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Kann ein Blitzer zwei Autos gleichzeitig erfassen?

Geschwindigkeitsmessgerät an einer Straße mit zwei vorbeifahrenden Autos in einem Wohngebiet.

Während Millionen Französinnen und Franzosen auf dem Weg in den Urlaub unterwegs sind, häufen sich die Bußgelder wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen – nach Ansicht mancher Autofahrer mitunter zu Unrecht. Doch kann ein Blitzer zwei Autos gleichzeitig erfassen? Wir haben die Frage untersucht.

Sie fahren entspannt und halten sich an die erlaubte Geschwindigkeit, als Sie ein Radarblitz blendet. Gleichzeitig rast jedoch ein anderes Auto neben Ihnen deutlich schneller vorbei. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Erhalten Sie den Bußgeldbescheid oder der andere Fahrer? Und was passiert, wenn der Blitzer das falsche Fahrzeug zugeordnet hat?

Viele Autofahrer haben eine solche Situation bereits erlebt und sich gefragt, ob ein Blitzer zwei Fahrzeuge gleichzeitig erfassen kann. Die Antwort hängt von der Technik ab, mit der das Gerät ausgestattet ist, das Sie geblitzt hat.

Wie misst ein Blitzer die Geschwindigkeit wirklich?

Auf einer zweispurigen Landstraße zu überholen und genau in dem Moment, in dem ein Blitzer auslöst, einem anderen Fahrzeug direkt gegenüberzustehen, ist keineswegs ungewöhnlich. Dadurch können zwei Autos auf derselben Aufnahme erscheinen. Wer sich an die Regeln gehalten hat, fragt sich dann, weshalb er den Blitz gesehen hat, obwohl er nach eigener Einschätzung nichts falsch gemacht hat.

Keine Sorge: Der helle Blitz eines Radars bedeutet nicht automatisch, dass einige Wochen später ein Bußgeldbescheid im Briefkasten liegt. Entscheidend ist, was das Gerät tatsächlich messen und vor allem eindeutig zuordnen konnte.

Die meisten Geschwindigkeitsmessgeräte im Straßenverkehr arbeiten mit dem Doppler-Effekt: Das Gerät sendet einen Strahl auf die Fahrbahn und berechnet die Geschwindigkeit aller Objekte, die ihn durchqueren. Überschreitet der ermittelte Wert das geltende Tempolimit, wird zunächst eine technische Toleranz abgezogen. Bleibt danach noch eine Überschreitung bestehen, wird der Verstoß gespeichert und es werden ein oder mehrere Fotos aufgenommen.

Problematisch wird es, wenn zwei Fahrzeuge mit unterschiedlicher Geschwindigkeit gleichzeitig in den Messstrahl geraten. Dann muss das Gerät zuverlässig erkennen können, welches Fahrzeug mit welcher Geschwindigkeit unterwegs war – andernfalls besitzt der Messwert keinen rechtlichen Beweiswert.

Die ersten automatischen Blitzer, die Anfang der 2000er-Jahre eingesetzt wurden, konnten zwei Fahrzeuge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten nicht voneinander unterscheiden. Waren mehrere Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Bild zu sehen und ließ sich nicht zweifelsfrei feststellen, welches den Verstoß begangen hatte, durfte kein Bußgeldbescheid verschickt werden.

Diese Vorgabe ist in den Regelungen für Geschwindigkeitsmessgeräte ausdrücklich festgehalten: Gelangen mehrere Fahrzeuge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten gleichzeitig in den Messstrahl, darf das Gerät kein verwertbares Messergebnis liefern. Deshalb haben einige Fahrer, die zur selben Zeit wie ein anderes Fahrzeug geblitzt wurden, nie eine Verwarnung oder einen Bußgeldbescheid erhalten.

Unterscheidende Blitzer verändern die Lage

Seit dieser ersten Generation hat sich die Technik erheblich weiterentwickelt. Sogenannte „unterscheidende“ Blitzer, Turmblitzer und einige Messanlagen für beide Fahrtrichtungen verfügen heute über Systeme, die bei jedem Fahrzeug im überwachten Bereich die benutzte Fahrspur, die Fahrzeugklasse und die Geschwindigkeit bestimmen können.

Praktisch bedeutet das: Überschreiten zwei Autos im selben Moment auf zwei unterschiedlichen Spuren jeweils die erlaubte Geschwindigkeit, kann der Blitzer beide Verstöße erfassen und dem jeweiligen Fahrzeug korrekt zuordnen. Ist dagegen nur einer der beiden Fahrer tatsächlich zu schnell, erhält nur dieser einen Bußgeldbescheid – selbst wenn das zweite Fahrzeug ebenfalls auf dem Foto zu sehen ist.

Dass sich ein weiteres Auto auf der Aufnahme befindet, führt daher nicht mehr wie früher automatisch zur Aufhebung des Bußgelds. Ausschlaggebend ist inzwischen das Blitzer-Modell, das auf dem betreffenden Streckenabschnitt installiert ist.

Was tun, wenn Sie in dieser Situation einen Bußgeldbescheid erhalten?

Sind Sie überzeugt, beim Auslösen des Blitzers das Tempolimit eingehalten zu haben, während ein anderes Fahrzeug neben Ihnen fuhr, fordern Sie das zum Bußgeldbescheid gehörende Foto an. Anhand dieses Dokuments lässt sich prüfen, welche Spur berücksichtigt wurde, welches Fahrzeug identifiziert worden ist und auf welcher Grundlage die Geschwindigkeit gemessen wurde. Bleiben berechtigte Zweifel an der Identifizierung des fehlbaren Fahrzeugs, sollte das Foto auch einem Einspruch bei der zuständigen Behörde beigefügt werden.

Achtung: Es wird weiterhin empfohlen, das Bußgeld vor einem Einspruch zu bezahlen, um die eigene Gutgläubigkeit zu belegen.

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