Man sollte meinen, der Name verrate bereits alles: Es ist eine „Marathon-Etappe“, kein Sprint. Doch Rokas Baciuška hat diese Nachricht offenbar nicht erhalten. Der Defender-Pilot beherrschte die 9. Etappe der Rallye Dakar 2026 nach Belieben. In der Stock-Klasse siegte er mit gewaltigen 30 Minuten Vorsprung vor seiner Teamkollegin Sara Price und wahrte damit die bislang makellose Siegesserie der Marke in Saudi-Arabien.
Dakar 2026: Marathon-Etappe als 48-Stunden-Härtetest
Mit der zweiten Dakar-Woche stand auch die zweite Marathon-Etappe an, weshalb der Dienstag lediglich die erste Hälfte dieser 48-stündigen Belastungsprobe bildete. Die Motorradfahrer nahmen eine andere Route, sodass die Auto-Crews früher starten konnten und am Abend mehr Zeit für Reparaturen hatten. Denn die Marathon-Regeln überlassen die Teilnehmer sich selbst: Die Teammechaniker reisen nicht mit ins karge Nachtlager. Fahrer und Navigatoren müssen mit den mitgeführten Werkzeugen und Ersatzteilen eigenständig dafür sorgen, im Wettbewerb zu bleiben.
Bevor sie sich Gedanken über eine möglicherweise späte Nachtruhe machen konnten, mussten sie allerdings zunächst das Ziel der 9. Etappe erreichen. Die 410 Kilometer lange Wertungsprüfung führte nordwärts, weg von den Tälern des Wadi ad-Dawasir und mitten in die Wüste. Auf einen schnellen Beginn folgten kurvige, felsige Bergpisten. Eindrucksvolle Canyon-Passagen mündeten anschliessend in einen letzten Abschnitt mit weichen Dünen.
Ein gerissener Lichtmaschinenriemen hatte Defender-Pilot Stéphane Peterhansel und seinen Beifahrer Michaël Metge am Montag zum Anhalten gezwungen, während sie auf einen Assistenz-Lkw warteten. Zusätzlich zu dieser ersten Verzögerung erhielten sie wegen des Verlassens der Etappe eine Zeitstrafe von 24 Stunden. Der 14-fache Dakar-Sieger konnte jedoch nicht nur weiterfahren, sondern stürmte auf der 9. Etappe auch sofort los. Unbeeindruckt von den Schwierigkeiten des Vortags führte er die Stock-Klasse am ersten Kontrollpunkt mit einer Minute vor Baciuška und Price an.
Rokas Baciuška dominiert die Stock-Klasse
Nach 78 Kilometern hatte sich sein Vorsprung an der Spitze – nun vor dem Toyota Land Cruiser von Ronald Basso – auf drei Minuten verdreifacht und betrug am nächsten Kontrollpunkt bereits beeindruckende vier Minuten. Dann wurde Peterhansels Angriff durch den ersten von zwei auf dem harten Untergrund beschädigten Stossdämpfern ausgebremst. Der Reparaturstopp am Assistenzpunkt wendete das Blatt zugunsten von Baciuška. Der Litauer, der bereits die Etappen 1, 5 und 8 gewonnen hatte, übernahm gemeinsam mit Navigator Oriol Vidal nach der 186-Kilometer-Marke die Führung.
Baciuška blieb weiter voll auf dem Gas und lag nach drei Vierteln der Distanz 11,5 Minuten vor dem Verfolgerfeld. Auf dem Weg ins Ziel fuhr der 26-Jährige in einer eigenen Liga und beendete die 9. Etappe nach 4 Stunden 36 Minuten und 24 Sekunden. Sein Vorsprung beim Sieg betrug damit enorme 29 Minuten 39 Sekunden. Noch besser: In der Gesamtwertung der Stock-Kategorie liegt er nun deutlich mehr als drei Stunden vorn.
„Die Etappe war wieder lang“, sagte der aufstrebende Rallye-Raid-Star Baciuška. „Der erste Teil war felsig und hatte einige enge Kurven, aber es war eine schöne Etappe. Am Ende waren die letzten Dünenkilometer wirklich schwierig. Sie waren sehr weich. Wenn man sie nicht gut überquert, kann man stecken bleiben und dort viel Zeit verlieren. Wir haben das Auto in einem Stück ins Ziel gebracht. Jetzt werden wir es überprüfen, und dann sehen wir, was morgen kommt – noch mehr Dünen!“
Price und ihr Beifahrer Sean Berriman sicherten sich auf der Etappe Rang zwei und festigten damit P2 in der kombinierten Gesamtwertung der Stock-Division für serienbasierte Fahrzeuge. Der Defender Dakar D7X-R übernimmt seinen 4,4-Liter-Twin-Turbo-V8 direkt aus dem Defender OCTA und verfügt sogar über ein Getriebe, Antriebsstränge, Karosserie und Fahrgestell in Serienausführung.
Peterhansel erreichte mit 45 Minuten Rückstand auf Baciuška den fünften Tagesrang hinter zwei Toyotas. Der als „Mr Dakar“ bekannte Fahrer ist nach 35 früheren Teilnahmen mit dem Auf und Ab des wichtigsten Offroad-Events bestens vertraut und sagte: „Gestern war ein komplizierter Tag. In der Mitte der Etappe hatten wir ein Problem mit dem Lichtmaschinenriemen. Deshalb konnten wir nicht weiterfahren, während wir auf die Lkw warteten. Aber am Ende hatten wir nichts Weiteres zu reparieren. Wir kamen sehr spät ins Ziel und bekamen eine hohe Strafe. Aber wir haben den Tag beendet, also sind wir noch im Wettbewerb.
„Heute Morgen sind wir gut gestartet. Kurz vor dem [Halbzeit-Servicehalt] hatten wir einen gebrochenen Stossdämpfer. Wir haben ihn repariert, aber 30 Kilometer vor dem Ende ging er erneut kaputt, weshalb wir sehr langsam ins Ziel fuhren. Aber wir haben es geschafft, also ist es nicht so schlimm.“
Ohne Mechaniker weiter zur 10. Etappe
So sehr die Teilnehmer auch gern in einem Fünf-Sterne-Hotel einchecken und heiss duschen würden, zwingt sie das Marathon-Format stattdessen dazu, Militärverpflegung zu essen, ein Zelt aufzubauen und im Schlafsack im Zufluchtslager des „Biwaks“ zu übernachten. Danach geht es direkt in die 10. Etappe. Teil zwei des Marathons führt die Autos auf einer sandigen 421 Kilometer langen Wertungsprüfung, die von Dünenfeldern durchzogen ist, zum neuen Basislager in Bisha. Weitere Updates folgen hier.
Defender OCTA | Meister extremer Performance, überall
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