Ein Lastenrad für 1.500 Euro – klingt nach Wunschdenken? Fiido macht es mit dem T2 möglich. Doch wie gut kann ein Rad dieser Preisklasse sein, wenn das günstigste in Frankreich erhältliche Modell sonst 3.000 € kostet? Um das herauszufinden, habe ich das Fiido T2 drei Monate lang ausprobiert.
Lastenräder sind schwer und wuchtig, für Familien in der Stadt aber ausgesprochen praktisch. Diese zweirädrigen Schwergewichte eignen sich dafür, Einkäufe und Kinder zu transportieren sowie den Weg zwischen Zuhause und Arbeitsplatz zurückzulegen – und das ohne hohe Spritkosten.
Bislang lag der größte Nachteil von Lastenrädern im Preis. Selbst die günstigsten Varianten von Intersport oder Decathlon kosten bereits etwa 3.000 bis 4.000 Euro. Zuschüsse einzelner Städte können die Rechnung zwar senken, dennoch bleibt die Anschaffung teuer.
Mit einem Preis von rund 1.499 Euro verspricht Fiido mit dem T2 ein Lastenrad, das nur halb so viel wie die Konkurrenz kostet und zwei Kinder auf Alltagswegen beziehungsweise einen großen Einkauf befördern kann. Auf dem Papier klingt das äußerst verlockend. Doch hält das Modell dieses Versprechen auch in der Praxis?
Um das zu klären, habe ich das Fiido T2 drei Monate lang getestet. Dabei transportierte ich sowohl Einkäufe als auch mein vierjähriges Kind – in der Stadt ebenso wie auf dem Land.
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Montage: fast fertig geliefert, aber mit Einstellbedarf
Wie bei allen Fiido-Fahrrädern wird das T2 nahezu vollständig vormontiert geliefert. Nur Pedale, Fußrasten und Vorbau müssen noch befestigt werden, anschließend folgen Vorderrad und Schutzblech. Das benötigte Werkzeug liegt bei, sodass die Montage grundsätzlich für alle machbar ist. Bei diesem Modell empfehle ich dennoch zwei Personen, denn aufgrund seines Gewichts lässt es sich kaum gleichzeitig halten und zusammenbauen.
Außerdem sollte man sich genug Zeit für die Einstellung der Bremsen und insbesondere der Shimano-Tourney-Schaltung nehmen, die man manuell auf ihre drei Referenzpositionen indexieren muss. Bei meinem Testmodell musste bei der Ankunft wirklich alles nachjustiert werden. Mit Geduld und einem Video-Tutorial ist das kein unlösbares Problem, aber man sollte es wissen, bevor man an einem eiligen Sonntagabend loslegt.
Was mir am Fiido T2 gefallen hat
Fahrverhalten und Sicherheit
Das war die größte Überraschung im Test: Trotz seiner recht straffen Lenkung beginnt das T2 nie zu pendeln, auch nicht mit einem Kind oder voll beladenen Einkaufstaschen auf dem Heck. Ich starte bewusst mit diesem Aspekt, denn Lenkerschlagen – also ein unkontrolliertes Schwingen des Lenkers bei bestimmten Geschwindigkeiten – ist ein bekanntes Problem bei Lastenrädern und tritt mitunter sogar bei Modellen für mehr als 7.000 Euro auf.
Zum angenehmen Fahrgefühl trägt auch die Reifenwahl bei. Die CST-Fatbike-Reifen im Format 20 x 4.0 stecken Unebenheiten, niedrige Bordsteine und Schlaglöcher sehr gut weg und gleichen damit einen großen Teil der Schwächen der etwas zu weichen Federgabel aus, auf die ich noch zurückkomme. Selbst auf kurvigen Waldwegen mit Ästen, Steinen und Schlamm blieb das Fahrrad völlig unbeeindruckt.
Zum Komfort kommt ein ausgeprägtes Gefühl von Sicherheit hinzu – zum Glück, wenn Kinder mitfahren. Einen entscheidenden Anteil daran haben die Bremsen. Die Vierkolben-Bremssättel in Verbindung mit 203-mm-Scheiben leisten nach sorgfältiger Einstellung hervorragende Arbeit. Mit einem 20 kg schweren Kind und zwei voll beladenen Einkaufstaschen benötigt das Rad bei 25 km/h etwas weniger als 5 Meter bis zum Stillstand. Für ein Fahrzeug dieser Masse ist das ein sehr ordentliches Ergebnis.
Daher fahre ich das Fiido T2 jeden Tag mit unverhohlener Freude. Und auch mein vierjähriges Kind scheint es sehr zu mögen.
Großer Akku und ein cleveres Schlüsselsystem
Mit knapp 1 kWh Kapazität bietet der Akku des T2 für diese Preisklasse eine besonders großzügige Auslegung. Positiv ist außerdem die einfache Entnahme: Den Sattel nach vorn klappen, den Schlüssel in die vorgesehene Position drehen und den Akku anschließend kräftig entlang der Schiene herausziehen. In der mittleren Schlüsselstellung wird das Fahrrad eingeschaltet. Dreht man ihn nach links, wird alles abgeschaltet und der Motor gesperrt. Viel Glück dem Dieb, der dieses große Rad ohne elektrische Unterstützung bewegen möchte … Ich habe das Fahrrad sogar vor der Schule abgestellt, ohne jemals Angst vor einem Diebstahl zu haben. Das ist wirklich angenehm.
Wie sieht es mit dem Laden aus? Um den Akku zu entriegeln, dreht man den Schlüssel einfach nach rechts, nimmt ihn mit in die Wohnung und lädt ihn mit dem mitgelieferten proprietären Ladegerät. Dieses aus der Motorradwelt übernommene System überzeugt durch seine unkomplizierte Handhabung.
Allerdings ist die Ladezeit äußerst lang: Mit dem beiliegenden 3-A-Ladegerät dauert eine vollständige Ladung etwa 7 Stunden, und eine Schnellladeoption gibt es derzeit nicht. Sinnvoller ist es also, das Fahrrad am Vorabend anzuschließen, statt es während der Mittagspause aufladen zu wollen.
Um den Ladestand zu überwachen, lässt sich die einfache und effiziente Fiido-App nutzen. Sie zeigt darüber hinaus Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit, zurückgelegte Strecke und natürlich die verbleibende Reichweite an.
Wer keine App verwenden möchte, findet die meisten dieser Daten ebenfalls auf dem kleinen Display an der linken Lenkerseite. Die Anwendung muss also keineswegs installiert werden, um das Fahrrad zu nutzen.
Unschlagbares Preis-Ausstattungs-Verhältnis
Für 1.499 Euro kann das T2 zwei Kinder transportieren, mit oder ohne Einkäufe. Es fährt sicher, lässt sich komfortabel steuern und bietet eine hervorragende Reichweite. Vor allem sieht es nach drei Monaten Einsatz nahezu wie neu aus, obwohl ich es nicht geschont habe.
Zudem ist dieses Modell in Zeiten steigender Kraftstoffpreise sehr sparsam. Eine volle Akkuladung kostet ungefähr 0,42 € pro 100 km, also etwa 46 Euro pro Jahr bei einem täglich zu Hause geladenen Arbeitsweg von 30 km.
Zum Vergleich: Die meisten Lastenräder kosten zwei- bis dreimal so viel. Natürlich musste Fiido technisch einige Abstriche machen, auf die ich weiter unten eingehe, doch für die täglichen Fahrten fallen sie kaum ins Gewicht.
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Was mir am Fiido T2 weniger gefallen hat
Eine zu weiche Vorderradgabel
Hier liegt der eigentliche Schwachpunkt dieses Fahrrads. Die gefederte Vorderradgabel ist zu weich, sodass sie bereits bei kleinen Unebenheiten auf der Straße durchschlägt. Ihre Härte lässt sich zwar bis zur Blockierung anpassen, doch eine straffere Einstellung verschlechtert das Fahrgefühl lediglich, weil Stöße dann zwangsläufig härter ankommen.
Zum Glück fangen die breiten Fatbike-Reifen einen großen Teil dieses Problems ab. Mit der Zeit habe ich eine gute Balance gefunden und die Gabel etwa zur Hälfte straffer eingestellt. In Kombination mit der Nachgiebigkeit der Fatbike-Reifen verbessert diese Einstellung den Fahrkomfort deutlich.
Ein lauter Motor
Der Motor des T2 arbeitet deutlich lauter als der Durchschnitt heutiger E-Bikes. Im Alltag ist das kein Ausschlusskriterium, aber das ständige Geräusch nimmt etwas von dem Vergnügen, unauffällig unterwegs zu sein. Häufig drehten sich Passanten schon um, lange bevor ich an ihnen vorbeifuhr.
Die gewählte Motorisierung hat noch eine weitere Grenze: Bei langen Anstiegen hält das Drehmoment nicht dauerhaft durch. Die Spitzenleistung ist durchaus gut, lässt aber schnell nach, sobald die Steigung länger als hundert Meter andauert. Wer in einer hügeligen Gegend lebt oder in einer Stadt mit vielen Steigungen unterwegs ist, sollte das berücksichtigen.
Ein etwas zu niedriger Sattel für große Personen
Der integrierte Sattel lässt sich nur bis auf 94 cm über dem Boden einstellen. Fahrerinnen und Fahrer über 1,70 m sitzen daher eher unbequem, mit hochgezogenen Knien und angewinkelten Beinen. Mit meinen 1,85 m fühlte ich mich entsprechend alles andere als wohl. Unterhalb dieser Körpergröße passt das Fahrrad dagegen sehr gut. Schade, denn die durchschnittliche Größe eines Mannes in Frankreich beträgt 1,80 m, die einer Frau 1,65 m.
Ein weiterer Kritikpunkt: Da dem hinteren Gepäckträger eine standardisierte MIK-HD-Befestigung fehlt, gestaltet sich die Montage eines klassischen Kindersitzes schwierig. Man muss also etwas improvisieren, um einen solchen Sitz anzubringen. Außerdem sitzt der Frontscheinwerfer im Motorradstil am Rahmen statt am Lenker. Diese Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar, da das Licht in Kurven nicht mitdreht – bei Nacht kann das irritierend oder sogar gefährlich sein.
Verbesserungswürdige Schaltung
Die Shimano-Tourney-Schaltung mit 7 Gängen zählt zum Einstiegssegment des Shimano-Katalogs und verfügt sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Gängen über eine recht begrenzte Übersetzungsbandbreite. Es handelt sich exakt um dieselbe Schaltung wie beim zeitgleich getesteten C11 Pro, weshalb meine Einschätzung identisch ausfällt.
Eine kleine Besonderheit gibt es dennoch: Der Anfahrassistent bis 6 km/h gleicht diesen Mangel teilweise aus, weil die Schaltung im Stand nicht belastet werden muss. Selbst wenn das den Preis etwas erhöht hätte, hätte ich mir gewünscht, dass Fiido bei dieser im Alltag wichtigen Komponente mehr investiert.
Lohnt sich das Fiido T2?
Das Fiido T2 kostet derzeit etwa 1.499 Euro, nachdem es zum Marktstart bei 1.799 Euro lag. Die Familienversion für 1.599 Euro enthält zusätzliches Zubehör wie hintere Fußrasten. Der Akku ist außerdem einzeln für 420 Euro erhältlich – ein angemessener Preis, falls man einen Ersatzakku bereithalten möchte.
In diesem Segment wirkt ein Vergleich beinahe absurd. Referenzmodelle unter den Longtail-Lastenrädern wie das Tern GSD, das Yuba Spicy Curry oder das Riese & Müller Load starten deutlich oberhalb von 4.000 Euro. Auch französische und europäische Marken wie Moustache bieten Einsteigermodelle für rund 4.000 Euro an.
Mit diesen Referenzen kann das T2 bei Materialqualität oder Verarbeitung selbstverständlich nicht mithalten, erfüllt aber die wesentlichen Anforderungen an ein solches Produkt.
Wer ausschließlich dieses Verkehrsmittel nutzen möchte, sollte möglicherweise etwas mehr Geld in ein höherwertiges Modell investieren. Als ergänzendes Transportmittel wird dieses T2 dagegen vollkommen zufriedenstellen – und das zu einem Preis, der kaum zu schlagen ist.
| Fiido T2 zum besten Preis | |
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| Grundpreis | 1.499 € |
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Mein Urteil zum Fiido T2
Ist das Fiido T2 das perfekte Lastenrad für den Schulstart? Ja, für eine klassische Familiennutzung mit dem morgendlichen Weg zur Schule und einigen Einkäufen unter der Woche. Wenn man kleiner als 1,70 m ist und in einer wenig hügeligen Gegend wohnt, bietet das T2 einen angenehmen Fahrkomfort. Es ist sehr stabil, verfügt über eine leistungsstarke und vertrauenerweckende Bremsausstattung. Der große Akku sorgt für eine hervorragende Reichweite, während das sichere Schlüsselsystem bei alltäglichen Fahrten zusätzliche Sicherheit vermittelt.
Für große Personen kann die Sitzposition jedoch schnell unbequem werden. Auch die Schaltung reagiert etwas zickig, was Nutzerinnen und Nutzer hochwertigerer Fahrräder stören könnte.
Bei intensiver Nutzung – also täglich mehr als rund zehn Kilometer – empfiehlt sich eher ein robusteres Modell, auch wenn dafür ein höheres Budget nötig ist. Für den Großteil der innerstädtischen Wege zwischen Wohnung, Schule und Arbeitsplatz gehört das Preis-Leistungs-Verhältnis des T2 derzeit aber zu den überzeugendsten auf dem Lastenradmarkt. Und außerdem sieht es richtig gut aus!
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