absolut betrachtet viel Geld, im Vergleich zu mehreren europäischen Rivalen mit ähnlicher Leistung jedoch deutlich weniger.
Ein Porsche Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket kostet rund 80.000 Euro mehr und leistet 500 PS weniger. Dafür punktet er mit einer stärkeren Marke, besserer Gesamtqualität und einer fahrdynamischen Kompetenz, die der Denza erst noch unter Beweis stellen muss.
Als Elektroauto besitzt der Z zudem ein wichtiges Argument: einen 76-kWh-Akku, der das ultraschnelle Flash-Charging-Ladesystem von BYD nutzen kann.
Unter idealen Bedingungen und an einer kompatiblen Ladesäule nennt die Marke eine Spitzenleistung von 1500 kW. Damit soll ein Ladevorgang in rund neun Minuten möglich sein. Offen bleibt, wann diese Infrastruktur in Europa verfügbar sein wird und wie lange das Fahrzeug Ladeleistungen nahe diesem Wert halten kann.
Für einen ersten Eindruck vom Denza Z ging es im Rahmen des diesjährigen Goodwood Festival of Speed zur Rennstrecke Goodwood im Süden Englands. Ein vollständiger Test stand nicht an, sondern lediglich drei Runden auf den jeweils 3860 Metern langen Kurs – insgesamt etwas mehr als 10 Kilometer.
Helm auf, Gurt zu, und ein Denza-Ingenieur nahm auf dem Beifahrersitz Platz, um Übertreibungen zu verhindern. Los geht’s.
Vor dem „Starten“
Vor der Abfahrt blieb Zeit für einen Blick auf den Innenraum. Die Vordersitze sind bequem, und weite Teile des Interieurs sind mit hochwertigem Leder bezogen. Die Verarbeitung wirkt überzeugend, allerdings haben einige Kunststoffe in einem Auto, das Porsche, McLaren oder Lamborghini herausfordern will, nichts verloren.
Auch die Displays wirken zu gewöhnlich. Sie könnten ebenso gut in einem BYD Dolphin eingebaut sein, ohne dass jemand überrascht wäre. Das trägt kaum zu dem Exklusivitätsgefühl bei, das man bei einem Supersportwagen dieser Preisklasse erwartet.
Das Cockpit ist im Wesentlichen für zwei Personen ausgelegt. Die hinteren Plätze eignen sich vor allem für zusätzliches Gepäck oder allenfalls für Kinder auf kurzen Strecken. Fahrer und Beifahrer bis 1,90 m finden ausreichend Raum, doch selbst bei geringerer Körpergrösse war es mit aufgesetztem Helm nicht leicht, im Z eine bequeme Sitzposition zu finden.
Gedrosselte Pferdestärken
Die Einschränkungen dieses ersten Fahreindrucks waren zahlreich. Der Boost-Modus war nicht freigeschaltet, die Stabilitätskontrolle musste vollständig aktiviert bleiben, und die Leistungsentfaltung war bewusst progressiv abgestimmt. Das Ergebnis: eine gewisse Ernüchterung. Die ballistische, fast unwirkliche Beschleunigung anderer Elektroautos mit mehr als 1000 PS, die ich bereits gefahren bin, stellte sich nicht ein.
Bei einem späteren, umfassenderen Test muss sich zeigen, ob der Z seine Daten auf dem Papier auch auf die Strasse bringt. Und diese Daten sind eindrucksvoll.
An der Hinterachse arbeiten zwei Motoren mit jeweils 340 kW (462 PS), vorne sitzt ein dritter Antrieb mit 500 kW (680 PS). Zusammen ergibt das 1180 kW (1604 PS), das maximale Drehmoment liegt bei 1240 Nm. Und dies ist erst die Einstiegsversion.
Denza gibt für den Sprint von 0 auf 100 km/h 2,25 Sekunden sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h an. An diesen Wert konnten wir uns weder wegen der Beschränkungen der Strecke – ihre Geraden sind für ein Auto dieser Leistung besonders kurz – noch wegen der engen Vorgaben des Testingenieurs annähern.
Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch begrenzt, um Energieverbrauch und Akkutemperatur zu kontrollieren. Dank der für ein Fahrzeug mit dieser Leistung eher kleinen Kapazität von nur 76 kWh konnte das Gewicht bei rund 2,2 Tonnen gehalten werden.
Die Carbon-Keramik-Bremsen mit Sechskolben-Bremssätteln vorne und Vierkolben-Bremssätteln hinten benötigen etwas Temperatur, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Danach liefern sie jedoch die erwartete Bremskraft und Fading-Resistenz.
Die Sitze könnten dagegen mehr Seitenhalt bieten. Auch die Lenkung würde von stärkerer Rückmeldung profitieren – insbesondere angesichts von Rivalen, zu denen einige der präzisesten und informativsten Lenkungen der Branche gehören.
Mit allen aktiven Elektroniksystemen löst ein etwas zu schneller Kurveneingang einen deutlich spürbaren Eingriff der Stabilitätskontrolle aus: Sie unterbricht die Leistungsabgabe und beschränkt die Agilität. Dennoch ist erkennbar, dass vor allem die Hinterräder schieben, statt dass die Vorderräder ziehen. Das hilft dem Z beim Eindrehen und verleiht ihm ein weniger neutrales Fahrverhalten.
Noch blockiertes Potenzial
Mehrere Funktionen dieser Vorserienversion waren noch nicht aktiviert. Dazu zählten der rote Boost-Knopf rechts am Lenkrad und der Track Mode auf der gegenüberliegenden Seite.
Laut den Denza-Ingenieuren macht der Boost die Gaspedalreaktion für 20 Sekunden um 30 % aggressiver. Nach der Aktivierung ändern das Kombiinstrument und der Zentralbildschirm ihre Darstellung, um die zusätzliche Leistung anzuzeigen.
Auch die Schaltwippen hinter dem Lenkrad waren noch nicht funktionsfähig. Sie sollen Gangwechsel eines Getriebes simulieren. Das ist bedauerlich, denn gerade auf der Rennstrecke könnten sie das Fahrerlebnis intensiver machen.
Anspruchsvolle Aufhängung
Mit dem Z führt Denza zudem das intelligente Dämpfungssystem DiSus-M in Verbindung mit der e3-Plattform ein. Die Dämpfer arbeiten mit einer magnetorheologischen Flüssigkeit, deren Viskosität mittels Magnetfeld innerhalb von Millisekunden verändert werden kann. So lassen sich Zug- und Druckstufe nahezu augenblicklich anpassen.
Der Fahrkomfort überzeugt für einen Supersportwagen und verspricht eine gewisse Alltagstauglichkeit auf Strassen, deren Asphalt weniger perfekt ist als der nahezu makellose Belag in Goodwood. An allen vier Rädern arbeitet eine Einzelradaufhängung: vorne mit doppelten Dreieckslenkern, hinten mit Mehrlenker-Konstruktion. Hinzu kommen Luftfedern und eine variable Dämpfung.
Für Käufer, denen 1604 PS nicht genügen, bereitet Denza die Racing-Version vor. Mit speziellen Reifen steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 350 km/h, während der Sprint von 0 auf 100 km/h weniger als zwei Sekunden dauern soll. Ausserdem erhält sie einen riesigen Heckflügel; die Luftfedern weichen Schraubenfedern, um die Stabilität bei hohem Tempo zu verbessern.
Nicht teuer … gemessen am Gebotenen
Denza hat den endgültigen Preis des Z für Europa noch nicht bekannt gegeben, erste Schätzungen deuten jedoch auf einen Betrag leicht unter 160.000 Euro hin. Sollte sich das bestätigen, läge er deutlich unter den mehr als 250.000 Euro für einen Porsche Taycan Turbo GT mit 1034 PS.
Noch grösser fällt der Unterschied beim 911 Turbo S aus: Der Denza könnte weniger als die Hälfte der über 324.000 Euro kosten, die in Portugal verlangt werden. Ja, der Porsche fährt mit Benzin, ist auf diesem Niveau aber auch die Referenz und dem Denza Z konzeptionell am ähnlichsten.
Natürlich erzählen Preis – weniger als die Hälfte –, Leistung – mehr als das Doppelte – und Beschleunigung nicht die ganze Geschichte. Der Denza muss zeigen, dass er bei fahrdynamischer Präzision, Gesamtqualität und Markenimage an die Porsche herankommt.
Trotzdem wird ihm bei einem Preis von unter 160.000 Euro kaum vorzuwerfen sein, für das Versprochene zu teuer zu sein. In einigen europäischen Märkten sollen die Bestellungen noch 2026 starten, die ersten Auslieferungen sind vor Jahresende vorgesehen. Ob er nach Portugal kommt, ist allerdings noch nicht bestätigt.
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