Der Lamborghini Revuelto SV bringt das Kürzel Super Veloce zurück – allerdings mit einer Premiere: Erstmals ist es mit einem Hybridsystem verbunden.
Das Konzept folgt weiterhin dem Muster früherer SV-Modelle: höhere Performance, stärkere Ausrichtung auf die Rennstrecke und eine unmittelbarere Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug. Neu ist die Elektrifizierung, denn sie liefert die zusätzlichen 50 PS.
Mehr Leistung ohne Änderungen am V12
Der Revuelto SV kombiniert den bekannten 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit drei Elektromotoren und erreicht damit eine Systemleistung von 1065 PS – 50 PS mehr als der Revuelto. Das maximale Drehmoment beträgt 1425 Nm.
Der V12 selbst bleibt jedoch bei 825 PS. Alessandro Farmeschi, verantwortlich für die Revuelto-Baureihe bei Lamborghini, bestätigte während einer Gesprächsrunde, an der Razão Automóvel teilnahm, dass der gesamte Leistungszuwachs aus dem elektrischen Antriebsteil stammt.
Dafür hat Lamborghini eine vollständig neue Batterie entwickelt. Ihre Außenmaße bleiben unverändert, doch sie verfügt über neue zylindrische Zellen mit höherer Energiedichte und eine auf 7,3 kWh gesteigerte Kapazität. Damit ist sie nahezu doppelt so groß wie die 3,8-kWh-Batterie des Revuelto.
Ziel war nicht, die elektrische Reichweite zu erhöhen. „In einem Lamborghini müssen wir von A nach B fahren und dabei das Fahren genießen“, erklärte Farmeschi. Die elektrische Energie soll vor allem die Beschleunigung unterstützen, die Drehmomentverteilung an der Vorderachse verbessern und auf der Rennstrecke eine gleichmäßigere Leistung sicherstellen.
Nach Angaben der Marke ermöglicht die neue Batterie eine bis zu viermal höhere Leistungskonstanz, sodass die maximale Leistung auf der Strecke länger gehalten und häufiger abgerufen werden kann.
Größere Batterie bei identischem Gewicht
Üblicherweise sind Lamborghini-Modelle mit dem Kürzel SV leichter als die jeweiligen Ausgangsmodelle. Beim Revuelto SV ist das nicht der Fall.
Auf Nachfrage bestätigte Farmeschi, dass das Gewicht exakt dem des Revuelto entspricht. Die größere Batterie und einige Bauteile der neuen Aufhängung erhöhen zwar die Masse, Lamborghini gleicht dies jedoch durch einen umfangreicheren Einsatz von Carbonfaser aus.
Die vordere Stoßstange, der Heckflügel, Türverkleidungen und Rennsitze gehören zu den Komponenten, die zur Gewichtsbilanz beitragen. Das Trockengewicht liegt bei 1772 kg, das Leistungsgewicht bei 1,66 kg/PS.
Lamborghini Revuelto SV mit weniger Elektronik im Fahrwerk
Eine weitere wesentliche Änderung betrifft das Fahrwerk. Der Revuelto nutzt elektronisch geregelte magnetorheologische Stoßdämpfer. Im Revuelto SV werden sie durch passive, manuell vierfach einstellbare Dämpfer ersetzt, deren Konzept von GT3-Rennwagen inspiriert ist.
Statt die Abstimmung über das Lenkrad zu verändern, legt der Fahrer die Konfiguration vor dem Befahren der Rennstrecke fest und passt sie dem Belag sowie den jeweiligen Bedingungen an. Lamborghini verspricht einen agileren Revuelto mit 10 % mehr Seitenhaftung.
Auch die Bremsen sind neu. Die CCM-R Plus-Keramikbremsen verwenden längere Carbonfasern und eine spezielle Beschichtung, um die Reibung zu erhöhen und Wärme besser abzuleiten. Die Verzögerung von 200 km/h auf 0 km/h erfolgt laut Farmeschi nach 110 Metern – 11 Meter früher als beim Revuelto.
Hinzu kommen speziell für den SV entwickelte Bridgestone Potenza Race R Semi-Slick-Reifen sowie der neue Fahrmodus Pilota. Er wird in Corsa aktiviert und erlaubt die Wahl zwischen fünf Eingriffsstufen für Traktions- und Stabilitätskontrolle.
Warum der Lamborghini Revuelto SV keine aktive Aerodynamik besitzt
Der feststehende Heckflügel des Lamborghini Revuelto SV zählt zu den auffälligsten Unterschieden gegenüber dem bekannten Revuelto. Diese Lösung wurde bewusst gewählt.
Farmeschi erklärte, Lamborghini habe ein aktives System untersucht, sei jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass der feste Flügel und das übrige Aerodynamikpaket effizient genug seien, um zusätzliches Gewicht, weitere Komponenten und höhere Komplexität nicht zu rechtfertigen. Außerdem besteht ein historischer Bezug: Auch Aventador SV und Murciélago SV waren mit einem festen Flügel ausgestattet.
„Jeder Teil des Autos hat einen Grund, so zu sein. Es geht nicht nur um Ästhetik“, fasste Farmeschi zusammen. Die Front wurde überarbeitet, hinzu kommen ein neuer Splitter, ein modifizierter Unterboden und ein Heckflügel mit Doppeldesign. Die neuen 20- und 21-Zoll-Räder führen zudem erstmals bei einem Lamborghini-Serienmodell eine Zentralverschlussbefestigung ein.
Insgesamt erzeugt der Revuelto SV 80 % mehr Abtrieb als der Revuelto und verbessert das Verhältnis zwischen Abtrieb und Luftwiderstand um 60 %. Die Abtriebskraft liegt außerdem 10 % über jener des Aventador SVJ.
Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert er in 2,4 s, 200 km/h erreicht er nach 6,7 s, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 345 km/h. In Hockenheim fuhr Marco Mapelli eine Runde in 1 min 41,6 s – die beste von Lamborghini angekündigte Zeit eines Serienfahrzeugs auf dieser Strecke.
Wann kommt er?
Der Revuelto SV wird auf 1963 Exemplare limitiert sein, als Verweis auf das Gründungsjahr von Lamborghini. Die Produktion beginnt Ende 2026, die ersten Auslieferungen sind für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
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