Für Politiker besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Zukunft des Automobils elektrifiziert sein soll. Das zeigen nicht zuletzt die Kaufanreize für Elektroautos, die mit jedem Staatshaushalt bereitgestellt werden.
Meiner Ansicht nach unterschätzen oder vergessen die Verantwortlichen jedoch einen entscheidenden Punkt beim wachsenden Anteil von Elektroautos auf unseren Straßen: Je mehr davon unterwegs sind, desto mehr Ladepunkte werden benötigt.
Zwar war Portugal mit dem öffentlichen Mobi.E-Netz, dessen Nutzung lange Zeit kostenlos war, ein Vorreiter. Auch die Privatisierung des Ladenetzes und die Investitionen verschiedener Akteure haben die Zahl der Ladegeräte zuletzt erhöht. Dennoch scheint das weiterhin nicht auszureichen.
Beschwerden über das Ladenetz sind wiederkehrend
Ob von Zero oder von der UVE – Associação de Utilizadores de Veículos Elétricos, die sogar ein Manifest zum Zustand des Ladenetzes veröffentlicht hat: Kritik an zu wenigen Ladepunkten oder an der mangelhaften Wartung vorhandener Anlagen begegnet einem schnell.
Auch bei meinen Gelegenheiten, Elektroautos zu testen, habe ich dieses Problem erlebt. Defekte Ladepunkte und Stationen, an denen sich Warteschlangen bildeten, führten dazu, dass ich deutlich häufiger als wünschenswert an der Grenze der verfügbaren Reichweite unterwegs war. Das kann potenzielle Käufer durchaus abschrecken.
Während das Tanken eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor nur wenige Minuten beansprucht, gilt das für ein Elektroauto nicht. Deshalb lässt sich kein System umsetzen, das mit dem an Tankstellen vergleichbar wäre, wo man geordnet wartet, bis der Kunde vor einem fertig ist.
Hinzu kommt, dass Elektroautos beim Belegen eines Ladepunkts auch mit Plug-in-Hybriden konkurrieren. Gerade deshalb ist ein weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur umso notwendiger.
Elektroautos: Laden zu Hause ist nicht für alle möglich
Für viele lässt sich das Problem des Ladenetzes offenbar einfach durch Laden zu Hause lösen. Doch diese „Lösung“ hat einen großen Haken.
Davon auszugehen, dass die Mehrheit der Portugiesen über eine Garage verfügt, in der sie ihr Auto laden kann, zeugt von einer Realitätsferne gegenüber dem portugiesischen Immobilienbestand, die nur noch von der Behauptung übertroffen wird, der Staat kenne nicht sämtliche Grundstücke und Immobilien in seinem Besitz.
Ich kann hier aus eigener Erfahrung sprechen. Obwohl ich in einem relativ modernen Gebäude, das noch keine 20 Jahre alt ist, einen Garagenstellplatz habe, gibt es dort keine Steckdose zum Laden eines Elektroautos. Und wie bei mir fehlt eine solche Möglichkeit auch bei der Mehrheit, möglicherweise sogar bei allen meinen Nachbarn.
Viele Portugiesen leben im Großraum der Städte am Stadtrand oder in Gegenden ohne Garage. Unter diesen Voraussetzungen ist es wenig schlüssig, den Kauf von Elektroautos zu fördern, ohne zugleich das Ladenetz auszubauen. Wenn es in meinem Viertel schließlich nur einen Ladepunkt gibt: Wer entscheidet dann, wer sein Auto wann lädt? Werden Nummern gezogen?
Ladepunkte fehlen auch außerhalb der Großstädte
Erschwerend kommt hinzu, dass es in vielen Orten im Landesinneren nicht einmal Ladepunkte gibt. Und nein: Die Lösung besteht nicht darin, jemanden zu bitten, das Auto eine Weile mit dessen Strom zu laden und anschließend dafür zu bezahlen – wie mir einst ein Nutzer eines Elektroautos vorschlug.
Stattdessen braucht es eine abgestimmte Politik zum Aufbau von Ladepunkten. Ein erster Schritt könnte darin bestehen, sicherzustellen, dass alle Kreisstädte des Landes über Ladepunkte – ja, im Plural – verfügen, die sich in einem guten funktionsfähigen Zustand befinden.
Aus meiner Sicht gleicht es jedenfalls dem Bau eines Hauses vom Dach her, weiter auf höhere Verkaufszahlen von Elektroautos zu drängen, ohne gleichzeitig das Ladenetz zu verstärken.
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