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Apollo Evo: Warum straßenzugelassene Hypercars immer schwieriger werden

Schwarzes Bugatti Concept-Rennwagen mit großem Heckspoiler auf Rennstrecke bei bewölktem Himmel.

Apollo Evo: Ein kompromissloses Tracktool

Während ich für das neueste First-Look-Video von TG filmte, hielt ich respektvoll Abstand zum Apollo Evo. Seine messerscharfe, auf maximalen Abtrieb ausgelegte Karosserie wirkt, als könnte sie mich wie ein Schlachthaus aus Carbonfasern aufschlitzen. Dabei ließ mich ein Gedanke nicht los:

Wie kann dieses Auto bitte eine Straßenzulassung haben?

Überall blitzen riesige Bereiche der Reifen frei hervor, und rundum stehen Winglets, die Fußgänger geradezu filetieren könnten. Der V12 besitzt keinerlei Schalldämpfung und läuft extrem fett; beim Hochdrehen aus dem Leerlauf stößt er daher eine schwarze Rauchwolke aus. Das Ganze ist derart radikal und ungefiltert – und Moment mal: Wo soll überhaupt das Kennzeichen hin?

Natürlich: Der Apollo Evo ist keineswegs für die Straße zugelassen. Für den Einkauf ist er ungefähr so geeignet wie ein Eurofighter Typhoon oder einer jener „Crawler“, mit denen die NASA Raketen zur Startrampe zieht.

Zunächst ließ mich das das Auto etwas weniger respektieren. Denn die wirklich schwierige Aufgabe beim Bau eines modernen Supersportwagens besteht nicht darin, ihn auf der Geraden schnell zu machen, ihn durch Kurven zu schicken, als wäre er magnetisch mit dem Asphalt verbunden, oder ihn für Instagram wiederholt bis zur Drehzahlgrenze zu drehen, ohne dass er explodiert.

Die eigentliche Herausforderung sind die Prüfungen zu Crashsicherheit, Lärm, Fußgängeraufprall und Emissionen. Alles zutiefst unsexy, aber unverzichtbar.

Ein Aston Martin Valkyrie verlangt einem auf öffentlichen Straßen, ehrlich gesagt, einiges ab. Doch allein die Tatsache, dass man ihn legal auf britischen Straßen zwischen Taxis, Motorrollern und Vauxhall Mokkas bewegen darf, zeigt, wie intensiv an jedem Detail gearbeitet wurde.

Das ist zugleich unfassbar teuer, wahnsinnig schwierig und womöglich überflüssig.

Ich fragte die Verantwortlichen hinter Apollo, ob die zehn Verrückten, die einen Evo kaufen, verärgert darüber seien, ihn nicht auf der Straße fahren zu dürfen. Leicht zusammengefasst lautete ihre Antwort: „Wir bezweifeln, dass sie das davon abhält.“

Straßenzulassung und die Realität für Hypercars

Offenbar hatte ich dieses Thema zu sehr aus britischer Sicht betrachtet. Hier in Großbritannien gibt es Kameras für Geschwindigkeitsverstöße, gelbe Kreuzungsbereiche, Busspuren, Parkplätze und rote Ampeln, dazu Dashcams und mittlerweile sogar Kameras mit Lärmbegrenzung, die einen wegen eines kernigen Auspuffs belangen. In einem auffälligen Auto wird man schärfer beobachtet als in einem Hochsicherheitsgefängnis.

Fährt man mit einem Pagani Huayra R Evo oder Ferrari FXXK die Kensington High Street entlang, wird man sofort gemeldet. Höchstwahrscheinlich von einer KI.

In anderen wichtigen Märkten für Supersportwagen ist die Einstellung dazu, was genau straßentauglich ist, allerdings etwas entspannter. Die Geldgeber von Apollo weisen darauf hin, dass auch der Intensa Emozione V12 als Rennstreckenauto niemals für den Straßenverkehr homologiert wurde. Trotzdem tauchten einige Exemplare bei berüchtigten Straßenrallyes und nächtlichen Club-Ausfahrten auf.

Ganz ehrlich: Wer das Geld für einen Hypercar einer extrem limitierten Kleinserie herumliegen hat, kann jedes Bußgeld der Behörden für Fahrten ohne Auspuffeinsätze, Blinker oder Kennzeichen locker wegwischen.

Damit will ich keineswegs gutheißen, dass Wohlhabende über dem Gesetz stehen. Ich sage nur, dass dies – ob es einem gefällt oder nicht – der Realität entspricht. Forza Horizon im echten Leben.

Lanzante macht Tracktools straßentauglich

Dabei könnten Hersteller sich viel Ärger ersparen, denn der britische Engineering-Spezialist Lanzante verdient gut damit, reine Rennstrecken-Sondermodelle tatsächlich zu legalisieren.

Lanzante hat bereits einen Pagani Zonda R, mehrere Porsche 935 und zuletzt einen Bugatti Bolide zertifiziert. Die Qualität dieser Umbauten ist exquisit. Nachdem das Unternehmen 1995 einen Sieg bei den 24 Stunden unterstützt hatte, verschaffte es sich erneut einen Namen, indem es die legendären McLaren F1 GTR aus Le Mans für die Straße tauglich machte.

TopGear.com hat zudem erfahren, dass mindestens ein Einzahler für den absurd extremen Red Bull RB17 bei Lanzante angefragt hat. Geprüft werden soll ein Straßenumbau für das Raumschiff mit 1,200bhp starkem Cosworth-V10. Kommt Adrian Newey in seinem Valkyrie häufig so spät zur Arbeit, dass er etwas Schnelleres braucht?

Es wäre selbstverständlich ein tragischer Verlust, falls Ferrari, McLaren, Pagani und Co. alle zu dem Schluss kämen, dass sich Straßenautos nicht mehr lohnen, die den Tag verschönern, wenn sie auf der Umgehungsstraße an einem vorbeischießen.

Doch konforme Hypercars zu bauen wird immer schwieriger, und manchen Kunden scheint es gleichgültig zu sein, ob sie streng genommen auf der Straße fahren – oder Rennen bestreiten – dürfen, solange sie schnell, laut, selten und besonders sind …

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