Frank Stephenson zählt zu den Autodesignern mit mehr Erfolgen als die Beatles. Zu seinen Entwürfen gehören unter anderem der Escort RS Cossie, der erste BMW Mini, der Maser MC12, zahlreiche Ferraris und der McLaren P1. Heute führt er seine eigene Beratung, Frank Stephenson Design. Hier erklärt er seine Einschätzung zum elektrischen Grand Tourer Polestar 5.
Als vergleichsweise junge Marke verfolgt Polestar das Ziel, eine eigenständige Designsprache zu entwickeln, die skandinavische Werte und Prinzipien widerspiegelt. Mit dem neuen Polestar 5 ist das zweifellos gelungen – wenn auch mithilfe einiger Kniffe.
Das Verdienst dafür gebührt Nahum Escobedo, dem es sehr überzeugend gelungen ist, aus dem Precept-Konzeptfahrzeug von vor fünf Jahren ein seriennahes Auto zu machen. Fünf Jahre können in der heutigen Autodesignwelt zwar eine Ewigkeit sein, doch das Exterieur des 5 wirkt für die Marke weiterhin frisch. Ganz typisch schwedisch strahlt es Schlichtheit aus und verzichtet vollständig auf Effekthascherei.
Frontpartie des Polestar 5
Vorn fällt mangels eines markentypischen Kühlergrills vor allem ein Detail auf: die LED-Scheinwerfer in Form von Thors Hammer. Ihre Lichtsignatur scheint von der Schwestermarke Volvo inspiriert zu sein. Der sehr coole und ausgesprochen wirkungsvolle Nasenflügel des Precept hat offenbar entweder die letzte technische Abstimmung oder die finale Marketingentscheidung nicht überstanden. Übrig geblieben sind nun eine stark abfallende Motorhaube und Kotflügelflächen, die auf die niedrige Front eines Sportwagens hindeuten. Radar und Sensoren sind sauber in den lufteinlasslosen, allsehenden Bereich der vorderen Stossstange integriert.
Der Frontspoiler des Precept hat es nicht in die Serie geschafft. Schade. Die Architektur eines Elektroautos ermöglicht eine extrem niedrig gestaltete Front.
Seitenansicht und Heckgestaltung
In der Seitenansicht verbindet der 5 gelungene mit weniger überzeugenden Gestaltungselementen und erzeugt so ein dezent angenehmes Profil. Die klar von der Luftfahrt inspirierte Proportion zwischen Kabine und Karosserie funktioniert gut. Das schön weit nach hinten gezogene dunkle Glasdach senkt zudem die optische Höhe des Fahrzeugs. Die untere Karosserieseite weist jedoch keine klare Bewegungsrichtung auf und wirkt in ihrer Gesamtgrafik viel zu symmetrisch, um einen Vorwärtsdrang zu betonen. Dadurch verliert der 5 leider an Dynamik. Die schön gestalteten, offenen und polierten Räder ergänzen den sportlichen Charakter dieses leistungsstarken GT zwar, doch die gerade Anzahl ihrer Speichen lässt sie statisch erscheinen.
Die kräftige hintere Schulter führt zu einem scharfen Heckabschluss mit ausgeprägtem Kammheck, was der Aerodynamik zugutekommt. Die seitliche Gestaltung ist jedoch zu symmetrisch und vermittelt keine Richtung. Das Raddesign ist wunderschön, aber vier Speichen lassen das Auto unbeweglich wirken. Die verlängerte Glasfläche nimmt der Seitenansicht optische Masse. Die Platzierung der dritten Bremsleuchte ist bedauerlich. Keine Heckscheibe – ein reines Klischee!
Innenraum und Auftritt
Der Innenraum ist klar und minimalistisch, aber wo bleibt die Seele?
Die Haltung ist grossartig, doch die hintere Lichtsignatur bleibt schwach.
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