Der Hersteller hat sein großes Vorhaben für einen geländetauglichen SUV begraben: den viel diskutierten Rivalen der Mercedes G-Klasse. Ausschlaggebend sind die massiven Turbulenzen, mit denen BMW auf den weltweiten Märkten konfrontiert ist.
Für die deutsche Marke ist dies eine deutliche Kurskorrektur. Die Nachfrage in China schwächelt, neue lokale Wettbewerber erhöhen den Druck aggressiv, hinzu kommen US-Zölle und die Umweltvorgaben in Europa – das Umfeld hat sich grundlegend gewandelt. BMW ordnet seine Strategie deshalb neu. Der neue Markenchef Milan Nedeljković setzt auf profitable Entscheidungen, statt jede denkbare Nische zu besetzen.
Zu den Opfern dieser umfassenden Bereinigung gehört auch das mit Spannung erwartete Projekt eines großen Offroad-SUV, das intern den Code G74 trug. Das Fahrzeug sollte sich im äußerst einträglichen Segment luxuriöser 4×4-Modelle etablieren und der legendären Mercedes G-Klasse sowie dem Range Rover unmittelbar Konkurrenz machen. Nun liegt das Projekt auf Eis. Vieles spricht dafür, dass dieses Modell niemals auf deutschen Straßen fahren wird.
Nach den enttäuschenden Verkaufszahlen des XM und den kommerziellen Misserfolgen früherer „GT“-Baureihen will der Hersteller im aktuellen Umfeld kein weiteres Vorhaben eingehen, das als zu riskant gilt. Zudem ist der Terminplan bereits voll: BMW hat sich vorgenommen, bis Ende 2027 insgesamt 40 Neuheiten oder Modellpflegen auf den Markt zu bringen. Unter diesen Voraussetzungen lassen sich Ressourcen nicht auf ein Schwergewicht verteilen, dessen wirtschaftlicher Erfolg keineswegs sicher ist.
BMW G74: Eine komplexe Entwicklung
Bevor das G74-Projekt in der Schublade verschwand, verlief seine Entwicklung ausgesprochen wechselhaft. Der erste Impuls entstand, nachdem ein Rivian-Pick-up die Ingenieure der Marke beeindruckt hatte. Zunächst wurde daraus ein rein elektrisches Fahrzeug auf Basis der künftigen Neue-Klasse-Plattform. Später wechselte das Konzept jedoch auf die CLAR-Architektur. Dieser letzte Schritt sollte eine breite Motorenpalette ermöglichen: Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektroversionen. Zusätzlich war eine Produktion in den USA vorgesehen.
Flexible Antriebe statt eines reinen Elektro-SUV
Diese Vielseitigkeit reichte letztlich dennoch nicht aus, um das Vorhaben zu retten. BMW wollte sich nicht auf ein starres reines Elektro-Konzept festlegen, um den unterschiedlichen Anforderungen der Weltmärkte gerecht zu werden. Nach Ansicht der Marke soll diese Flexibilität helfen, die gegenwärtigen industriellen Verwerfungen besser zu bewältigen.
BMW verliert an Tempo
Die jüngsten Halbjahresergebnisse des bayerischen Konzerns verdeutlichen die Krise der europäischen Automobilindustrie schonungslos. Der Umsatz sank um 8 % auf 62,3 Milliarden Euro, während der Nettogewinn um fast 28,5 % auf 2,9 Milliarden Euro zurückging.
Auch die operative Marge der Automobilsparte fiel auf den historisch niedrigen Wert von 2,3 %. Um die schwierige Phase zu überstehen, hat BMW seine angestrebte Jahresrentabilität deutlich auf 1 % bis 3 % gesenkt und beschleunigt einen weitreichenden Sparkurs, der zu riskante oder nachrangige Projekte streichen soll.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen