Für die meisten Europäer ist GAC bislang nahezu unbekannt. In China stellt sich die Lage jedoch völlig anders dar: Die Guangzhou Automobile Group zählt zu den großen Automobilkonzernen des Landes und hat kürzlich die Schwelle von 30 Millionen produzierten Fahrzeugen erreicht.
In den vergangenen Jahrzehnten wuchs das Unternehmen sowohl mit eigenen Marken als auch durch Joint Ventures mit Herstellern wie Toyota und Honda. Diese Zusammenarbeit erklärt mit, weshalb GAC als „chinesischer Toyota“ bezeichnet wird: Neben dem im Heimatmarkt erworbenen Ruf für Qualität und Zuverlässigkeit profitierte der Konzern viele Jahre lang vom Know-how einiger der größten japanischen Hersteller.
Nun möchte GAC einen Teil dieses Weges in Europa wiederholen. Nach dem Start in Märkten wie Portugal, Polen und Finnland verfolgt die Marke ein deutlich ambitionierteres Ziel: Bis 2028 soll nahezu der gesamte Kontinent abgedeckt sein.
Zwei Modelle zum Start
In Portugal begann der Markteintritt mit dem Aion V, einem elektrischen SUV mit 204 PS, einer 75,3-kWh-Batterie und bis zu 510 km WLTP-Reichweite.
Wir konnten ihn bereits eine Woche lang fahren, und seine wichtigsten Stärken zeigten sich schnell: viel Platz, eine umfangreiche Serienausstattung, hoher Komfort und überzeugende Verbrauchswerte. Die Preise beginnen dabei bei etwas über 40.000 Euro.
Der zweite Schritt heißt Aion UT und folgt einem deutlich anderen Konzept. Der fünftürige Kompaktwagen ist 4,27 m lang und soll in einem der wichtigsten Segmente des europäischen Marktes antreten.
Er verfügt über einen Elektromotor mit 150 kW (204 PS), eine 60-kWh-LFP-Batterie und eine WLTP-Reichweite von bis zu 430 km. Mit Preisen ab 26.560 Euro bildet er den Einstieg in die GAC-Modellpalette in Portugal.
GAC hat bereits Wurzeln in Europa
Die Expansion beschränkt sich nicht darauf, chinesische Autos in europäische Autohäuser zu bringen. GAC baut auf dieser Seite der Welt zugleich eine industrielle und operative Präsenz auf.
Der Aion UT wurde vom europäischen Designteam der Marke in Mailand entworfen und wird seit März bei Magna in Graz, Österreich, montiert. Nach dem Aion V ist er bereits das zweite GAC-Modell, das die österreichischen Fertigungslinien verlässt.
Hinzu kommen die europäische Zentrale in Amsterdam sowie ein Teilevertriebszentrum in den Niederlanden. Auch wenn der kommerzielle Ausbau noch am Anfang steht, wird die nötige Struktur für weiteres Wachstum bereits aufgebaut.
Auch die Wahl von Magna ist keineswegs ein Sprung ins Ungewisse. Das Werk in Graz verfügt über jahrzehntelange Erfahrung bei der Produktion von Fahrzeugen für unterschiedliche Marken und ermöglicht es GAC, einen Teil der Montage zu lokalisieren, ohne ein europäisches Werk komplett neu errichten zu müssen.
Was kommt nach den Aion-Modellen?
Derzeit tragen Aion V und Aion UT die europäische Offensive, doch GAC hat bereits gezeigt, dass das Angebot deutlich breiter werden könnte.
Auf der IAA Mobility 2025 in München präsentierte der Konzern weitere Modelle: den höher positionierten Hyptec HL, das SUV S7 und den Van E9. Noch wichtiger war der Hinweis darauf, dass die europäische Strategie künftig nicht allein auf reine Elektroautos beschränkt sein könnte: Auch Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Antriebe stehen zur Diskussion.
Bislang ist keines dieser Modelle für Portugal bestätigt, und GAC hat ebenfalls keinen Zeitplan für die Markteinführungen genannt. Sie machen jedoch deutlich, dass Aion V und UT erst den Anfang darstellen.
Bis 2028 liegt die Priorität zunächst anders: GAC will in weitere Länder expandieren, das Vertriebs- und Servicenetz ausbauen und die industrielle Präsenz stärken.
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