Genesis bereitet seinen Markteintritt in Portugal für 2027 vor. Die Premiummarke der Hyundai Motor Group wird das Land in der dritten Phase ihrer europäischen Expansion aufnehmen.
Das Ziel ist allerdings nicht, die Stückzahlen von Audi, BMW oder Mercedes-Benz zu erreichen. 2025 setzte Genesis in den drei europäischen Märkten, in denen die Marke vertreten war, rund 2500 Fahrzeuge ab. Bis 2030 soll diese Zahl auf 12 500 Einheiten pro Jahr verfünffacht werden.
Der Start in Portugal fällt in eine Phase des Umbruchs für Genesis in Europa. Nachdem das europäische Angebot auf Elektroautos konzentriert wurde, plant die Marke ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027 die Einführung von Benzin-Hybridmodellen und für 2028 Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer.
Auch weltweit verfolgt Genesis Wachstumspläne über die Marke von gut 200 000 Fahrzeugen jährlich hinaus. 2025 waren es 220 000 Einheiten, wobei Südkorea der wichtigste Markt war, gefolgt von den USA und dem Nahen Osten.
Bis 2030 sollen weltweit 350 000 Fahrzeuge erreicht werden. Zugleich soll Genesis zum globalen Verkaufsziel der Hyundai Motor Group von 5,5 Millionen Fahrzeugen jährlich bis zum Ende des Jahrzehnts beitragen. Noch wichtiger ist jedoch, die Rentabilität des Konzerns zu steigern – wie es bei Premiummarken in der Automobilindustrie üblich ist.
Reichen diese Ziele aber aus, um die deutschen Premiumhersteller herauszufordern und der wachsenden Konkurrenz chinesischer Marken zu begegnen? Über die europäische Strategie von Genesis sprachen wir mit Peter Kronschnabl, Geschäftsführer von Genesis Motor Europe.
Genesis in Europa: Anspruch gegenüber Premiumkonkurrenz
Die Premiummarken japanischer Konzerne hatten auf dem anspruchsvollen europäischen Markt, auf dem Käufer dem Markenwert große Bedeutung beimessen, bislang wenig oder gar keinen Erfolg. Wie will Genesis diese große Herausforderung meistern?
Peter Kronschnabl: Unser strategischer Ansatz besteht darin, Fahrzeuge in Europa zu entwickeln. Mit unseren Design- und Entwicklungszentren in Frankfurt können wir Modelle schaffen, die stärker auf die Vorlieben europäischer Kunden zugeschnitten sind. Außerdem erreichen unsere Innenräume auch im Vergleich mit den deutschen Premiummarken ein Spitzenniveau.
Welche der drei deutschen Premiummarken – Audi, BMW und Mercedes-Benz – steht Genesis Ihrer Meinung nach hinsichtlich Modellportfolio und Kundenprofil am nächsten?
PK: Diese Marken beherrschen das Premiumsegment in Europa und sind für uns durchaus Wettbewerber, an denen wir uns orientieren. Dabei geht es mir nicht um Verkaufsvolumen, sondern um Qualität, Design und technische Kompetenz. Dennoch wollen wir unseren eigenen Weg gehen und uns nicht darauf beschränken, anderen zu folgen.
Hyundai und Kia sind innerhalb des Konzerns weltweit und auch in Europa am stärksten der chinesischen Offensive ausgesetzt. Raubt Ihnen die Expansion chinesischer Marken in Premiumsegmente den Schlaf?
PK: Wir haben großen Respekt vor dem, was chinesische Marken in den vergangenen 2–3 Jahren erreicht haben. Ja, sie nähern sich einem Premiumkunden an, der auch unsere Zielgruppe ist. Wir sind nicht besorgt, aber ebenso wenig arrogant genug, diese Realität zu ignorieren. „Aufmerksam“ ist das richtige Wort.
Unabhängig davon verfügt unser Konzern über ein halbes Jahrhundert Erfahrung in dieser Branche, über Marken mit hohem Kundenvertrauen sowie über ein bewährtes Servicenetz, das wir selbstverständlich für Genesis nutzen können.
Was Genesis unterscheidet
Deutsche Premiummarken stehen für Ingenieurskunst, japanische für Zuverlässigkeit und Effizienz und chinesische für ihr Preis-Leistungs-Verhältnis sowie Elektrotechnologie. Welches Merkmal könnte Kunden dazu bewegen, sich für eine koreanische Premiummarke wie Genesis zu entscheiden?
PK: Unser wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist aus meiner Sicht der Umgang mit unseren Kunden. Dem Genesis-Konzept liegt der Gedanke „Gastfreundschaft: Seien Sie mein Gast“ zugrunde. Jeder Kunde soll sich wie ein echter Gast fühlen und nicht bloß wie ein weiterer Käufer. Diese Philosophie prägt die gesamte Hyundai Motor Group, wird bei Genesis jedoch auf eine andere Ebene gehoben.
Weil wir kleiner sind als die deutschen Premiumhersteller, können wir eine wesentlich individuellere Betreuung bieten und jedem Kunden das Gefühl geben, wirklich einzigartig zu sein. Darüber hinaus bauen wir ein Serviceniveau auf, das über das im Segment Übliche hinausgeht: mit fünf Jahren Herstellergarantie sowie Leistungen wie der Abholung des Fahrzeugs zu Hause für Wartungsarbeiten und der Rücklieferung nach dem Werkstattaufenthalt.
Antriebsstrategie von Genesis in Europa
Wie sieht die Antriebsstrategie von Genesis für Europa aus?
PK: In Europa haben wir 2025 den Verkauf von Benzinfahrzeugen eingestellt und sind zu einer rein elektrischen Marke geworden. Allerdings haben wir erkannt, dass sich die Einführung von Elektroautos nicht in dem von den Gesetzgebern erwarteten Tempo entwickelt. Deshalb wird es bis 2035 entscheidend sein, unser Angebot ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027 um Hybridlösungen ohne Plug-in-Funktion und 2028 um Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (EREV) zu ergänzen.
Hyundai und Kia standen in den vergangenen Jahren an der Spitze der Innovation: zunächst mit der 800-Volt-Elektroarchitektur und zuletzt mit Technologien wie dem System, das in den elektrischen Hyundai-N-Modellen ein Getriebe und den Klang eines Verbrennungsmotors simuliert. Braucht auch Genesis eine „Signatur“-Technologie, die die Marke von anderen Premiummarken abhebt?
PK: Es ist ein enormer Vorteil, dass wir sowohl in Südkorea als auch in Europa über technische Kompetenzzentren verfügen, in die wir unsere Investitionen deutlich ausgebaut haben.
Hervorheben möchte ich auch unser Engagement im Motorsport mit dem Magma-Programm in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC), das durch den erfolgreichen Auftritt bei den jüngsten 24 Stunden von Le Mans stärker in den Fokus gerückt ist.
Alle Premiummarken sind im Rennsport stark vertreten, weil dieser ein echtes Entwicklungslabor ist. Er hilft dabei, Präzision, Qualität von Software und Hardware, die Effizienz des elektrischen Antriebs und natürlich die Fahrleistungen der Fahrzeuge weiterzuentwickeln.
Genesis hat seine Präsenz im Motorsport verstärkt, doch die Formel 1 bietet Automarken weiterhin die größte globale Sichtbarkeit. Kann Genesis sich vorstellen, dass die F1 künftig Teil der eigenen Pläne wird?
PK: Ohne Zweifel besitzt die Formel 1 eine globale Wirkung und erreicht ein Publikum von rund 800 Millionen Menschen. Die Langstrecken-Weltmeisterschaft ist jedoch mit etwa 400 Millionen Zuschauern die Disziplin mit der zweitgrößten Reichweite. Darüber hinaus ist sie auch deshalb sinnvoll, weil die Fahrzeuge, mit denen wir in der WEC antreten, den Autos, die wir verkaufen, deutlich näher sind. Das erleichtert, wie bereits erwähnt, den Technologietransfer.
Künftige Ziele
Welche Erkenntnisse hat Genesis fünf Jahre nach dem Start in Europa über das Vertriebsmodell und die Expansion in weitere Länder dieser Region gewonnen?
PK: Seit unserem Europastart 2021, als wir in Großbritannien, Deutschland und der Schweiz antraten, haben wir viel gelernt. Damals entschieden wir uns für ein Agenturmodell beziehungsweise, wenn man es so nennen möchte, für Direktvertrieb.
Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass ein Händlernetz sinnvoller ist. Genau diese Strategie setzen wir nun in der zweiten Expansionswelle um, die die Niederlande, Frankreich, Italien und Spanien umfasst. Selbstverständlich wird dasselbe Modell auch in der dritten Welle angewendet, zu der Portugal, Österreich, Dänemark und Polen gehören.
Bis 2027 soll die Zahl der derzeit 23 Verkaufsstandorte auf mehr als 50 Händler steigen. Das Servicenetz wiederum soll von aktuell 65 auf über 200 Servicepunkte bis Ende des kommenden Jahres wachsen. Der erste exklusive Händler eröffnete im April dieses Jahres in Amsterdam, Ende Juni folgte der zweite in Padua, Italien.
Dieses Eröffnungstempo soll während der weiteren Markenausweitung beibehalten werden. Geplant ist eine Kombination aus exklusiven Händlern und eigenständigen Bereichen mit separatem Eingang sowie Premiumservices – auch dann, wenn sie in Betriebe integriert sind, die weitere Marken der Hyundai Motor Group vertreten.
Genesis-Verkaufsziele bis 2030
Betrachtet man die weltweiten Genesis-Verkäufe 2025, entfielen ungefähr 40 % auf Südkorea, 37 % auf die USA und 23 % auf den Rest der Welt – Europa einschließlich Großbritannien, den Nahen Osten und Australien. Wie wird sich die Bedeutung Europas bis zum Ende des Jahrzehnts entwickeln?
PK: Ich kann Ihnen schildern, welche Position wir für 2030 erwarten – im Einklang mit den Vorstellungen des Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden der Hyundai Motor Group, José Muñoz.
2025 verkauften wir in den drei Märkten, in denen wir vertreten waren, rund 2500 Fahrzeuge; aktuell sind etwa 12 000 Genesis in Europa unterwegs. Unser Mindestziel lautet, dieses jährliche Verkaufsvolumen bis 2030 zu verfünffachen und damit mindestens 12 500 Fahrzeuge pro Jahr neu zuzulassen.
Dabei ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht auf sehr hohe Stückzahlen ausgerichtet sind. Entscheidend ist, Genesis in Europa nachhaltig und langfristig als Premiummarke wachsen zu lassen.
Der portugiesische Markt weist einen hohen Anteil an Verkäufen von Modellen aus günstigeren Segmenten auf, und das Land verfügt im europäischen Vergleich über eine schwache Wirtschaft. Dennoch hat Genesis entschieden, bereits 2027 dort einzusteigen …
PK: Ja, Portugal ist ein vergleichsweise kleiner Markt, besitzt aber eine interessante Besonderheit: Premiummarken erzielen dort sehr hohe Marktanteile. Das gilt auch für noch exklusivere Segmente wie Porsche, das auf dem portugiesischen Markt eine sehr starke Entwicklung erreicht.
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