Durch das manuelle Anheben von Mautschranken konnte eine britische Familie fast sechs Monate lang kostenlos durch Frankreich reisen. Am 8. August fand ihre Tour jedoch ein Ende.
Britische Familie wegen Mautbetrugs auf der A36 gestoppt
Nun wurden sie gefasst. Seit mehreren Monaten stand ein Konvoi aus drei Fahrzeugen im Verdacht, wiederholt Mautschranken auf dem französischen Autobahnnetz umgangen zu haben – insbesondere auf der A36 zwischen Beaune und Ottmarsheim. Am 8. August versuchten sie ihre Masche erneut nahe Belfort, entkamen den Behörden diesmal aber nicht.
„Zum Glück befand sich eine Streife der Motorradstaffel von Villars-sous-Ecot in der Nähe. Daraufhin beschlossen wir, am nächsten Mautposten eine Kontrollaktion einzurichten“, berichten die Einsatzkräfte. Die Kontrolle wurde an der Mautstelle Saint-Maurice-Colombiers im Département Doubs aufgebaut. Dort wurden die Verdächtigen auf frischer Tat ertappt.
Die britische Familie hatte eine genau eingespielte Vorgehensweise. Kurz vor der Mautstelle stieg der Beifahrer des ersten Autos aus, um die Schranke von Hand anzuheben. Sobald alle drei Fahrzeuge hindurchgefahren waren, stieg der Mann wieder ein. Anschließend setzte der Konvoi seine Fahrt fort, ohne einen einzigen Cent bezahlt zu haben.
Die Betreibergesellschaft APRR beziffert die durch die nicht entrichteten Mautgebühren entstandenen Verluste auf rund 3.000 Euro. Die Familie wurde noch am selben Tag zur Rückzahlung dieser Summe aufgefordert.
Häufige Betrugsfälle an französischen Mautstellen
Solche Vorfälle gehören auf französischen Autobahnen zum Alltag. „Wir erhalten viele Meldungen von APRR. Allerdings verfügen wir nicht immer über die Einsatzkräfte, um sofort vor Ort zu sein“, erklärt die Abteilung zur Verkehrsüberwachung im Département Doubs. „Die Betrüger sind oft zu ungewöhnlichen Zeiten an weniger überwachten Mautstellen unterwegs“, heißt es weiter.
Um die Zahlung zu umgehen, greifen die Täter zu unterschiedlichen Methoden: Manche heben die Schranke von Hand an, andere erzwingen die Durchfahrt mit dem Fahrzeug. Auch der Missbrauch von Kfz-Kennzeichen kommt häufig vor.
Das französische Autobahnsystem
Frankreich verfügt über rund 9.200 Kilometer mautpflichtige Autobahnen. Im ganzen Land gibt es mehrere hundert Mautstellen, die von etwa zehn privaten Unternehmen betrieben werden. Das System basiert auf dem Konzessionsprinzip.
Statt Bau und Modernisierung der großen Verkehrsachsen über die Steuern aller Bürger zu finanzieren, überträgt der Staat die Verwaltung des Netzes an private Unternehmen. Damit tragen ausschließlich die tatsächlichen Nutzer der Autobahnen über die Maut zur Finanzierung der Infrastruktur bei.
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