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Peugeot 806 Procar: Der ungewöhnlichste Star der 24 Stunden von Spa-Francorchamps 1995

Weißer Peugeot 806 Procar Rennwagen mit roten und blauen Streifen in moderner Ausstellungshalle.

Von außen harmlos, auf der Rennstrecke ein wahrer „Teufel“: So lässt sich dieser Peugeot 806 Procar treffend beschreiben. Ob er der ungewöhnlichste Teilnehmer der 24 Stunden von Spa-Francorchamps 1995 war? Daran besteht kein Zweifel.

Bei jener Ausgabe des Langstreckenrennens, die in diesem Jahr 25 Jahre zurückliegt, zog er zwangsläufig alle Blicke auf sich. Zwischen den kompakten Kleinwagen und schlanken Limousinen, welche das Teilnehmerfeld mehrheitlich prägten, stach er besonders deutlich hervor.

Wie kam es aber dazu, dass ausgerechnet dieser MPV – der erste von Peugeot und das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem damaligen Fiat-Konzern und der Groupe PSA – bei einem derart renommierten Rennen antrat?

Dafür muss man in die erste Hälfte der 1990er-Jahre zurückgehen. MPVs begannen damals, die Verkaufsranglisten in nennenswertem Umfang zu erobern. Trotz ihres wachsenden Markterfolgs litten sie unter einem Imageproblem, das sich bis heute hält: Sie galten vor allem als praktische Familienfahrzeuge und kaum als etwas anderes. Wie ließ sich das spannender gestalten? Indem man ihnen Rennsport-Gene einpflanzte – 1994 erschien beispielsweise der spektakuläre Renault Espace F1.

Die Entstehung des Peugeot 806 Procar

Möglicherweise durch diese faszinierende Kuriosität inspiriert, aber nicht nur dadurch: 1994 trat auch der Volvo 850 Wagon in der hart umkämpften BTCC an. Pascal Witmeur, Fahrer in der belgischen Procar-Meisterschaft und Werbeleiter von Peugeot Belgien, entschloss sich daher, den damals noch neuen Peugeot 806 – 1994 eingeführt – gemäß dem damaligen Procar-Reglement im Rennsport einzusetzen.

So entstand der Peugeot 806 Procar … zumindest fast. Zunächst musste aus dem unscheinbaren MPV ein kompromissloses Rennstreckenfahrzeug werden. Das Rezept erinnerte an Frankensteins bestes Monster: In diesem gründlich umgebauten 806 fanden sich Komponenten des 306 Maxi und des 406 Supertourisme wieder, der dabei als wichtigster Teilelieferant diente.

Vom 406 Supertourisme stammten Motor und Getriebe: ein frei saugender 2,0-l-Reihenvierzylinder mit 280 PS sowie ein sequenzielles Sechsganggetriebe. Nachdem der MPV von den für seine Zeit typischen Komfortausstattungen befreit worden war und ein großzügig dimensionierter Überrollkäfig ihren Platz eingenommen hatte, war der Peugeot 806 Procar bereit für die Rennstrecke.

Kronos Racing baute das Fahrzeug 1995 und stellte es gerade rechtzeitig für die 24 Stunden von Spa-Francorchamps desselben Jahres fertig. Das Cockpit teilten sich drei Fahrer: Eric Bachelart, Philippe Verelleny und Pascal Witmeur selbst, der die verrückte Idee für das Projekt gehabt hatte.

Peugeot 806 Procar bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps

Natürlich stand das Trio im Mittelpunkt des Interesses. Noch mehr Aufmerksamkeit erhielt der MPV, als er sich auf der sechsten Startreihe qualifizierte – auf Platz 12! Der Peugeot 806 Procar war schnell genug, um sich zwischen die Limousinen zu mischen, die den Tourenwagensport jener Zeit bestimmten: BMW 318, Opel Vectra, Honda Accord und weitere.

Doch Langstreckenrennen sind erbarmungslos – erst recht über 24 Stunden. Der Peugeot 806 Procar hielt nicht durch und schied in der Nacht wegen eines Motorschadens aus. Dennoch war sein Auftritt beachtlich, und er blieb der unbestrittene Star des Rennens, wie Pascal Witmeur später erklärte:

„Jedes Mal, wenn wir durch Raidillon fuhren, applaudierten die Menschen … Das Publikum mochte ihn nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Art, sondern auch, weil er häufig auf zwei Rädern unterwegs war.“

Zum Verkauf angeboten

Der Peugeot 806 Procar wird nun bei den belgischen Gipimotor zum Verkauf angeboten; der Preis ist auf Anfrage erhältlich. Leider ist er nicht fahrbereit, da er nach dem Rennen nie repariert wurde. Es gibt jedoch Pläne, ihm einen neuen Motor zu verpassen und ihn wieder einsatzfähig zu machen. Ein Detail ist erhalten geblieben: Die seitlichen Schiebetüren, Sinnbild seiner praktischen Seite, funktionieren noch immer.

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