Zum Inhalt springen

EBRO: Vom spanischen Traditionsnamen zur SUV-Marke aus Barcelona

Weißer Elektro-SUV Ebro BCN in moderner Ausstellungshalle mit Panorama-Stadtblick im Hintergrund.

Vor etwas mehr als einem Jahr war EBRO lediglich ein Name aus der Geschichte der spanischen Automobilindustrie. Heute verfügt die Marke bereits über vier SUV, ein wachsendes Händlernetz und ein Werk in Barcelona, in dem wieder Fahrzeuge vom Band laufen.

Der Neustart begann im April 2024. EV Motors aus Spanien, das 2021 die Markenrechte erworben hatte, ging eine Partnerschaft mit Chery ein, um das frühere Nissan-Werk in der Zona Franca wiederzubeleben. Die Produktion dort hatte Ende 2021 geendet.

Chery beteiligte sich als Technologiepartner und Anteilseigner mit 40 % am Unternehmen und steuert Plattformen, Antriebe sowie industrielles Know-how bei. Bereits wenige Monate später verließen die ersten Fahrzeuge mit EBRO-Logo die Montagelinie.

Fast 70 Jahre Geschichte

Die Geschichte von EBRO reicht bis ins Jahr 1954 zurück: Damals führte Motor Ibérica die Marke für die Fertigung von Traktoren und Nutzfahrzeugen ein. 1967 zog das Unternehmen in die Zona Franca in Barcelona um, die sich später zu einem der wichtigsten Standorte der spanischen Automobilindustrie entwickelte.

Der Einstieg von Nissan in den 1980er-Jahren sollte letztlich das Ende der Marke einleiten. 1985 wurde das Unternehmen in Nissan Motor Ibérica umbenannt; zwei Jahre später verschwand der Name EBRO aus dem Markt.

Die Wiederbelebung dieser Bezeichnung, statt einen neuen Namen aus China einzuführen, ermöglicht es, eine Geschichte der Reindustrialisierung in Spanien zu erzählen. Ein traditionsreiches Werk ist erneut in Betrieb, Arbeitsplätze wurden zurückgewonnen und die Fahrzeuge werden innerhalb der Europäischen Union montiert.

Von Spanien nach Portugal

Im Jahr 2025 verkaufte EBRO in Spanien rund 14.000 Fahrzeuge und will in diesem Jahr mehr als 25.000 Einheiten erreichen. Nach der Festigung im Heimatmarkt begann die internationale Expansion auf der Iberischen Halbinsel.

In Portugal startete die Marke in diesem Jahr gemeinsam mit der Grupo MCoutinho und einem ersten Händlernetz in Porto, Aveiro, Viseu, Coimbra, Leiria und Lissabon. Bis zum Jahresende sollen 10 Händlerbetriebe erreicht werden.

Das Modellprogramm umfasst den S400, einen kompakten Hybrid-SUV, den S700, den siebensitzigen S800 sowie das Spitzenmodell S900. Alle Modelle nutzen gemeinsam mit Chery entwickelte Technologie; eine rein elektrische Variante ist bislang für keines von ihnen erhältlich.

Das erste Elektroauto von EBRO

Diese Lücke soll 2027 mit dem ersten eigenständigen Elektroauto der neuen EBRO geschlossen werden. Das bislang nur als Prototyp gezeigte Modell wird ein fünftüriger Kompaktwagen mit einer Länge von rund 4,2 m sein.

Der Elektromotor mit 90 kW (122 PS) wird an der Hinterachse sitzen, zudem sind zwei Batterien mit Reichweiten von annähernd 400 km vorgesehen. EBRO nennt Wechselstromladen mit bis zu 11 kW sowie eine Gleichstrom-Ladezeit von 20 bis 30 Minuten von 30 % auf 80 %.

Zur geplanten Ausstattung gehören ein 8,88″-Kombiinstrument, ein zentraler 15,6″-Bildschirm, 16 Fahrerassistenzsysteme und sechs Airbags. Sämtliche Angaben sind bis zur Vorstellung der Serienausführung weiterhin vorläufig.

Barcelona baut die Kapazitäten aus

Das Wachstum von EBRO hängt eng mit dem Umbau des Werks zusammen. Auf der in diesem Jahr eröffneten neuen Linie M1 werden S400 und S700 nahezu vollständig montiert. Die größeren S800 und S900 kommen dagegen weiterhin teilweise vormontiert aus China und werden auf der Linie M0 fertiggestellt.

2025 fertigte das Werk 17 308 Fahrzeuge; bis Ende dieses Jahres soll die Kapazität bei etwa 50.000 Einheiten liegen. Das derzeitige maximale Potenzial der Anlage beträgt rund 130.000 Fahrzeuge pro Jahr.

Geplant ist außerdem die Fertigung eines ersten Elektroautos einer Chery-Eigenmarke, Omoda oder Jaecoo. Welche Marke zum Zug kommt, ist allerdings noch nicht entschieden.

Von Barcelona aus will EBRO seine Expansion nun beschleunigen und dabei spanischen Markennamen, chinesische Technologie und europäische Produktion verbinden. Der Eintritt in drei weitere Märkte ist bereits bestätigt: Bulgarien, wo die Marke in diesem Monat gestartet ist, sowie Slowenien und Kroatien, wo der Marktstart im Oktober erfolgen soll.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen